Handball: DHB-Generalsekretär Mark Schober „Frauen-Handball mit strategischer Perspektive“

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Handball: DHB-Generalsekretär Mark Schober „Frauen-Handball mit strategischer Perspektive“ - Foto: Sascha Klahn/DHB
Handball: DHB-Generalsekretär Mark Schober „Frauen-Handball mit strategischer Perspektive“ – Foto: Sascha Klahn/DHB

 

11.06.2015 – SPORT4Final / Frank Zepp:

Handball-WM 2015 in Dänemark: WM-Play-offs

Vor dem WM-Play-off-Match zwischen Deutschland und Russland in Dessau-Roßlau hatte SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp die Gelegenheit zu einem Interview mit DHB-Generalsekretär Mark Schober. Nach dem Rücktritt von Bernhard Bauer hat Mark Schober laut Aufgabenverteilung des DHB-Präsidiums die „grundsätzliche Vertretung“ inne. 

Mit den hoffentlich erfolgreichen WM-Play-offs gegen Russland beginnt der 2-Jahres-Zyklus WM in Dänemark 2015, Olympia 2016 in Rio, EM 2016 in Schweden und die Heim-WM 2017. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Frauen-Nationalmannschaft vor diesen hochwichtigen zweieinhalb Jahren?

Mark Schober: „Wir haben mit dem neuen Bundestrainer einen neuen Zyklus eingeleitet. Seit 1. März haben wir einen Sportdirektor mit Wolfgang Sommerfeld, der aus dem männlichen Bereich kommt, aber für beide Bereiche zuständig ist. Wir erarbeiten gerade ein Eliteförderkonzept auch für den weiblichen Nachwuchs. Wir gehen den strategischen Weg, um Erfolge zu erzielen. Aber wir sind konzeptionell noch nicht ganz so weit, dass wir sagen können, wo wir 2017 landen wollen. Aber heute ist der erste Schritt in diese Richtung für die WM 2015, weil wir uns dann auch für Olympia qualifizieren können.“

Große Mannschaften entwickeln sich bei großen Turnieren. Ein Ausscheiden für Dänemark wäre für die Entwicklung der Mannschaft katastrophal.

Mark Schober: „Auch sonst muss und wird es weiter gehen. Man muss sich langfristige strategische Ziele setzen. Daran arbeiten wir gerade. Auch wenn man sportlich mal nicht erfolgreich ist, muss man ja daran weiter arbeiten. Das ist im Sport normal.“

Olympiasieg 2020 in der strategischen Planung von Bob Hanning, gilt dies nur für die Männer oder auch für die Frauen?

Mark Schober: „Daran arbeiten wir gerade. Zusammen mit der Frauenliga, mit unseren Trainern, mit unserem Sportdirektor und Bundestrainer. Wir wollen diese Perspektive darstellen. Es ist ja nicht daran getan, ein Ziel zu definieren, sondern das Entscheidende ist ja, dass man dahinter entsprechende Maßnahmen definiert. Da können wir auch viele Dinge aus dem männlichen Bereich übernehmen, bspw. das Eliteförderkonzept.“

Ein großes sportliches „Zwischenziel“ wäre auch bei der Heim-WM 2017 das Halbfinale zu erreichen? Andererseits laufen ja die organisatorischen, wirtschaftlichen und medialen Vorbereitungen schon.

Mark Schober: „Die sportlichen Chancen bei der eigenen Weltmeisterschaft sind immer größer. Die Heim-WM ist für uns aber auch ein Kommunikations-Tool. Wir können Werbung für den Frauen-Handball machen. Man darf aber daraus nicht ableiten, dass darüber schon Monate vorher geredet wird. Das muss man ja auch realistisch sehen. Man kann das nicht mit einer Männer-WM 2007 vergleichen.“

Was kann im Vorfeld medial getan werden?

Mark Schober: „Ich glaube, dass die Handball-Weltmeisterschaft selbst im Medien-Fokus stehen muss. Während der WM, wenn die deutsche Mannschaft attraktiven und erfolgreichen Handball spielt, dann werden sich die Menschen dafür interessieren. Und dann haben wir in dieser Zeit die Chance, für den Frauen-Handball zu werben.“

Wie geht es jetzt organisatorisch für die Heim-WM 2017 weiter?

Mark Schober: „Wir erarbeiten gerade einen Haushaltsplan, wir kümmern uns um einen Ticketing-Dienstleister und wir wählen jetzt aus den 15 Bewerberstädten die Spielstandorte aus.“

Was können wir im und für den Vereinshandball tun, denn stärkere Vereine helfen der Entwicklung der Nationalmannschaft.

Mark Schober: „Wir brauchen eine starke HBF. Wir brauchen auch Vereine, die Eliten ausbilden. Da müssen wir eng zusammen arbeiten zwischen dem DHB und den Bundesliga-Vereinen. Ich denke schon, dass die HBF sich auch bereit erklären muss, bei der Eliteförderung stärker, das tun sie schon, aber noch stärker in die Verantwortung zu gehen. Ähnlich wie wir es im männlichen Bereich haben. Da gibt es bspw. auch ein Jugendzertifikat. Das muss es nicht eins zu eins im Frauenbereich geben, aber man muss zumindest dort Tendenzen entdecken. Das muss gemeinsam passieren und in dem Rahmen, wie es auch möglich ist.“

Worst case, wenn wir es gegen Russland nicht schaffen sollten, gibt es vielleicht ein Signal der IHF für eine deutsche Wildcard analog der Männer für die letzte Weltmeisterschaft?

Mark Schober: „Jetzt geht es darum, es sportlich zu schaffen. Ich glaube, wir haben eine starke Mannschaft und wir können es gegen Russland zeigen, dass wir das leisten können. Alles andere ist Spekulation. Wir haben uns erstmal um den sportlichen Erfolg zu kümmern und wollen diese Diskussion vermeiden, indem wir sportlich erfolgreich sind. Unser Ziel muss es sein, mit unseren Nationalmannschaften ganz vorne dabei zu sein. Da arbeiten wir drauf hin, da bauen wir unsere Strukturen auf. Ich bin überzeugt, wenn man strukturiert und strategisch sowie fleißig an Themen arbeitet, dann ist man auch erfolgreich. Es funktioniert. Es dauert halt manchmal.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Schober, und viel Erfolg.

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