HC Leipzig: Wachsender Schuldenberg, Sanierungskonzept und „Wahrheiten“ von Kay-Sven Hähner

Kay-Sven Hähner - HC Leipzig in existenzbedrohender Finanz-Krise mit EUR 900.000 Verbindlichkeiten - Foto: SPORT4FINAL
Kay-Sven Hähner – HC Leipzig in existenzbedrohender Finanz-Krise mit EUR 900.000 Verbindlichkeiten – Foto: SPORT4FINAL

Der HC Leipzig stellte in seiner heutigen Pressemitteilung zum aktuellen Stand bezüglich der Spielbetriebs-GmbH fest: „Damit dementierte Hähner auch anders lautende Medienberichte vom heutigen Donnerstag, welche mit falschen Informationen für zahlreiche Unruhe gesorgt hatten, vor allem den Umstand, dass daran gezweifelt wurde, ob überhaupt ein Konzept existiert.“

Die SPORT4FINAL-Redaktion folgte Hähners Hinweis und fand im Medienwald einen Artikel der BILD-Zeitung mit der Überschrift „Jetzt fehlt Hähner sogar eine Million!“

Ein Kommentar von SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp zur aktuellen Situation des HC Leipzig und der „Wahrheiten“ von Geschäftsführer Kay-Sven Hähner.

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30.03.2017 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp
SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp

Prolog: Die Fakten von BILD

Nach dem Bericht der Wirtschaftsprüfer soll die HC Leipzig Bundesliga GmbH derzeit mit 1,3 Millionen EUR verschuldet sein. Bis Mitte April, wenn die laufenden Stundungs-Vereinbarungen auslaufen, soll die HC Leipzig Bundesliga GmbH eine Million EURO brauchen. Mindestens 300.000 EUR soll Hähner an Zuwendungen von der Stadt Leipzig wollen. „Ein nachhaltiges und vor allem nachvollziehbares Konzept konnte er den Stadträten aber bis jetzt nicht vorlegen.“ (Quelle BILD vom 30.03.2017)

Wer versorgt die Öffentlichkeit mit welchen Informationen?

Sportbürgermeister Heiko Rosenthal gegenüber SPORT4FINAL: „Wir befinden uns weiterhin im Stadium des nicht-öffentlichen Verfahrens und hoffen zeitnah, konkrete Dinge erklären zu können.“

HCL-Geschäftsführer Kay-Sven Hähner in der eigenen Pressemitteilung: „Da es sich … auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt und der Sparkasse allerdings zunächst um einen laufenden, nicht-öffentlichen Prozess handelt, können wir über etwaige Inhalte an dieser Stelle derzeit nichts sagen.“

Transparenz und Öffentlichkeit

Die Hoffnungen für mehr Transparenz und Öffentlichkeit heißen Stadtrat und Fraktion laut Satzungen der Stadt Leipzig. Stellt ein Stadtrat oder eine Fraktion bis zum 7. April 2017 einen Antrag auf Zuwendungen der Stadt für den HC Leipzig, um ihn am 12. April in erster Lesung in der Ratsversammlung zu erörtern, müsste der Antrag begründet und das Sanierungskonzept der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Erst dann kann öffentlich beurteilt werden, ob das Sanierungskonzept für den HC Leipzig erfolgreich umgesetzt werden kann. Denn Geheim-Diplomatie des HCL gibt es in öffentlichen Ratstagungen nicht. Erst in zweiter Lesung am 17. Mai könnten seitens der Stadt öffentliche Mittel bewilligt werden.

Fakt ist nunmal, dass die Stadt Leipzig nicht Auskunft über das Sanierungskonzept geben darf. Der HC Leipzig könnte dies und tut es nicht. Insofern kommt der vom Geschäftsführer Hähner immer noch geführte Verein dem öffentlichen Informationsbedürfnis nicht nach. Geheim- und Schein-Diplomatie und das Verstecken hinter einem nicht-öffentlichen Prozess. Ein Neuanfang des HC Leipzig muss anders aussehen!

Die „Wahrheiten“ des Kay-Sven Hähner

1. Hähner betreibt Medienschelte und beschuldigt diese der falschen Informationen. Jeder normal denkende Bürger weiß aber, dass die am 16. Februar von Hähner genannten 900.000 EUR Verbindlichkeiten zwei Monate später nach Ablauf von Stundungsvereinbarungen nicht niedriger sondern höher sein müssen. Also Herr Hähner, 900.000 EUR und einen Schluck drauf. Insofern muss die Liquiditätslücke im Februar 2017 höher sein als zwei Monate zuvor. Die Frage Insolvenzantrag oder wirtschaftliche Rettung ist durch Kay-Sven Hähner nicht weg zu diskutieren.

2. Die Glaubwürdigkeit des Geschäftsführers Kay-Sven Hähner ist stark angegriffen. Wer seit 2012 einen wachsenden Schuldenberg zwischen 700.000 EUR und fast 1,1 Million (Mitte 2015) vor sich her schiebt und seit dieser Zeit keine Sanierungsmaßnahmen einleitete, der sollte ohne konkrete Zahlen und Dementi, was gegenüber BILD bislang nicht bekannt ist (!!!), nicht Andere der Falschaussage bezichtigen.

3. Kritisch zu hinterfragen sind in diesem Zusammenhang auch die Kriterien zur Prüfung der Lizenzunterlagen der Handball-Bundesliga der Frauen. Denn bei den öffentlich zugänglichen Jahresabschlüssen und den ausgewiesenen Verbindlichkeiten und Unterdeckungen ist es schon höchst bemerkenswert, warum der HC Leipzig in den vergangenen Jahren überhaupt eine Lizenz für den Spielbetrieb erhalten konnte!

Epilog:

Die Praxis als Kriterium der Wahrheit wird in den kommenden Wochen zeigen, welche Szenarien in der Angelegenheit der HC Leipzig Bundesliga GmbH greifen: Zum einen die wirtschaftliche Rettung mit finanzieller Hilfe der Stadt Leipzig. Zweitens die Sanierung ohne die Stadt mit Hilfe neuer Sponsoren. Schlussendlich der Gang in die Insolvenz mit dem sportlichen Neuanfang in der dritten Liga. Dann werden die „Wahrheiten“ von Kay-Sven Hähner endgültig Bestand haben oder wie eine Seifenblase zerplatzen.

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