Iveta Luzumova – 200 Pflichtspiele für den Thüringer HC

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Iveta Luzumova - Thüringer HC - Foto: Hans Joachim Steinbach
Iveta Luzumova – Thüringer HC – Foto: Hans Joachim Steinbach

Die THC-Kapitänin und Spielmacherin Iveta Luzumova, beste Spielerin der Handball Bundesliga Frauen in der letzten Saison, absolvierte mit dem Bundesligaspiel gegen den VfL Oldenburg ihr 200. Pflichtspiel für den Thüringer HC.

Sie ist damit die siebente THC-Spielerin, die diese Marke erreicht.

Ein Beitrag von Hans Joachim Steinbach.

Katrin Engel: „Crisu“ – Eine Legende des Thüringer HC sagte „Tschüss“

17.03.2019 – Steinbach / SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Iveta Luzumova ist darüber hinaus nach Katrin Engel (1.251/464) die zweitbeste Torschützin alle Zeiten für den Thüringer HC. Bisher hat sie insgesamt 1.103 (385) Treffer erzielt. Auch gegen Oldenburg hat sie zum Jubiläum gleich nochmal einen Rekord oben drauf gesetzt. Bisher hatte Iveta in den Bundesligaspielen am 22. März 2017 – THC gegen Metzingen mit 13/6 und am 7. Spieltag 2017/18 mit 13/8 gegen Bensheim/Auerbach – ihre meisten Tore pro Spiel erzielt. Im Oldenburg-Match war es mit 14/6 noch ein Tor mehr.

Auch in der Bundesliga-Tabelle der besten Werferinnen hält sie mit 8,8 Tore pro Spiel den höchsten Schnitt. Ihr fehlen nur wegen Verletzung fünf Spiele. Auch in der Champions League liegt sie nach der Hauptrunde mit 71 Treffern auf Platz zwei hinter Ana Gros (76) ganz vorn bei den Weltklasse Scorerinnen. Nur in sechs Spielen blieb Iveta Luzumova ohne Torerfolg. In 24 Spielen hat sie 10 und mehr Tore erzielt.

Iveta Luzumova, das ist der Diamant im „THC-Mädchen-Pensionat“ und sie wird ihrem Club und ihren Fans wohl auch weiter die Treue halten, wenn auch längst ganz andere Clubs angefragt haben und sie mit lukrativen Angeboten locken.

Je nachdem, wie weit der Thüringer HC in der Champions League oder im DHB-Pokal kommt, hat eine Saison 40 – 45 Pflichtspiele. In der Vorsaison waren es 43 Spiele insgesamt – 26 Bundesliga-Spiele, 14 Champions-League-Spiele, bei Erreichen der Hauptrunde und vorheriger Qualifikation und 3 DHB-Pokalspiele bis zum Viertelfinale. Man braucht also schon fünf Jahre, um beim Thüringer HC in den Club der 200er-Spiele vorzustoßen, was bisher mit Kerstin Wohlbold (287) Katrin Engel (280), Dinah Eckerle (243), Danick Snelder (222), Lydia Jakubisova (222) und Jana Krause (201) erst sechs Spielerinnen erreicht haben.

Iveta Luzumova - Thüringer HC - Foto: Hans Joachim Steinbach
Iveta Luzumova – Thüringer HC – Foto: Hans Joachim Steinbach

Iveta Luzumova wird in wenigen Tagen 30 Jahre alt. Sie wurde am 3. April 1989 in der südböhmischen Stadt Pisek (90 km bis Prag/30.000 Einwohner) geboren. Schon als Kind in ihrem Heimatort begann Iveta mit dem Handballspiel bei Sokol Pisek. Dort lernte sie schon im Kindergarten ihren heutigen Freund Stepan Kores kennen, der viele Jahre bei Dukla Prag Fußball spielte. Seit dieser Saison gehört er zum Kader von Regionalligist Wacker Nordhausen. Ein kluger Schachzug, um auch Iveta in Thüringen zu halten. In Pisek spielte sie 15 lange Jahre, von 1997 bis 2012. Mit 23 Jahren zog es sie in die Handballwelt, zunächst nach Frankreich zum Erstligisten Mios Biganos, aber nur für eine Saison. Mit 19 Jahren, am 5. März 2009 gegen Slowenien, schaffte Iveta bereits den Sprung in die tschechische Nationalmannschaft. Bisher bestritt sie für Tschechien 99 Länderspiele und erzielte 412 Tore. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland gehörte sie zu den Top-Scorerinnen und spielte auf Weltklasse-Niveau. Bei der Europameisterschaft in Frankreich absolvierte sie in der Gruppenphase weitere drei Länderspiele mit insgesamt 18 (10) Toren.

Zu Beginn der Saison 2013/14 holte der Champions-League-Teilnehmer und bis dato 3-fache deutsche Meister und zweifache DHB-Pokalsieger Thüringer HC Iveta Luzumova in den Kader. Ihr erstes Spiel für den Thüringer HC bestritt sie am 31. August 2013 gegen die SG BBM Bietigheim (35:22). Bei der Europameisterschaft 2018, im Spiel gegen Deutschland, verletzte sie sich bei einem Sturz am Ellenbogen. Durch diese Verletzung fiel Iveta wegen des Heilungsprozesses bis Mitte Februar im Spielbetrieb für den THC aus. Das war wohl der schmerzhafteste Verlust in einer ganzen Reihe von Verletzungen. Im Champions-League-Spiel gegen Ferencvaros Budapest kam sie für einen Strafwurf das erste Mal wieder für Sekunden zum Einsatz. Dann meldete sich Iveta in der Bundesliga zurück, wie wir sie kennen.

Schon in ihrer ersten Saison übernahm die böhmische Handballerin Verantwortung. Zunächst spielte die Rechtshänderin (1,75 Meter) auf der Spielmacher-Position noch im Schatten von Spielführerin Kerstin Wohlbold, die auch als Regisseurin in der deutschen Nationalmannschaft agierte. Iveta war von Anfang an eine bescheidene, liebenswürdige Frau mit Trainingsfleiß und Lerneifer, fand schnell Freunde in ihren slowakischen Landfrauen Lydia Jakubisova und Petra Popluharova, der Lebensgefährtin von Trainer Herbert Müller. Trotz ihrer Zurückhaltung spielte sie sich schon im ersten Jahr in die Herzen der Fans, fast unauffällig schob sie sich in eine Führungsrolle, weil Kerstin Wohlbold durch eine Kreuzbandverletzung bei der Nationalmannschaft für eine halbe Saison ausfiel.

Iveta Luzumova und Herbert Müller - Thüringer HC - Foto: Hans Joachim Steinbach
Iveta Luzumova und Herbert Müller – Thüringer HC – Foto: Hans Joachim Steinbach

Das war für den Neuling im THC-Dress ein Sprung ins kalte Wasser. Aber sie löste die Aufgabe mit Bravour! Für Herbert Müller aber war Iveta Luzumova der Shooting Star, „Woman of the Season“. Mit 184 Toren hatte auch sie sich als eine Top-Werferin gezeigt. Die nächste Saison begann mit Verletzung und Spiel- und Trainingsausfall, Geduld war gefragt, aber zu Höchstform konnte sie in der ganzen Saison nicht auflaufen. Dann kam 2016/17 der große Durchbruch. Iveta bestach durch Zuverlässigkeit und Torgefahr, gewann die Torkanone des THC für 167 Pflichtspiel-Tore, knapp vor Katrin Engel und Manon Houette, obwohl sie nur 29 von 43 Pflichtspielen bestreiten konnte, weil sie sich im Auswärtsspiel beim HC Leipzig einen Handbruch am 18. Bundesliga-Spieltag zugezogen hatte. Trotz ihrer Verletzung landete sie noch auf Platz zwei der Spielerinnen der Saison, hinter ihrer tschechischen Kollegin Michaela Hrbkova von Frisch Auf Göppingen.

Die Belastungen über die Saison wurden ihr zum Problem, sie wollte sich nun eigentlich etwas sportlich zurücknehmen, an die Familie denken. Deshalb sagte sie zunächst ihren Wechsel nach Neckarsulm an. Doch die Enttäuschung blieb den THC-Fans erspart. Iveta korrigierte ihre Entscheidung und lief zur absoluten Höchstform auf. Die letzte Saison brachte den Durchbruch zur Weltklasse. Mit großem Vorsprung wählten sie die Spielführerinnen und Trainer der Bundesliga-Clubs zur Spielerin der Saison. Mit 247 Toren stellte sie einen neuen Bundesliga-Rekord auf und warf für den THC 382 Tore in 43 Pflichtspielen. In der Champions League erzielte Iveta Luzumova einschließlich beider Qualifikationsspiele insgesamt 113 Tore. Obwohl sie 4 Spiele weniger als die Spielerinnen im Viertelfinale und FINAL4 bestritt, landete sie als zweitbeste Werferin (105) hinter Weltstar Cristina Neagu (110) auf Platz zwei der besten Werferinnen der Königsklasse.

Das begehrteste Trikot der THC-Fans ist das mit der Nummer 18, und das trägt Iveta Luzumova. Iveta hat beim THC einen Vertrag bis 2019, aber unter der Vertragsverlängerung fehlt nur noch die Unterschrift. In der neu aufgestellten THC-Mannschaft wollen eine Reihe junger hochtalentierter deutscher Nationalspielerinnen an ihrer Seite spielen und unter ihrer Führung reifen. Eine großartige Aufgabe für die Kapitänin des siebenfachen deutschen Meisters.

Der Sport aber soll allein nicht ihr Leben bestimmen; dann schon eher eigene Kinder. „Ich brauche die Geborgenheit in einer Familie, um glücklich zu sein“, sagte sie. Die junge Frau aus Böhmen ist charakterlich ein ganz besonderer Mensch und sportlich eine ganz große Handballerin, aber sie ist auch ein Familienmensch, und so kann man sie auch manchmal in der Halle an der Seite ihrer Mutter und Schwester Martina und dem kleinen Neffen Tobik sowie ihrem Freund Stepan beobachten, die selbstredend ihre größten Fans sind. Iveta Luzumova mag lieber die leisen Töne, sie schwört auf das Team, ist selbst glücklich, ein Teil dieses so erfolgreichen Teams zu sein, in welchem sie auch in der neuen Saison unangefochten die Hauptrolle spielt. Am Ende der Saison wird sie dann einen noch viel wichtigeren Schritt tun: Iveta wird heiraten und mit Stepan eine eigene Familie gründen.

Wettbewerbe              2013/14 – 2017/18                  2018/19                      Insgesamt
                                    Spiele  Tore                            Spiele Tore                Spiele Tore

Bundesliga                 106       591/178                      12        105/40            118      696/218
Champions League     53       247/94                        12          71/31              65      318/125
DHB-Pokal                    14         64/29                          3          25/13              17        89/42
Gesamt                       173       916/307                      27         201/84           200    1103/385

Die Spielerinnen mit 200 und mehr Einsätzen für den THC:

Kerstin Wohlbold – 287 Spiele (782 Tore)
Katrin Engel – 280 Spiele (1251/464 Tore)
Dinah Eckerle – 243 Spiele (8 Tore)
Danick Snelder – 222 Spiele (532/5 Tore)
Lydia Jakubisova – 222 Spiele (753/10 Tore)
Jana Krause – 201 Spiele (5 Tore)
Iveta Luzumova – 200 Spiele (1103/385 Tore)
Meike Schmelzer – 199 Spiele (457/2 Tore)


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