Handball EM 2018: Magnus Wislander „Eine Professorenfrage“

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Handball EM 2018 - Magnus Wislander - Schweden - Legende - Interview - Arena Zagreb - Foto: SPORT4FINAL
Handball EM 2018 – Magnus Wislander – Schweden – Legende – Interview – Arena Zagreb – Foto: SPORT4FINAL

Handball EM 2018 Kroatien: SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp sprach am Medientag der Handball Europameisterschaft mit der schwedischen Handball-Legende Magnus Wislander.

Handball EM: Magnus Wislander und Sinaida Turtschina (UdSSR, Ukraine) wurden von der IHF zu Welthandballern des 20. Jahrhunderts gewählt. Magnus Wislander (53), spielte meist auf der Spielmacher-Position. In den letzten Jahren seiner Karriere wurde er als Kreisläufer eingesetzt. Mit der schwedischen Nationalmannschaft holte Magnus Wislander zwei Weltmeister-Titel (1990 und 1999), vier Europameister-Titel (1994, 1998, 2000, 2002) und dreimal gewann er Olympia-Silber (1992, 1996, 2000).

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SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp berichtete LIVE aus Zagreb.

 

31.01.2018 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Handball EM 2018 Kroatien: Welche neuen Erkenntnisse konnten Sie bei dieser Europameisterschaft gewinnen?

Magnus Wislander: „Die Mannschaften spielen disziplinierter. Man konnte nicht so viele Gegenstöße laufen. Auf der anderen Seite spielen viele Nationen ‚Sieben-gegen-Sechs‘, was ich nicht so gut für den Handball finde. Besonders wenn man eine Zeitstrafe bekommen hat. Gleichzeitig pfeifen die Schiris ein bisschen härter und öfter mit der roten Karte bei Fouls im Gesicht. Taktisch habe ich nicht viel mehr Neues gesehen. Ich glaube, das Spielfeld ist trotzdem 40 mal 20 Meter und man spielt meistens Sechs gegen Sechs.“

Sind Sie mit den Schiedsrichter-Leistungen im Großen und Ganzen zufrieden?

Magnus Wislander: „Ich habe das Spiel Frankreich gegen Kroatien gesehen. Ich muss sagen, die deutschen Schiris haben sehr gut gepfiffen. Sie haben bei den 13.000 Zuschauen keine Rücksicht genommen und eine sehr gute Linie gehalten. In Kroatien sind beide das beste Paar und wahrscheinlich auch in der Welt.“

Sie kennen den deutschen Handball seit vielen Jahren. Wie schätzen Sie aktuell Deutschlands Handball ein?

Magnus Wislander: „Ich habe von den Deutschen bei diesem Turnier die meisten Spiele gesehen. Ich war ab und zu etwas überrascht, wie man gespielt hat. Sie haben einige Spiele gut gespielt und einige richtig schlecht. Eigentlich das Gleiche wie die schwedische Mannschaft. Aber die Schweden haben ein bisschen Glück gehabt und die richtigen Spiele verloren. Die Deutschen haben das entscheidende Spiel verloren und in der zweiten Halbzeit gegen Spanien auch ganz schlecht gespielt. Das hat mich überrascht. Das Einzige, was ich taktisch neu gesehen habe, war das ‚Sieben-gegen-Sechs‘. Gefehlt hat mir aber ein zweites starkes Deckungs-System.“

Wie beurteilen Sie das schwedische Team?

Magnus Wislander: „Schweden steht ganz gut in der Abwehr und man hat vielleicht die beiden besten Torhüter bei der EURO. Und im Tempospiel sind wir auch ganz gut. Das haben wir besonders gut gegen Kroatien und Dänemark gezeigt. Unsere Entwicklung mit dem jungen Team und dem jungen Trainer (Kristjan Andresson, 36, seit 2016 Nationalcoach, bei der WM 2017 im Viertelfinale an Weltmeister Frankreich gescheitert – d. R.) ist positiv.“

Der skandinavische Handball in Norwegen, Schweden und Dänemark ist in den letzten Jahren sowohl bei den Frauen als auch den Männern in der Gesamtheit sehr erfolgreich. Wie schaffen diese Nationen das? Wir in Deutschland haben doch eher öfter eine „Leistungsschere“ zwischen den Frauen und Männern.

Magnus Wislander: „Das ist eine Professorenfrage. Ich denke, der Verband und die Vereine versuchen die Entwicklung zusammen auszugleichen. Und die Menschen mögen den Sport – egal ob es die Frauen oder Männer sind. Das ist, so glaube ich, ein Vorteil in Schweden. Norwegen ist auf der Frauen-Seite die Nummer eins. Man sieht, dass man auch die Möglichkeit hat, Weltmeister zu werden, ohne die richtig groß gewachsenen Frauen zu haben. Mit schnellem Tempo-Handball und guter Abwehr kann man auch den Erfolg kreieren. Das ist auch bei den Männern das Gleiche. Wenn man sich Spanien oder die Franzosen anguckt, dann hat man auch die Zwei-Meter-Riesen, die beweglich sind. Aber trotzdem kommen die Kleinen auch durch wie Gottfridsson oder Zachrisson. Das macht auch den Handball aus, dass man auch an diese Typen glaubt. Außerdem arbeitet man viel mit der Mannschaft – die Trainer und Verantwortlichen. Das nur eine Gruppe auf dem Feld steht und auch außerhalb zusammen hält. Das ist vielleicht der Charakter und die Leidenschaft in unseren Ländern. Auch die Ruhe unseren Trainers Kristjan hilft dabei. Der spanische Trainer ist auch ganz ruhig auf der Bank. Es sind eben Typen auf der Bank.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Wislander.


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