Fußball: RB Leipzig vs. SpVgg. Unterhaching 2:2 (1:1)

28.09.2013 – SPORT4Final:

Aus der Red Bull Arena Leipzig berichtet SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp.

Nach jeweils drei Auswärtsniederlagen und drei Heimsiegen in Folge kam RB Leipzig in einer spielerisch nur durchschnittlichen Partie gegen die SpVgg. Unterhaching nicht über ein 2:2 (Halbzeit 1:1) hinaus. Selbst die zweimalige Führung für die Rasenballsportler brachte nicht die nötige Ruhe, Abgeklärtheit und Heimdominanz in ihr Spiel. Die Gäste zeigten sogar die bessere spielerische Linie, hatten mehr Ballbesitz und verdienten sich am Ende das Remis ohne Wenn und Aber. Der ehemalige Jenaer und DDR-Nationalspieler Jürgen Raab analysierte im Gespräch mit SPORT4Final den völlig verdienten Punktgewinn der Gäste angesichts der besseren Spielanlage.

Für den objektiven Betrachter ist völlig klar: Leipzigs Team hat Perspektive, ist auf gutem Entwicklungsweg und spielt auf keinen Fall gegen den Abstieg. Eher doch um den Aufstieg ins zweite Bundesligaoberhaus. Und wie auch in anderen Ballsportarten gilt auch im Fußball, dass Meisterschaften oder größere Turnier in der Verteidigung bzw. im Defensivbereich gewonnen werden. Diese Erkenntnis scheint noch nicht vollständig in den Köpfen des Leipziger Trainerteams verankert zu sein.

Die ausführliche Spielanalyse, die Interviews mit Daniel Frahn, Carsten Kammlott, Alexander Zorniger und Jürgen Raab sowie weitere Stimmen zum Spiel:   

Wieder wie die Feuerwehr vom Anstoß loslegend ging nach 5 Sekunden ein Morys-Schuss aus 11 Metern im Strafraum am rechten Pfosten vorbei. Ernst legte 5 Minuten später mit einem 20-Meter-Schuss nach, den der Gäste-Keeper nur abklatschen konnte. Danach kam Unterhaching besser ins Spiel, strahlte mit zunehmender Dauer spielerische Dominanz am Ball und in der Passfolge aus. Leipzigs Mittelfeldspiel verflachte oder man versuchte es mit langen Bällen. Darauf stellte sich der Gegner gut ein. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison konnte der auf der 10er-Position wieder aufgebotene Rockenbach nicht überzeugen, schon gar nicht an sein Leistungsvermögen anknüpfen.          [private]

Die Auswechslung in der 55. Minute gegen den sein Drittligadebüt gebenden Kimmich war die Folge. Aber die erste Hälfte hatte noch zwei gut herausgespielte Tore zu bieten: Kaiser traf für Leipzig nach schöner Vorarbeit von Poulsen mit einem genauen 18-Meter-Schuss zur Führung der Gastgeber, die auf der anderen Seite Götze mit einem volley genommenen Ball aus der Luft aus 14 Metern mit einem Traumtor ausglich. Leipzig hätte aber noch vor der Pause durch eine hundertprozentige Tor- und Schusschance aus 12 Metern nahe des Strafstoßpunktes durch Kapitän Frahn in Führung gehen müssen.   

Nach der Pause reduzierte sich Leipzigs spielerische Komponente weiter und Unterhaching bestimmte über weite Strecken die Partie. Auch Chancen- und Eckenvorteile (2:8) waren erkennbar. Ein Tor der Gäste in der 70. Minute wurde wegen einer Sperre im Leipziger Strafraum abgepfiffen. Die Unterhachinger mit ihrer optischen Überlegenheit zwangen die Hausherren in eine leichte Konterstellung. Dies kam aber den Rasenballsportlern sehr gelegen, denn mit ihrem schnellen Umkehrspiel durch die superschnellen Angreifer nutzte Leipzig die sich anbietenden Räume. In dieser Art zu spielen sind die Rasenballsportler große Klasse, nur in der Spielgestaltung bei verengten Räumen sieht das Angriffsspiel noch nicht gut aus. Die Baustelle auf der spielgestaltenden 10er-Position bleibt weiter gravierend.

Nur Kaiser im Mittelfeld kann zeitweilig die Fäden in der Hand halten. Auch selbst torgefährlich werden, wie in der 72. und 74. Minute. Kurios aber wirkungsvoll dann die Leipziger Führung aus einer gegnerischen Ecke heraus mit einem langen Tempo-Spurt von Kaiser über zwei Drittel des Spielfeldes mit einem Pass auf Kammlott (64. für Morys eingewechselt), der mit einem straffen Schuss einnetzte. Eben Tempogegenstoß bester Güte. Unterhaching gab nicht auf und bemühte sich spielerisch um den Ausgleich. Dieser fiel in der 84. Minute, als nach einem Einwurf im Leipziger Strafraum kombiniert und zum Tor vollstreckt wurde. Teilweise bissig geführte Zweikämpfe sorgten auch für insgesamt sieben gelbe Karten (4:3). Am Ende blieb ein gerechtes 2:2-Unentschieden für beide Teams.

Jenas großer Mittelfeldstratege aus den 80er Jahren Jürgen Raab war ebenfalls im Stadion als Spielbeobachter für Rot-Weiß Erfurt. Er konzentrierte sich besonders auf die Unterhachinger Gäste, weil Erfurt immer gegen die Teams spielt, die zuvor gegen RB Leipzig gespielt haben. Unterhaching habe für ihn im Gespräch mit dem SPORT4Final-Redakteur über die qualitativ bessere Spielanlage verfügt. Besonders auffällig war, dass die Gäste sogar versucht haben, sich aus dem eigenen Strafraum durch Kombinationsfußball zu befreien. RB Leipzig fehle noch der Spielmacher, der das eigene Spiel lenkt und in schwierigen Situationen Ruhe und Übersicht ausstrahle. Dies könne noch entscheidend im Kampf um die Spitzenplätze in der dritten Liga werden. Nebenbei gefragt: Er würde auch gern wieder als Trainer in der zweiten oder dritten Liga arbeiten. Vielen Dank für das interessante Gespräch, Jürgen Raab.  

Am SPORT4Final-Mikro waren:

War es nach drei Auswärtsniederlagen in Folge und der Auswärtsstärke des Gegners psychologisch ein schwieriges Spiel?

Daniel Frahn: „Wir waren ja in diesem Jahr auch zu Hause nicht verkehrt. Wir haben gewusst, dass die Jungs von Unterhaching einen guten Ball spielen können. Und damit haben Sie uns das ein und andere Mal Probleme bereitet. Von daher geht das 2:2 auch in Ordnung.“

Wie gehen Sie jetzt in das Heidenheim-Spiel hinein? Etwas defensiver vielleicht?

Daniel Frahn: „Erst mal defensiv gut arbeiten und dann vorne ein Tor machen und dann einfach mal ruhig bleiben. Und ruhig und überlegt spielen und versuchen, ein Tor nach zu legen, so dass wir dann auch mal die Punkte behalten.“

Kann man defensiver mit einem anderen System spielen?

Daniel Frahn: „Da müssen Sie mal den Trainer fragen. Aber ich glaube, wir spielen ja nicht so verkehrt. Wir kriegen nur zu einfache Gegentore. Ich denke, am Spielsystem liegt es nicht.“

Muss man in das Heidenheim-Spiel defensiver hinein gehen?

Carsten Kammlott: „Nein. Unser Spiel ist ja offensiv ausgerichtet. Die Mittel haben wir, um vorne immer Akzente zu setzen. Wenn wir hinten die leichten Fehler abstellen, dann wird es auch besser.“

Auch die Räume in der eigenen Hälfte mehr verdichten?

Carsten Kammlott: „Da spielt dann eins ins andere. Wenn vorne gut gearbeitet wird, setzt sich das nach hinten fort. Und von daher versuchen wir daran in Heidenheim anzuknüpfen.“

Sind es immer nur individuelle Fehler oder muss man am Defensivverhalten der Mannschaft etwas verändern?

Alexander Zorniger: „Du hast immer die Möglichkeit zu wollen, dass die individuellen Fehler weniger werden. Zum anderen natürlich, dass dir der Kumpel dann hilft. Da müssen wir weiter daran arbeiten.“

Stimmen aus der Pressekonferenz:

Claus Schromm (Trainer Unterhaching): „Wir waren von den Rahmenbedingungen sehr stark beeindruckt. Gratulation. Wir können mit unserem Spiel über die ganze Spielzeit sehr zufrieden sein. Unterm Strich sind wir sehr zufrieden mit dem Auftreten.“

Alexander Zorniger (Trainer Leipzig): „Wir waren spielerisch dem Gegner unterlegen. Wir haben sehr, sehr wenig Zugriff bekommen … Wenn der Gegner im Sechszehner frei zum Pass kommt, dann hat das wenig mit Qualität zu tun … Wir hatten auch Probleme mit dem zweiten Ball … Sehr ärgerlich heute das Unentschieden, weil gegen den Gegner mehr drin war.“

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