Roman Becvar, Empor Rostock-Regisseur: „Schwierige Situation, gemeinsam schaffen wir den Klassenerhalt“

Der tschechische Nationalspieler Roman Becvar spielt mittlerweile seit drei Jahren für den HC Empor Rostock. 2013 wurde der Regisseur aus Pilsen nach Rostock geholt.

Roman Becvar, Empor Rostock-Regisseur - Foto: HC Empor Rostock
Roman Becvar, Empor Rostock-Regisseur – Foto: HC Empor Rostock

Seitdem ist er einer der großen Leistungsträger des Zweitligisten. In der Winterpause war er in der Qualifikation zur Handball-Weltmeisterschaft 2017 im Einsatz. Kurz nach dem Start in die Rückrunde – der HC Empor Rostock konnte zwei Punkte in zwei Partien einfahren – gab er ein Interview.

15.02.2016 – PM Empor Rostock / SPORT4Final / Frank Zepp:

Hi Roman, die Punkteausbeute in der ersten Saisonhälfte war durchwachsen. Wie fällt dein Fazit bis dahin aus?

Roman Becvar: Wir haben oft nicht schlecht gespielt und meistens nur knapp verloren. Vor allem gegen die großen Teams waren wir immer stark. Aber in den entscheidenden Spielen gegen unsere direkten Konkurrenten waren wir dann zu schlecht. Schwierig wurde es dann, weil wir immer wieder Rückschläge wegstecken mussten. Viele Spieler waren verletzt und da wir nur einen kleinen Kader haben, mussten junge Spieler mehr Verantwortung übernehmen. Für die ist das aber auch nicht einfach.

Was muss denn aus deiner Sicht in den verbleibenden Partien besser laufen?

Roman Becvar: Wichtig wäre erst einmal, dass alle fit bleiben. Denn wir haben sehr viele Spiele zu bestreiten und brauchen jeden einzelnen Spieler. Ansonsten müssen wir natürlich unser Angriffsspiel verbessern und unsere Defensive stabilisieren. Wir müssen das machen, was wir können. Kompakt stehen, schnell nach vorne spielen und ein hohes Tempo gehen! Und wichtig ist natürlich, dass wir unsere Heimspiele und gegen die anderen, die am unteren Ende der Tabelle stehen, gewinnen.

Wie ist denn die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte gelaufen?

Roman Becvar: Ich war ja nicht die ganze Zeit dabei, sondern in den ersten Wochen mit der Nationalmannschaft unterwegs. Schlecht war natürlich, dass viele angeschlagen waren und „Papa“ und ich erst verspätet ins Training einsteigen konnten. Die Jungs haben in der ersten Zeit aber sehr viel für die Physis getan und weniger mit dem Ball gearbeitet. In den letzten Tagen haben wir dann sehr viel an unserer Spielweise gefeilt, um optimal vorbereitet in die Rückserie zu starten.

Roman Becvar, Empor Rostock-Regisseur - Foto: HC Empor Rostock
Roman Becvar, Empor Rostock-Regisseur – Foto: HC Empor Rostock

Und wie war die Qualifikation für die Handball-Weltmeisterschaft 2017?

Roman Becvar: Es waren sehr enge Spiele. Zuerst haben wir in der Türkei mit vier Toren verloren. Wir haben gedacht, dass wir locker gewinnen. Aber auch in diesen Regionen wird mittlerweile richtig guter Handball gespielt. Auch die Türkei hat viele Champions-League-Spieler. Gut war dann, dass wir das zweite Spiel zuhause hatten. Mit der vollen Halle im Rücken haben wir das Ganze dann noch gedreht und uns für die nächste Runde qualifiziert. Dort treffen wir jetzt bereits zum dritten Mal auf Mazedonien. Jetzt wollen wir sie endlich mal besiegen!

Konntest du von der Nationalmannschaft auch Erfahrungen mitnehmen, die du bei Empor einbringen kannst?

Roman Becvar: Klar, man nimmt immer etwas davon mit, wenn man international spielt. Das ist ein richtig hohes Niveau und für mich war wichtig, dass ich dieses Mal sehr viel im linken Rückraum spielen durfte. Da viele Leute ausgefallen sind, habe ich beide Spiele beinahe komplett durchgespielt und konnte auch einige Treffer erzielen. So bin ich natürlich immer noch im Spielfluss geblieben.

Euer erstes Spiel nach der Winterpause war gegen Zweitliga-Spitzenreiter HC Erlangen. Euer Auftritt war ordentlich, aber trotzdem habt ihr verloren. Wie schätzt du die Partie ein?

Roman Becvar: Wir haben richtig gut angefangen und super gespielt. Nach zwanzig Minuten haben wir Erlangen aber leider zu viele Möglichkeiten angeboten, die sie dann auch gleich ausgenutzt haben. In der zweiten Hälfte sind wir dann leider nicht mehr nah genug herangekommen. Natürlich wollten wir gerne gewinnen, aber ich denke, dass wir uns für unsere Leistung nicht verstecken müssen. Auf das Spiel können wir aufbauen. Wir müssen die positiven Dinge mit in die nächsten Partien nehmen.

Am Wochenende konntet ihr damit schon anfangen. Ihr habt sehr deutlich mit sieben Toren Differenz in Saarlouis gewonnen. Jetzt geht es direkt wieder mit zwei Spielen innerhalb von vier Tagen weiter. Am Mittwoch in der StadtHalle Rostock gegen Ferndorf, am Sonntag bei Hamm-Westfalen …

Roman Becvar: Ja, die Belastung ist sehr hoch, aber das ist für alle Mannschaften so. Mit unserer dünnen Kaderbreite ist das natürlich noch deutlich anstrengender als für andere Teams, aber jammern bringt nichts. Der Erfolg war jetzt auf jeden Fall sehr wichtig für uns. Wir müssen einfach kämpfen und alles geben, um auch am Ende über dem Strich zu stehen.

Roman Becvar in der Partie gegen den HC Erlangen - Foto: HC Empor Rostock
Roman Becvar in der Partie gegen den HC Erlangen – Foto: HC Empor Rostock

Nach der Partie gegen Ferndorf folgen drei Auswärtsspiele. Punkte konntet ihr bislang aber nur in Essen und zuletzt in Saarlouis einfahren …

Roman Becvar: Das ist ein Problem für uns. Wir spielen oft gut und sind auswärts meistens nicht schlechter gewesen, haben uns dann aber immer wieder durch ein paar schlechte Minuten selbst um den Lohn gebracht. Unkonzentriertheiten und einfache Fehler sind immer wieder aufgetaucht. Unsere Leistungen in vielen Auswärtsspielen haben aber gezeigt, dass wir uns vor niemanden verstecken müssen. Wir werden, wollen und müssen jetzt „nur“ die Punkte einfahren. Es ist einfacher gesagt als getan, aber wir wollen in der Liga bleiben und dazu müssen wir gewinnen. Der Sieg in Saarlouis ist schon mal ein guter Anfang. Das wird uns auch für die kommenden Aufgaben neues Selbstvertrauen geben.

Und wie wichtig sind auf dem Weg zum Klassenerhalt die Heimspiele für euch?

Roman Becvar: Unglaublich wichtig. Hier müssen wir die Punkte behalten. Die StadtHalle muss zu einer Festung werden. Dass die Fans uns den Rücken stärken, ist dabei sehr bedeutend für das Team. Wir müssen alle zusammenhalten. Es ist eine schwierige Situation, aber gemeinsam können und werden wir das schaffen.

Du bist also zuversichtlich?

Roman Becvar: Natürlich glaube ich fest daran, dass wir den Abstieg verhindern. Wir haben jetzt erst einmal die Abstiegsränge verlassen und genügend Qualität steckt auch in unserer Mannschaft. Zudem warten noch viele Spiele gegen direkte Konkurrenten uns. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln. Wir werden das packen!

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