Handball EM 2018: Quo vadis Deutschlands bad boys – mit Qualitäts-Sprung in die Finalrunde?


DHB - Deutschland - Nationalmannschaft - Männer - bad boys - Handball EM 2018 - Fotomontage: Sascha Klahn/DHB
DHB – Deutschland – Nationalmannschaft – Männer – bad boys – Handball EM 2018 – Fotomontage: Sascha Klahn/DHB

Handball EM 2018 Kroatien: Deutschlands bad boys und Bundestrainer Christian Prokop durchlebten bislang bei der Titel- und Medaillen-Mission einige kritische Augenblicke. Die Finalrunde samt Titelverteidigung am kommenden Wochenende in der Arena Zagreb ist für das deutsche Handball-Flaggschiff allemal noch möglich.

Handball EM: Eine thesenhafte Bestandsaufnahme vor den beiden letzten Spieltagen in der Hauptrunde in Varazdin von SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp.

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SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp berichtet LIVE aus Zagreb.

 

23.01.2018 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Handball EM 2018 Kroatien:

Titelverteidigung:

Es gilt auch für Deutschlands Vorzeige-Handballer die alte Sportweisheit: Einen Titel zu verteidigen ist schwerer als ihn zu erringen. Hall of Fame-Mitglied und Alt-Bundestrainer Heiner Brand schaffte mit dem DHB-Team nach dem EURO-Titelgewinn 2004 in Slowenien zwei Jahre später in der Schweiz nur Platz fünf. Nach dem Weltmeistertitel 2007 sprang in Kroatien 2009 auch „nur“ der fünfte Rang heraus.

Inkonstanz, Leistungsschwankungen

Die deutsche Mannschaft zeigte in der Vorrunde und den beiden Hauptrunden-Matches immer noch nicht ihr wahres Leistungsvermögen. Herausragende individuelle Klasse (bspw. von Gensheimer, Reichmann, Drux, Fäth, Kühn, Weber, Pekeler, Wolff) „explodierte“ noch nicht in höhere Team-Qualität und das Erreichen der Leistungsgrenzen bei diesen Akteuren. Ein über mindestens 50 Minuten durchgängiges, hochklassiges Match lieferte das bad boys Team noch nicht ab. Die Leistungssteigerung gegen Dänemark macht Mut für das „Endspiel“ um das Halbfinale gegen Spanien. Ein Qualitäts-Sprung ist unbedingt erforderlich – für Spanien und danach in der Finalrunde.

Selbstverschuldete Ausgangsposition

Die Leistungsdichte bei dieser Europameisterschaft ist nicht unbedingt so wahnsinnig groß wie erwartet, so dass Mannschaften aus der sogenannten „zweiten Reihe“ wie Mazedonien, Tschechien, Serbien oder Montenegro zu entscheidenden Stolpersteinen der Großen wie Frankreich, Dänemark, Kroatien, Schweden, Norwegen oder Deutschland auf dem Weg in die Finalrunde werden können. Innerhalb der „Großen“ kann Jeder Jeden schlagen. Die nicht optimale (Punkte)-Ausgangposition Deutschlands vor dem Spanien-Match ist primär selbstverschuldet und in zweiter Linie der Kampf- und Spielstärke der „Kleinen“ anzurechnen.

Christian Prokop modifizierte Spielsystem während EHF EURO

Christian Prokops „Wunsch-Spielsystem“, das er schon erfolgreich beim SC DHfK Leipzig praktizierte und u.a. auch mit den Spielern Maximilian Janke und Bastian Roschek in einer beweglichen, schnellfüßigen und offensiveren 6:0-Abwehr einher ging, wurde durch den Bundestrainer mit dem personellen Wechsel von Roschek zu Finn Lemke selbst modifiziert und stellt eine Rückkehr zum „bewährten“ 6:0-Riegel der Vergangenheit dar. Eine Abwehrschwäche bei gegnerischen „Sieben-gegen-Sechs-Angriffen“ musste Prokop nach dem Dänemark-Spiel zudem selbst konzedieren. Die teilweise erfolgreiche „Sieben-gegen-Sechs-Angriffsvariante“ wäre noch erfolgreicher, wenn die Rückraum-Spieler mehr Struktur in den Angriff bekämen und über die Außen konsequenter agiert würde. So bestimmen Abwehrstabilität und Angriffsinstabilität immer noch die Szenerie im deutschen Teamplay. Auch die Torhüterleistungen sind noch im hohen Leistungsbereich entwicklungsfähig.

Prokops selbstverschuldete Personal-Fehlentscheidung und Team-Einheit

Der Bundestrainer höchst selbst musste seine mutige Personalentscheidung vor dem EURO-Turnier mit Roschek für Lemke praxisnah korrigieren, weil sie sich nach dem Slowenien-Spiel als Fehler erwies. Damit machte Christian Prokop eine Angriffsfläche bezüglich seiner Person auf, die unnötig war. Inwieweit dies auch Einfluss auf die Atmosphäre im Team und dessen Einheit sowie einen Riss in der Anerkennung seiner Führungs-Qualitäten bei den Spielern nach sich zog, ist bislang spekulativ. Aber der Erfolg schweißt ja bekanntlich zusammen und die deutsche Erfolgswelle mit dem von 2016 bekannten Sieg-Flow kann noch kommen. Aber: Erreicht der Bundestrainer nicht mindestens das Spiel um den fünften Platz am Freitag in Zagreb wird die mediale kritische Aufarbeitung auch an seiner Person und dem Nichtabrufen von Höchstleistungen bei einigen Akteuren beginnen.

Steffen Weinhold und das Fehlen eines Spielmachers

Die konstanteste Größe im deutschen Angriff und (fast) immer auch eine Bank in der Abwehr: Steffen Weinhold. Was er derzeit leistet, rettete schon in einigen Spielen die Ehre der anderen Rückraumspieler. Warum Christian Prokop ihn noch nicht konsequenter als Spielmacher einsetzte, wozu er auch in der Lage ist, bleibt offen. Denn die Rückraum-Mitte-Position ist im spielstrategischen Sinne die größte Baustelle im deutschen Team seit Jahren, wenn man höchste internationale Maßstäbe ansetzt. Markus Baur war aus meiner Sicht der letzte Weltklasse-Akteur im Team Deutschland auf dieser Position. Dass Deutschland derzeit keinen Nikola Karabatic, Sander Sagosen oder Aron Palmarsson aus dem Hut „zaubern“ kann, ist ein anderes Thema. Aber ein bisschen mehr an Qualität muss es auch bei dieser Europameisterschaft sein.

Nur ein Spitzenplatz in aktuellen EURO-Statistiken per 22. Januar

Wirft man einen Blick in die aktuellen EURO-Statistiken der EHF, dann kann das deutsche Team kaum Spitzenplätze, Ausnahme Blocks, aufweisen:

Abwehr-Blocks: 17, Platz 1 mit Frankreich

Blocker: Lemke 10, pro Match 3,3, Platz 1

Wurfeffizienz: 61 Prozent, Platz 5, Bestwert: Kroatien 70 Prozent

Assists: 10 pro Match, Platz 12, Bestwert: Frankreich 17 pro Match

Torhüter-Quote: 33 Prozent, Platz 5, Bestwert: Schweden 37 Prozent

Torhüter: Heinevetter und Wolff je 33 Prozent, Platz 9, Bestwert: Mitrevski (Mazedonien) 42 Prozent

Torschützen: Gensheimer 25 Tore (71 Prozent) Platz 5, Bestwert: Björnsen (Norwegen) 35 Tore (80 Prozent)

Tore + Assists: Gensheimer 29 Punkte (25 Tore + 4 Vorlagen), Platz 16, Bestwert: Sagosen 59 Punkte (29 Tore + 30 Vorlagen)


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