Empor Rostock unterliegt DHfK Leipzig im intensiven Ostderby – „Hexer“ Felix Storbeck

Empor Rostock unterliegt DHfK Leipzig im intensiven Ostderby in letzter Aktion durch „Hexer“ Felix Storbeck - Foto: Rainer Justen
Empor Rostock unterliegt DHfK Leipzig im intensiven Ostderby in letzter Aktion durch „Hexer“ Felix Storbeck – Foto: Rainer Justen

22.03.2015 – SPORT4Final / Aus Rostock berichtet Frank Zepp: 

Empor Rostock zu besuchen ist immer eine Handballreise wert. Die Duelle der ehemaligen Europapokalsieger Empor Rostock und DHfK Leipzig sind oft von großem Kampf, bissigen Zweikämpfen und Dramatik bis in die letzten Sekunden geprägt. 

Auch diesmal. Das Bauchgefühl von DHfK-Trainer Christian Prokop (nahm Keeper Storbeck 90 Sekunden vor Schluss von der Platte) sowie sein „Hexer“ im Tor, der ehemaliger Rostocker und heutige DHfK-Stammtorwart Felix Storbeck, sollten das Zünglein an der Waage sein. Nach dem Schlusspfiff schlug Storbecks große „Stunde“. In den letzten 15 Sekunden nochmals zum Einsatz kommend, hielt er den letzten Wurf, einen Siebenmeter von Vyron Papadopoulos, und bescherte seiner Mannschaft den glücklichen (vom Ergebnis) aber auch verdienten Erfolg nach dem Spielverlauf sowie durch die spieltaktisch reifere Leipziger Spielanlage. 

Franz Semper und Tom Wetzel - Foto: Rainer Justen
Franz Semper und Tom Wetzel – Foto: Rainer Justen

DHfK Leipzig „gewann“ alle Match-Statistiken: Torhüter (13:6 gehaltene Bälle), Gegenstoßtore (5:3) sowie technische Regelfehler (12:7). Aber Empor Rostock blieb kämpferisch und auch phasenweise spielerisch dran, hatte den besseren Start mit einer 5:2-Führung nach 8 Minuten, um Mitte der ersten Halbzeit den Regiespielfaden an die Leipziger Gäste abzugeben. Rostocks letzte Ein-Tore-Führung war der Siebenmeter zum 15:14 (33.) durch Papadopoulos. Danach hatte Leipzig den Match-Zugriff, zweimal eine Drei-Tore-Führung (letztmalig 22:25 – 54.) und sah angesichts der besser besetzten Bank wie der sichere Sieger aus. 

Mitnichten. Die Arbeit von Empor-Trainer Aaron Ziercke (seit Oktober 2014) trägt langsam Früchte. Sein Team wirkte gegenüber früher mannschaftlich stabiler, im Deckungsverbund bei 6:0 und 4:2 gefestigter und hat „nur“ im Positionsangriff nach wie vor die größten Schwächen (kein Spiel über die Außen und die Ideen von Regisseur Roman Becvar kommen nicht bei allen Mitspielern an). Empor war beim 27:28 in der letzten Minute wieder auf Tuchfühlung und „erarbeitete“ sich durch Tom Wetzels Durchbruch an den Kreis den letzten Wurf per Siebenmeter durch die unsicher agierenden Schiedsrichter. Felix Storbeck hielt und unterstrich seine mentale „Hexer“-Stärke. 

Nachdenkenswert: Leipzig dominiert die zweite Bundesliga, hat aber in der Summe der körperlichen, personellen, spielerischen und verteidigenden Fähigkeiten (Maßstab auch die Pokal-Niederlage gegen die Füchse Berlin) noch kein komplett erstligareifes Team. Verstärkungen sind dringend anzuraten, um sich nicht nach dem realistischen Aufstieg ins Oberhaus nach dieser Saison zur „Fahrstuhlmannschaft“ zu entwickeln. 

Was kritikwürdig ist und nicht geht: Der teilweise kommentierende Hallensprecher in Richtung Schiedsrichter-Kritik in der 58. Minute: „Jetzt kommt es auf das Fingerspitzengefühl an.“ Eine zuvor ausgesprochene Strafzeit gegen Becvar stellte den Anlass dieser Bemerkung dar. 

Stimmen zum Spiel: 

Felix Storbeck: „Bin überhappy, in Rostock gewinnt nicht jeder. Ich war nach der Verschnaufpause echt ruhig. Ein Siebenmeter ist echt Glückssache.“ 

Franz Semper: „Die Mannschaft zählt.“ 

Philipp Weber: „Wie der Storbeck den da zum Schluss hält, weiß, glaube ich, keiner. Wenn es drauf ankommt, ist er da. Wir haben aber nicht unser bestes Spiel gemacht.“ 

Tom Wetzel: „Wir können sehr stolz auf unsere Leistung gegen den Ersten sein. Wenn wir immer unser Niveau abrufen, können wir nicht absteigen.“ 

Roman Becvar: „Manche Sachen waren nicht gut gespielt, aber daran müssen wir arbeiten. Ein paar Sachen haben uns gefehlt. Wir gehören nicht in die Abstiegszone.“ 

Christian Prokop: „Das sind Bauchgefühl-Entscheidungen, genauso wie der Rückwechsel. Felix Storbeck kennt die Spieler. Franz Semper hat einmal mehr die Verantwortung in den kniffligsten Situationen übernommen.“ 

Aaron Ziercke: „Wir haben in der ersten Halbzeit schon ein wenig den Pfad verlassen und zu viel über die Mitte probiert. Da haben wir Leipzig zu fünf Kontern eingeladen und lassen auch noch zwei Siebenmeter aus. Letztendlich wäre es auch gerecht gewesen, wenn es nicht nur zur Halbzeit sondern auch am Ende Unentschieden ausgegangen wäre. Wir haben Leipzig ordentlich Paroli geboten und man hat nicht unbedingt erkannt, dass wir nur auf Platz 13 sind.“ 

Statistik: 

HC Empor Rostock vs. SC DHfK Leipzig 27:28 (14:14) vor 2.350 Zuschauern in der Stadthalle Rostock 

Beste Werfer:

10 Tore Vyron Papadopoulos (davon 5 Siebenmeter) – Empor Rostock

9 Tore Patrik Hruscak – Empor Rostock

5 Tore: Lucas Krzikalla, Franz Semper, Philipp Weber (davon 2 Siebenmeter) – alle SC DHfK Leipzig

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