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Herbert Hainer im Sport1 Interview zur Kaderplanung und Thomas Müller

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Herbert Hainer – Copyright SPORT1 | Nadine Rupp

Herbert Hainer, Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern München, sprach im exklusiven SPORT1 Interview vor dem Halbfinale in der UEFA Champions League gegen Olympique Lyon in Lissabon über die aktuelle Situation, die sportliche Zukunft und Kaderplanung sowie seine bisherige Präsidentschaft.

Angesichts der derzeitigen Leistungen von Thomas Müller sagte Herbert Hainer – auf die Frage, ob Joachim Löw seine Entscheidung noch einmal überdenken solle – dass der 30-Jährige „nie besser war als heute“.

19.08.2020 – PM Sport1 / SPORT4FINAL / Frank Zepp:

SPORT1: Herr Hainer, können Sie bitte drei Gedanken nennen, die Ihnen während des Spiels gegen Barcelona bzw. danach durch den Kopf gegangen sind?

Herbert Hainer: „Unglaublich. WM-Halbfinale 2014 Deutschland gegen Brasilien. Schade, dass keine Zuschauer im Stadion sein können.“

War das 8:2 der Startschuss für eine goldene Ära, kann so etwas die Geburtsstunde eines großen Teams sein?

Hainer: „Ob das der Startschuss einer goldenen Ära war, kann man erst im Nachhinein beurteilen. Schon in der gesamten Rückrunde kann man sehen, dass wir eine großartige Mannschaft haben, die derzeit einen fantastischen Fußball spielt, erfolgreich und attraktiv. Die Mischung innerhalb des Kaders stimmt, die Stimmung im Team ist hervorragend, die Spieler, die eingewechselt werden, bringen immer noch einmal frischen Wind, neue Impulse. Wir dürfen im Moment beim FC Bayern sehr, sehr zufrieden sein.“

Hans-Joachim Watzke sagte am Montag: „Womöglich ist das die beste Mannschaft, die jemals bei Bayern München gespielt hat“. Stimmen Sie zu?

Hainer: „Unser aktuelles Team ist wie gesagt hervorragend, ob es das beste unserer Vereins-Geschichte ist, lässt sich nur schwer sagen. Der FC Bayern hatte auch früher schon großartige Mannschaften. In den Siebziger Jahren mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Paul Breitner und Uli Hoeneß, die dreimal hintereinander den Europapokal der Landesmeister gewonnen haben. Dann die Champions-League-Sieger mit Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Stefan Effenberg um die Jahrtausendwende und natürlich die Triple-Sieger aus dem Jahr 2013 um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und Thomas Müller.“

Wäre alles andere als ein Weiterkommen gegen Lyon eine große Enttäuschung?

Hainer: „Wir wollen mit aller Macht ins Finale!“

Karl-Heinz Rummenigge hat sich für die Welt-Fußballer-Wahl ins Zeug gelegt, sie soll stattfinden. Kann diese Wahl in diesem Jahr ein anderer Spieler gewinnen als Robert Lewandowski?

Hainer: „Robert Lewandowski hätte es absolut verdient. Er ist der überragende Torjäger der Bundesliga und der Champions League – was er leistet, ist fast unglaublich. Mir fällt kein Spieler ein, der in dieser Saison vor ihm stehen könnte.“

Welcher Bayern-Spieler hat Ihrer Meinung nach in dieser Saison die größte/beeindruckendste Entwicklung genommen?

Hainer: „Es ist immer schwierig, einzelne Spieler hervorzuheben – aber natürlich ist die Entwicklung von Alphonso Davies fantastisch. Wie er sich innerhalb von nur 18 Monaten vom Nobody aus Kanada zu einem der besten Linksverteidiger der Welt entwickelt hat, beeindruckt derzeit die gesamte Fußballwelt. Aber genauso imponiert mir die Entwicklung von Leon Goretzka. Er ist selbstbewusst, physisch unglaublich stark, ein echter Leader, eine starke Persönlichkeit. So ist er aus der Mannschaft des FC Bayern nicht mehr wegzudenken.“

Erwarten Sie, dass Joachim Löw seine Entscheidung bezüglich Thomas Müller und/oder Jerome Boateng, vor allem unter Anbetracht ihrer Entwicklung unter Hansi Flick, überdenkt?

Hainer: „Ob Joachim Löw seine Entscheidung noch einmal überdenkt, weiß ich nicht – ich möchte ihm auch nicht in seine Arbeit rein reden. Aber: Der FC Bayern hat das Double gewonnen und steht nach einem 8:2-Sieg gegen den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League. Jerome Boateng ist ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft und Thomas ist bei uns Leader und Torjäger zugleich – er war meiner Meinung nach nie besser als heute.“

Warum hat sich unter Hansi Flick ein solcher Erfolg, eine solche Stimmung eingestellt?

Hainer: „Hansi Flick ist es gelungen, die Spieler zu einer Einheit, zu einem echten Team zu formen. Er führt viele Gespräche, er ist offen und ehrlich, er schwört jeden Einzelnen auf den Erfolg der Mannschaft ein. Und er überzeugt die Spieler durch seine Arbeit auf dem Platz, durch seine taktischen Anweisungen und seine strategischen Überlegungen.“

Wie lange kann sich der FC Bayern ein Stadion ohne Zuschauer leisten?

Hainer: „Wie haben keine Existenz-Sorgen, aber empfindliche finanzielle Einbußen. Die müssen wir auf der Ausgabenseite kompensieren. Schwerer wiegt aber noch, dass wir keine Emotionen im Stadion haben. Fußball lebt von den Fans, von der Stimmung, er wird letztendlich für die Zuschauer gespielt. Die Gesundheit der Menschen hat oberste Priorität, und unter diesen Aspekten haben wir in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein sehr gutes Konzept entwickelt. Nun hoffen wir, dass die Fallzahlen nicht weiter steigen und wir in nicht allzu ferner Zukunft grünes Licht von der Politik bekommen.“

Muss der FC Bayern in den kommenden Wochen Spieler verkaufen, um finanzielle Löcher zu stopfen?

Herbert Hainer: „Nein.“

Können Sie bestätigen, dass man sich mit David Alaba und seinem Management auf der Zielgeraden befindet? Beide Seiten wollen verlängern. Da kann doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder?

Hainer: „Wir halten es wie immer. Über Transfer-Verhandlungen geben wir keine Zwischenstände bekannt. Aber es ist ja bekannt, dass wir uns über eine Vertragsverlängerung von David Alaba sehr freuen würden.“

Wird es nach der Champions League zu weiteren Neuzugängen kommen?

Hainer: „Das Transferfenster hat bis zum 5. Oktober geöffnet. Bis dahin halten wir uns am Transfermarkt alle Optionen offen.“

Können Sie bestätigen, dass Jerome Boateng am Ende dieser Saison den FC Bayern verlassen soll, wie die SPORT BILD berichtet hatte. Oder ist es sogar möglich, dass er bis 2021 bleibt oder verlängert?

Hainer: „Auch hier bitte ich um Verständnis, dass wir solche Gerüchte nicht kommentieren werden.“

Hans-Joachim Watzke hat am Montag gesagt: „Speziell die Engländer haben gemerkt, dass die Deutschen im Kommen sind. Das ist eine sehr, sehr gute Geschichte“. Warum schafft es der FC Bayern, sich im Duell mit Finanz-Mächten wie Paris oder ManCity durchzusetzen/zu behaupten und wann könnte man an Grenzen stoßen?

Hainer: „Der FC Bayern arbeitet im sportlichen und im wirtschaftlichen Bereich seit Jahrzehnten sehr vernünftig und sehr erfolgreich. Dennoch sind uns insbesondere die Engländer gerade in Sachen TV-Erlöse und durch das Engagement großer Investoren voraus. Teilweise kompensieren wir das durch sehr große Erfolge in der nationalen und internationalen Vermarktung mit unseren langjährigen Sponsoren aber auch mit neu hinzugewonnenen Partnern. Zudem sind wir im Kerngeschäft – und das ist immer noch der Fußball – sehr gut aufgestellt. Der Kader ist super zusammengestellt, die Nachwuchsarbeit funktioniert nun wieder sehr gut und das Trainerteam arbeitet hervorragend.“

Der BVB teilte am Montag mit, dass man in den drei Monaten der Corona-Krise „sicher 25 Millionen Euro verloren“ habe. Wie viel hat der FC Bayern seit Beginn der Pandemie bisher verloren?

Hainer: „Ich möchte hier nicht über konkrete Zahlen sprechen. Aber natürlich fehlen uns insbesondere die Ticket-Einnahmen komplett, und die machen beim FC Bayern allein rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Zudem hat Corona auch zu Rückgängen im Bereich Merchandising gesorgt.“

Was würde Ihnen das Triple in Ihrem Premieren-Jahr bedeuten?

Hainer: „Jeder träumt davon, aber jetzt müssen wir erst mal ins Finale einziehen.“

Seit Ihrer Übernahme schwebt der FC Bayern auf einer Erfolgswelle. Welchen Anteil haben Sie daran?

Hainer: „Ich möchte nicht über meinen Anteil am Erfolg sprechen, das sollen andere beurteilen. Aber ich kann sagen, dass ich mit dem gesamten Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge, mit meinen Kollegen im Präsidium und im Aufsichtsrat sehr gut und sehr gerne zusammenarbeite, genau wie mit der sportlichen Führung und allen Mitarbeitern. Und als Team haben wir viel Spaß und derzeit auch viel Erfolg.“

Erkennen Sie im Führungsstil von Hansi Flick Parallelen zu Ihrem Führungsstil beim FC Bayern oder früher bei Adidas?

Hainer: „Wenn Sie das so fragen – ja, vielleicht ähnelt sich unser Führungsstil tatsächlich ein wenig. Wir geben beide die Richtung vor und treffen am Ende natürlich auch Entscheidungen. Dabei gehen wir aber beide auf die Menschen ein, wir versuchen Verantwortung zu übertragen und als Team erfolgreich zu sein.“

Wie viel Zeit und Kraft müssen Sie als Präsident beim FC Bayern investieren?

Herbert Hainer: „Viel Zeit und wenig Kraft, denn das Amt des Präsidenten des FC Bayern bereitet mir sehr viel Freude.“

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