DHfK-Trainer Christian Prokop: „Das Unentschieden fühlt sich mehr wie ein verlorener Punkt an.“

15.09.2013 – SPORT4Final berichtet aus der Arena Leipzig:

SC DHfK Leipzig vs. TV 1893 Neuhausen 27:27 (13:15)

Zweitliga-Handball im Wechselbad der Gefühle, nur phasenweise spielerisch gutklassig, aber vor allem in der zweiten Hälfte mit Kampfgeist und Aggressivität vorgetragen. Da fiel es selbst den Schiedsrichtern schwer, alle Zweikampfsituationen korrekt zu beurteilen. Aber klar ist auch: Der ambitionierte SC DHfK Leipzig ist mit drei Punkten aus den Heimspielen gegen die Bundesliga-Absteiger Großwallstadt und Neuhausen gut in die Saison gestartet und nach 3 Spieltagen weiter ungeschlagen. Wobei beim 27:27-Unentschieden gegen Neuhausen Sieg und Niederlage sehr eng beieinander lagen …  

Lukas Binder - Foto: Elmar Keil
Lukas Binder – Foto: Elmar Keil

Neuhausens Ilitsch brachte die Gäste in der 58. Minute mit 26:27 in Führung. Dann Ausgleich 100 Sekunden vor Schluss durch den besten Leipziger Binder (9 Tore) und Auszeit Leipzig bei noch zu spielenden 43 Sekunden. Die Hausherren waren zudem in den beiden Schlussminuten in Überzahl. Jonssons Fangfehler leitete noch den Gegenangriff der Gäste ein, die ihren Torhüter gegen einen Feldspieler tauschten, Milosevic mit Rot bei noch 5 Sekunden Ballbesitz und Freiwurf für Neuhausen …  Es blieb beim 27:27-Remis.     [private]

Aus Leipziger Sicht wurde die Siegchance sowohl taktisch und mit technischem Fehler leichtfertig vergeben. Um aber soweit zu kommen, legte Leipzig in der zweiten Hälfte im Deckungsverbund „eine Schippe drauf“, erkämpfte und erspielte sich, auch über den Tempogegenstoß, die „Augenhöhe“ mit Neuhausen. Die Gäste waren in der ersten Spielhälfte spielerisch überlegen und taktisch besser mit der 3-2-1-Abwehr auf Leipzigs Angriff eingestellt. Dieser produzierte im gebundenen Spiel und in der Passfolge zu viele Fehler – Einzelaktionen waren die Folge. Aber auch Neuhausens Torhüter und der sehr gefährliche Rückraum, Theilinger im rechten Rückraum mit 8 Toren, bereiteten den Leipzigern große Probleme. Da auch die Gäste vor dem Leipziger Tor nicht fehlerfrei agierten, ging man nur mit einer 2-Tore-Führung in die Kabinen. Leipzig schaffte in der 34. Minute beim 16:16 den ersten Ausgleich und war bis in die äußerst spannende Schlussphase des Spiels leicht tonangebend. Insofern geht in der Summe der Teilleistungen beider Teams das Unentschieden in Ordnung.     

SPORT4Final im Interview mit Markus Gaugisch (Trainer Neuhausen):

War das heute ein verlorener oder ein gewonnener Punkt für Ihre Mannschaft?

„Ein verdienter Punkt. Beide Mannschaften haben heute den Punkt verdient. Wir hatten eine bessere erste Halbzeit, Leipzig die bessere zweite Halbzeit. Und dann ist das Unentschieden o.k.“

Haben die Schiedsrichter Einfluss auf das Spiel gehabt?

„Ich muss nicht alles verstehen. Ich werde mir kein Urteil erlauben. Ich habe meine eigene Meinung. Mit den beiden letzten Entscheidungen (2 Minuten und Offensivfoul – d.A.) war ich unzufrieden. Aber ich muss mir das angucken, vielleicht liege ich auch nicht richtig.“

War ihre Mannschaft von der Spielstruktur im Spielaufbau besser als Leipzig?

„Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit sehr fokussiert, sehr ruhig gespielt. Haben unseren Spielplan hundert Prozent verfolgt. In der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen die Struktur verloren und haben ca. 16 technische Fehler gehabt. Das ist definitiv zu viel. Dann hast du es auch nicht verdient, beide Punkte mit zu nehmen.“

Ihre Meinung zu Ihrer 3-2-1-Deckung?

„Ich denke, sie war nicht so schlecht.“

Sie gehören zu den Mitfavoriten auf den Aufstieg. Ist dies Ihr Saisonziel?

„Wir waren im letzten Jahr in der ersten Liga, da ist es klar, dass wir als Aufstiegsfavorit gehandelt werden. Diese Rolle nehmen wir auch an. Andere Mannschaften haben deutlich mehr Möglichkeiten, aber wir haben eine gute Truppe und das langfristige Ziel des Vereins ist es, sich unter den Top 25 in Deutschland zu etablieren. Der Verein will sich weiter entwickeln, wir machen das mit unserem Etat und wir überziehen nicht. Und es macht Spaß, hier zu arbeiten.“

SPORT4Final im Interview mit Christian Prokop (Trainer Leipzig:

Worüber hatten Sie in der Pause mehr Gesprächsbedarf – über die Abwehr- oderAngriffsleistung?

„Eindeutig über die Abwehrleistung. Im Angriff hatten wir das eine Woche lang thematisiert. Natürlich ist es etwas anderes, eine 3-2-1 hinzustellen mit eigenen Leuten gegenüber einer Mannschaft, die das Tag für Tag macht. Das ist schon mal eine andere Kategorie. Was wir hätten machen können, ist, unsere Deckung aggressiv zu Hause präsentieren. Und gerade was Innenblockarbeit, und da muss es auch mal krachen, angeht, waren wir dolle zaghaft und haben mehr nach Taktik gespielt als nach Aggressivität. Dies steigern wir deutlich in der zweiten Halbzeit und das ist auch die Kehrtwende, um überhaupt dann drei Tore abzuknabbern.“

Insofern haben Sie über die Abwehr am Ende ins Spiel gefunden?

„So kann man das in der zweiten Halbzeit sagen.“

In der ersten Halbzeit war die von Ihnen gewünschte Spielstruktur nicht drin?

„Struktur schon, Alexander Feld hat das Kombinationsspiel variabel angesagt. Aber es wird erstens nie so gut wirken gegen eine 3-2-1-Deckung, weil man sehr schnell unter Druck gesetzt und zu Pässen auch verleitet wird, die zu Tempogegenstößen führen. Wir haben sicherlich unter Druck zu viele falsche Entscheidungen getroffen und sind dann auch in aussichtsreichen Positionen an Torhüter Becker gescheitert. Wenn ich an die zwei Konter und den Siebenmeter denke. Auf Lukas Binder war Verlass, aber ansonsten lassen wir doch das ein oder andere Tor weg. Wenn man dann doch nicht so einfach wie in der Trainingswoche, wo sie das hervorragend umgesetzt haben, diese Chancen bekommt, dann ist man doch von Angriff zu Angriff etwas nachdenklicher.“

Ein gewonnener oder verlorener Punkt aus Ihrer Sicht?

„Am Ende ist es ein gerechtes Unentschieden, aber da wir die letzten zwei Minuten in Überzahl agieren, ist es schon für uns ein verlorener Punkt. Es ist bitter, dass uns so ein einfacher Passfehler im Überzahlspiel passiert. Trotz allem kann in der Schlussphase dann auch noch der Siegtreffer für Neuhausen in der Schlussphase fallen, weil sie noch einmal wechseln können durch diese Unterbrechung. Und deswegen ist es gerecht, aber es fühlt sich mehr wie ein verlorener Punkt an.“

Mit Ihren Torhüterleistungen waren Sie heute nicht zufrieden?

„Nein, war heute leider ein Plus für den Gegner.“

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