Dr. Klaus Kliem: „„Die wirtschaftliche Situation hat sich beim Thüringer HC in den letzten Jahren verbessert. Der Handballsport sollte mehr Beachtung in den Medien finden.“

SPORT4Final-Exklusiv-Interview mit Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des Aufsichtsrates der THC Sport GmbH

 

Einen Hallenneubau wird es nicht geben. Er wird auch nicht von uns gewünscht. Dafür fehlt das Geld.

Wir haben schon immer treue und zuverlässige Sponsoren. Es ist aber schwierig neue Sponsoren, besonders Hauptsponsoren, zu gewinnen.

Die von vielen Vereinsmitgliedern durchgeführte ehrenamtliche Arbeit kann man nicht hoch genug würdigen.

Foto: Dr. Klaus Kliem (privat)
Foto: Dr. Klaus Kliem (privat)

Herr Dr. Kliem, herzlichen Glückwunsch auch von meiner Seite zu dieser überragenden Saison. Wie stellt sich nach den Erfolgen der letzten 3 Jahre konkret die wirtschaftliche Situation des Vereins dar?

Dr. Klaus Kliem: „Vielen Dank für die Glückwünsche. Die wirtschaftliche Situation hat sich in den letzten Jahren verbessert. Aber wir sind auch noch nicht zufrieden, da wir noch keine Rücklagen aufbauen konnten.“

Im Jahresabschluss der THC Sport GmbH für 2011 (Stichtag 30.06.2011 lt. Bundesanzeiger) sind zwei Positionen bemerkenswert: Die Forderungen gegenüber den Gesellschaftern stiegen gegenüber dem Vorjahr (insgesamt 42,4 TEUR) und der nicht durch Eigenkapital gedeckte Jahresfehlbetrag erhöhte sich auf insgesamt 43,9 TEUR. Hat sich diese Entwicklung weiter fortgesetzt und wie erklären sich diese Zahlen im neuen Jahresabschluss?

Dr. Klaus Kliem: „Im Jahr 2009/ 2010 hat sich der Aufsichtsrat nochmal sehr intensiv mit der Tätigkeit der Geschäftsführung auseinandergesetzt, was zu Veränderungen in der folgenden Saison führte. Die sich abzeichnende Entwicklung musste gestoppt werden. Wir standen ja in der folgenden Spielserie unter „besonderer Aufsicht“ der HBF. Das hat noch mehr angespornt und jeder Verantwortungsträger gab sein Bestes. Die Forderung gegen die Gesellschafter besteht einzig durch die Leistungsbeziehung zum THC e. V. Das Ergebnis einer Betriebsprüfung, welche den Zeitraum 2004 – 2006 umfasste, hat darin seinen Niederschlag gefunden. Es gibt Gespräche zwischen dem Verein und der GmbH, um diese Thematik zu lösen. Im Jahresabschluss 2010/2011 mussten dennoch Forderungsverluste, vorrangig aus dem Zeitraum 2004 – 2007, in einer Größenordnung von über 95,0T€ bedauerlicherweise ausgewiesen werden. Das ist die Hauptursache für die Entstehung des negativen Ergebnisses in der Bilanz. In den weiteren Abrechnungszeiträumen kann auf eine durchaus positive Tendenz auf der finanziellen Ebene verwiesen werden, so dass dieser Posten nicht mehr steht.“

Sorgt der sportliche Erfolg der letzten Jahre nicht für ein „Schlange-stehen“ der Sponsoren?

Dr. Klaus Kliem: „Wir haben schon immer treue und zuverlässige Sponsoren. Sie haben uns über die Jahre hin zu den Erfolgen begleitet. Es ist aber schwierig neue Sponsoren, besonders Hauptsponsoren, zu gewinnen. Die großen Unternehmen haben zwar Niederlassungen in Thüringen, diese haben keine oder nur wenige finanzielle Mittel für die Werbung. Das ist ein generelles Problem des ‚ostdeutschen‘ Sportes. Aber mit unserer zweiten Spielstätte (internationale Spiele) in Nordhausen haben wir neue Förderer gefunden.“

Die Finanzen sind bezüglich der aus meiner Sicht für einen deutschen Meister bedauerlichen Spielstätte sicher auch ein Thema. Wäre nicht ein Hallenneubau in Bad Langensalza aus mittelfristiger wirtschaftlicher sowie sportlicher Sicht (Trainings- und Wettkampfbetrieb; internationale Spiele) die sinnvollere Lösung?

Dr. Klaus Kliem: „Einen Hallenneubau wird es nicht geben. Er wird auch nicht von uns gewünscht. Dafür fehlt das Geld. Aber eine Grundinstandsetzung nach 20 Jahren und eine teilweise Erweiterung (ca. 500 Plätze) wäre eine zu begrüßende Lösung und würde sich auch im entsprechenden finanziellen Rahmen bewegen. Die internationalen Spiele, die nicht in Bad Langensalza stattfinden dürfen, würden wir gerne in Nordhausen durchführen. Wir sind von den Menschen und den Entscheidungsträgern sehr gut aufgenommen worden und fühlen uns dort auch sehr wohl.“

Für weitere langfristige sportliche Erfolge könnte es notwendig werden, den THC von der hervorragenden, überwiegenden „Ehrenamtsarbeit“ mehr zur professionellen Arbeit „umzustrukturieren“. Dies ist nicht despektierlich gemeint, aber stecken diesbezüglich schon „Umstrukturierungspläne“ in der Schublade des Aufsichtsrates?

Dr. Klaus Kliem: „Die von vielen Vereinsmitgliedern durchgeführte ehrenamtliche Arbeit kann man nicht hoch genug würdigen. Dies zeichnet aber unseren Verein und seine Mitglieder aus. Insbesondere unser Präsident, der auch gleichzeitig Geschäftsführer der THC Sport GmbH ist, leistet eine große, oft weit über ein vertretbares Maß hinausgehende Arbeit. Aber unsere begrenzten finanziellen Mittel gestatten uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, hauptamtliche Mitarbeiter in der Geschäftsstelle zu beschäftigen.“

Stichwort Medienpräsenz: Ein MDR-Live-Stream im Internet und ein kurzer Livebericht im MDR entsprechen medial sicher auch nicht Ihren Vorstellungen und werden der Attraktivität und dem Leistungsniveau des Frauen-Handballs m.E. auch nicht gerecht. Haben die Topvereine der Liga diesbezüglich nicht mehr Einfluss beim Fernsehen oder fehlen die Werbepartner für Liveübertragungen?

Dr. Klaus Kliem: „Ich habe diesbezüglich einen Brief an die Intendantin des MDR, Frau Prof. Wille, geschrieben. Die Antwort ist für uns nicht befriedigend. Wenn selbst für öffentlich-rechtliche Sender die Einschaltquoten höher bewertet werden, als die gezeigte Leistung, so ist dies schon zu hinterfragen. Gerade der Handballsport, der nicht durch negative Schlagzeilen wie Krawalle und Polizeieinsätze von sich reden macht, sollte mehr Beachtung finden.

Lassen sie es mich so sagen:

Sport im Osten‘ sollte besser ‚Fußball im Osten‘ genannt werden.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Kliem, und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit für den Thüringer HC.

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