HC Empor Rostock mit vermeidbarer Crunch-Time-Heimniederlage gegen TV Großwallstadt

07.09.2014 – SPORT4Final:

Empor-Trainer Dr. Rastislav Trtik: „Eine bittere Niederlage.“

Handball – 2. Bundesliga: 3. Spieltag

HC Empor Rostock (14.) vs. TV Großwallstadt (3.)  26:27 (12:14)  vor 1.500 Zuschauern in der Stadthalle Rostock

Spielfilm: 

5:3 (9.); 9:7 (18.); 9:10 (22.); 10:12 (26.); 12:14 (Halbzeit)

16:16 (36.); 18:21 (42.); 23:22 (52.); 24:25 (56.); 25:25 (58.); 25:27 (60.); 26:27 (Endstand) 

Aus Rostock berichtet SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp. 

Es war kein Spiel für schwache Fan- und Spielernerven: In einem Spitz-auf-Knopf-Spiel musste der HC Empor Rostock nach der Eisenach-Niederlage (25:36) gegen den nächsten Liga-Mitfavoriten TV Großwallstadt bei erheblicher Leistungssteigerung eine vermeidbare, schmerzliche Ein-Tore-Niederlage hinnehmen. Der Gastgeber verlor gegen Ende der ersten Hälfte die Spielkontrolle, geriet Mitte der zweiten Halbzeit fast auf die Verliererstraße, drehte das Match trotz einiger hochkarätiger individueller Fehler und verlor in der Crunch-Time bei mentaler sowie zahlenmäßiger Überlegenheit die Partie in brutaler Art und Weise. Auch der Vereinsführung verschlug es gegenüber der Presse die Sprache, Fragen unerwünscht – nur die enttäuschten Spieler und Empor-Trainer Rastislav Trtik standen den Medien zur Verfügung. Aber der Reihe nach …

HC Empor Rostock mit vermeidbarer Crunch-Time-Heimniederlage gegen TV Großwallstadt - Foto: SPORT4Final
HC Empor Rostock mit vermeidbarer Crunch-Time-Heimniederlage gegen TV Großwallstadt – Foto: SPORT4Final

Start nach Maß und mentale Schwächen:

Empor-Spiele sind oftmals von variablen, äußerst offensiven Deckungssystemen (4:2; 5:1: 5:0+1) gekennzeichnet. Rostock hätte schon höher als 9:7 (18.) führen können, ja müssen, wenn nicht der Großwallstädter Torhüter Mathias Lenz mit 10 Paraden in der ersten Halbzeit sowie 8 technische Fehler auf Rostocker Seite das Resultat entscheidend beeinflussten. Die Gäste stellten sich auf die Empor-Abwehrsysteme immer besser ein und suchten sich die besten „Schlupflöcher: Rostocks linke Abwehrseite mit Tom Wetzel (8 Tore) und Vyron Papadopoulos (4 Tore) musste gegen die individuell starken Mario Stark (8 Tore) und Michael Spatz (7 Tore) „Deckungs-Lehrgeld“ zahlen. Großwallstadt war einfach im strukturierten Positionsangriff besser – Rostock befand sich auf der Suche nach der optimalen Sieg-Formation. Eine Stamm-Sieben fand Trainer Trtik noch nicht und ein Spielgestalter kristallisierte sich erst in der zweiten Halbzeit mit dem tschechischen Nationalspieler Roman Becvar heraus.    

Torhüter Tobias Malitz mit Signalwirkung:

Stamm-Keeper Jan Kominek wegen gesundheitlicher Probleme auf dem Weg ins Krankenhaus und der erst in dieser Saison von den A-Junioren gekommene Tobias Malitz sorgte mit zwei Paraden in der 31. Minute für die mannschaftliche Leistungssteigerungs-Wende! Mit insgesamt sechs gehaltenen Bällen in entscheidenden Spielphasen der zweiten Hälfte stach Malitz aus dem Empor-Team hervor. Becvar zog nun die Spielfäden und erzielte drei Treffer, Wetzel traf gut und sicher (5 Tore) und Jens Dethloff sorgte in vorgeschobener Abwehrposition (5:1-Deckung) sowie am Kreis (2 Tore) für entscheidende Impulse. Empor Rostock drehte das Spiel innerhalb von zehn Minuten – aus 18:21 wurde eine 23:22-Führung. Aber Rostocks Problempositionen waren der halbrechte Rückraum im ganzen Spiel sowie Kreis links und Mitte in der ersten und die rechte Kreisposition in der zweiten Halbzeit. Großwallstadt trat im Team kompakter und in der Leistung über sechzig Minuten konstanter auf. Gerade der Rückraum stellte die Gastgeber vor erhebliche Probleme mit Spielmacher Chen Pomeranz und in Hälfte zwei mit Rückraum-Shooter Nils Holger Kretschmer (3 Tore und mehrere kluge Anspiele).

Rostocks Crunch-Time-Niederlage:

Empors größte Schwachstelle an diesem Nachmittag, speziell in der finalen Spielentscheidung, sollten falsche individuelle Wurf- und Passentscheidungen sein. Nur ein Beispiel: Bei 24:25 ermöglichte die Malitz-Parade den Tempogegenstoß über Papadopoulos, der selber werfen konnte, aber den Ball per Kempa-Trick erfolglos in die Mitte auf Becvar ablegte. In den letzten zwei Minuten, Spielstand 25:25, spielte Rostock in Überzahl und kassierte zwei Treffer zum 25:27 durch Mario Stark und Chen Pomeranz. Die Rostocker Gemüter erhitzte der Gegenstoß durch Florian Zemlin, dem entweder ein Offensivfoul oder das Betreten des Kreises abgepfiffen wurde. Auch ein Strafwurf wegen der Abwehr im Kreis wäre durch die unsicher agierenden Referees im „Bereich des Möglichen“ gewesen. Aber Zemlin (ohne Tore) und Papadopoulos hatten nicht ihren besten Tag erwischt. Nach erfolgreicher Aufholjagd in Halbzeit zwei gab Empor Rostock den mentalen und zahlenmäßigen Vorteil in den letzten zwei Minuten aus der Hand. Vermeidbar und bitter zugleich. Nicht zu verschweigen ist aber auch, dass die Gäste bei 18:21-Spielstand weitere Torchancen ausließen und die Führung nicht ausbauen konnten. Am Ende sicherlich ein glücklicher Großwallstädter Sieg, der angesichts der höheren Leistungskonstanz und größerer individueller Stärken nicht unverdient ausfiel.    

Gemischte Gefühle:

Empor bietet den arbeitenden Pressevertretern eine Wohlfühloase. Nach dem Spiel sprachen Mitglieder der Vereinsführung noch auf der Tribüne miteinander. Für den SPORT4Final-Redakteur ein „gefundenes Fressen“ zum Nachfragen. Unerwünscht! Dies ist inakzeptabel für die Medien. Aber der Cheftrainer stand im „Kabinen-Interview“ Rede und Antwort. Einfach Klasse und danke „Rasti“!   

Es folgen noch die Stimmen zum Spiel und das „Kabinen-Interview“.

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