Handball WM 2017 Deutschland: Ära Michael Biegler – Aufbruch und Nachhaltigkeit?

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Handball WM 2017 Deutschland - Bundestrainer Michael Biegler - DHB - Foto: Sascha Klahn/DHB
Handball WM 2017 Deutschland – Bundestrainer Michael Biegler – DHB – Foto: Sascha Klahn/DHB

Handball WM 2017 Deutschland: Bundestrainer und „Projektleiter“ Michael Biegler wird nach der Handball Weltmeisterschaft das „Ruder“ an den niederländischen Trainer Henk Groener abgeben.

Was kann im historischen Bewertungs-Kontext über die Ära von Michael Biegler neben seiner Ergebnis-Verantwortung für die Handball WM in Deutschland in den Köpfen hängen bleiben?

Ein Beitrag von SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp vor Beginn der Weltmeisterschaft in Deutschland.

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14.11.2017 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Handball WM 2017 Deutschland: Deutsche Spiel- und Trainings-Philosophie entwickeln

Michael Biegler erläuterte seinen Ansatz gegenüber SPORT4FINAL. Zu Beginn des Projektes „Heim-WM“ im Frühjahr 2016 standen ca. 40 Spielerinnen auf seiner Liste für das Ladies-Team. Im Verlauf der ersten Wochen habe er alle Akteurinnen in ihren Vereinen aufgesucht und mit Ihnen gesprochen – nur nicht die Spielerinnen im Ausland (Isabell Klein und Xenia Smits in Frankreich, Anja Althaus in Ungarn). Es ging ihm nicht um eine Aufarbeitung der Vergangenheit sondern einen Neuanfang Richtung Weltmeisterschaft in Deutschland. Eben der mittlerweile berühmte „Reset-Knopf“, den aus seiner Sicht Anja Althaus und Susann Müller nicht gedrückt haben (dieses Thema wird extra behandelt).

Mit dem „Heim-Projekt“ wurden mehrere Zielstellungen verfolgt: Zum einen die Team-Entwicklung. „Das Team braucht auch nach der Handball WM weiter Zeit. Alle Beteiligten wissen, dass die Weltmeisterschaft in Deutschland nur eine Übergangsstation ist.“ Und zum anderen sollte eine „deutsche Spiel- und Trainings-Philosophie“ entwickelt werden, die auch über das Projekt hinaus Bestand habe und in zunehmendem Maße erfolgreich ist.

Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld, der für den Bundestrainer nicht nur auf der Bank sondern auch im Trainingsprozess eine große Stütze seit dem Neuanfang darstellt, sagte nach dem WM-Test gegen die Niederlande in Magdeburg: „Ziel ist nicht nur nach Hamburg zu kommen, sondern wir müssen in eine Nachhaltigkeit hineinkommen. Wir dürfen die Fehler von 2007 im Handball Männer- und Frauenbereich nach den WM-Medaillen nicht noch einmal begehen.“

BLICK-Zurück:

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft erkämpfte sich unter Bundestrainer Heine Jensen jeweils Platz sieben bei der EURO 2012 und Weltmeisterschaft 2013 in Serbien. Im Februar 2014 anlässlich des All Star Games in Leipzig sagte Bob Hanning im SPORT4FINAL-Interview: „Wir haben den Vertrag des Bundestrainers verlängert, weil wir der Überzeugung sind, dass das richtig und gut ist. Wir haben mit der Frauen-Bundesliga geredet und wollen uns jetzt Richtung 2017 auch da noch ein Stück weit anders aufstellen. Aber wir sind da in vielen Strukturen schon professioneller, als wir es im männlichen Bereich sind.“

Gemeint war u. a. die Nichtteilnahme der DHB-Männer an der EURO 2014 in Dänemark. Im August 2014 begann die Erfolgs-Story mit Dagur Sigurdsson und bei den Frauen wurde Heine Jensen nach EM-Rang zehn 2014 in Ungarn und Kroatien durch Jakob Vestergaard abgelöst, der nach WM-Platz 13 in Dänemark 2015 im Frühjahr 2016 durch Michael Biegler ersetzt wurde.

Michael Biegler als National-Coach Polens (Oktober 2012 bis Januar 2016) mit Sternstunde und „schwarzem Mittwoch“

Bei der Handball WM 2015 in Katar lieferte die polnische Nationalmannschaft im Halbfinale einen großen Kampf gegen den Gastgeber, der zuvor bereits Deutschland im Viertelfinale besiegen konnte. Nach der knappen Zwei-Tore-Niederlage (29:31) gegen Katar wurde das Bronzemedaillen-Match für Biegler und Polen gegen den entthronten Titelverteidiger Spanien zur großen Sternstunde. Nach Verlängerung gewann Polen mit 29:28 Toren und bescherte sich nach WM-Silber 2007 und WM-Bronze 2009 den nächsten großen Erfolg.

Deshalb ging auch Polen mit Coach Michael Biegler bei der Heim-EURO 2016 als großer Favorit an den Start. Im letzten Hauptrunden-Match gegen Kroatien verlor das Biegler-Team mit 23:37 Toren gegen Kroatien. Für den Einzug in die Runde der besten Vier hätte Polen eine „Vier-Tore-Niederlage“ gegen Kroatien gereicht, um im Dreier-Vergleich mit Frankreich und Kroatien das Semifinale neben Norwegen zu erreichen. Polen wurde am Ende Siebenter und Michael Biegler trat als National-Trainer zurück.

Handball EHF EURO 2016 – Entwicklungs-Mutmacher in der Biegler-Ära

In der auf dem DHB-Bundestag Ende Oktober anlässlich von 100 Jahren Handball in Deutschland beschlossenen Perspektive 2020+ „Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft“ ist folgendes verankert: „Die Ziele sind klar: Der DHB muss mit allen seinen Nationalmannschaften – sowohl im männlichen als auch im weiblichen Bereich, von der Jugend über die Juniorinnen und Junioren bis zu den Frauen und Männern – zur Weltspitze gehören. Dies bedeutet, dass es unser Anspruch sein muss, bei allen Wettbewerben um die Medaillen mitzuspielen.“ (Quelle: DHB, Perspektive 2020+, Seite 37). Dabei soll „die Weltmeisterschaft 2017 bereits im Vorfeld und insbesondere in der Nachbereitung als Sprungbrett für den Frauen-Handball genutzt“ werden (Quelle: DHB, Perspektive 2020+, S. 51).

In diesem Sinne war die leistungsmäßige Entwicklung der deutschen Ladies-Nationalmannschaft bei der EURO 2016 in Schweden ein Mutmacher für die in zwei Wochen beginnende Heim-WM. Danach wird die Bundestrainer-Ära von Michael Biegler bewertet werden können. Ihm gebürt das Schlusswort: „Mein Team hat noch in allen vier Parametern des Spiels – Rückzug, Deckung, Gegenstoß und Angriffsspiel – weiteres Entwicklungspotenzial. Die Frage ist doch: Wo schaffen wir noch Entwicklung vor oder während der Weltmeisterschaft? Das Potential ist nicht ausgeschöpft, wenn die WM zu Ende ist.“ Die DHB-Zielvorgabe „Medaillengewinn“ bleibt aber bestehen.



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