Exklusiv-Interview mit Herbert Müller, Cheftrainer des Thüringer HC – Saison-Analyse – Teil 1

„Es war eine fantastische Saison.“
„Wenn man mal aufhört, besser werden zu wollen, dann hat man aufgehört, gut zu sein.“
„Mir schwebt noch eine offensivere Deckungsvariante vor – nach dem Modell Filip Jicha vorn, Vori vorn.“

Meistertrainer Herbert Müller - Foto: Roman Knabe
Meistertrainer Herbert Müller – Foto: Roman Knabe

 

Herr Müller, danke für Ihre Bereitschaft zum Saison-Auswertungsgespräch. National hätte es für den Thüringer HC nicht besser laufen können. Ihr Fazit bitte.

Herbert Müller: „Es war sicherlich ohne Wenn und Aber eine fantastische Saison. Man hat sehr früh gemerkt, dass es in der Mannschaft passt, dass die Mannschaft will, dass die Mannschaft super mitzieht und dass sie wieder national ihre Vormachtstellung untermauern will. Mit dem Gewinn des Doubles haben wir sicherlich die Saison mit Titeln gekrönt – das ist fantastisch. Die Mannschaft hat sich immer weiter entwickelt und vor allem, wir haben auch international Ausrufezeichen gesetzt. Wenn man allerdings ein Fazit zieht, so muss man es auch über die kompletten drei Jahre mal sehen. Wie die Entwicklung des THC aus dem nichts kam, an die Spitze rasant von statten gegangen ist, das ist fantastisch und da bin ich sehr, sehr stolz auf diese Truppe, die Mädels und ein riesen Kompliment an alle in diesem Verein.“

Stichworte Spielqualität und Spieltaktik. Worin liegen diesbezüglich im Detail die Vorteile Ihrer Mannschaft gegenüber der Konkurrenz?

Herbert Müller: „Ich denke, es ist ganz, ganz wichtig, dass man die Spieltaktik, sein ganzes System, seine Konzeption auf die jeweilige Spielertypen, die man hat, auslegt. Wir haben versucht, das zu optimieren und in diesen drei Jahren uns so weiter zu entwickeln, dass wir unsere eigenen Ideen und unser Konzept optimal durchdrücken können. Und ich denke, dass wir da vielleicht der Konkurrenz ein bisschen voraus sind. Wir haben es geschafft vor allem durch eine sehr, sehr kompakte Abwehr, durch eine unglaublich klare Absprache zwischen Torhüterin und Abwehrverbund in ein schnelles Spiel zu kommen. Die Deckung sollte Sicherheit geben, was dann auch wieder Fehler vorne kompensieren kann. Weil durch das schnelle Spiel, das wir in höchster Qualität machen wollen, haben wir es geschafft, viele Mannschaften nieder zu laufen. Das stellt natürlich eine gute physische Voraussetzung dar und die haben wir uns genommen. Und wir haben auch jeden Tag in der Halle uns all das erarbeitet, was dann mit einer bestimmten Leichtigkeit auch geklappt hat. Ich denke, wir schauen nur auf uns und es ist wichtig, dass wir unser Spielsystem perfektionieren. Das haben wir versucht und das war auch von Erfolg gekrönt.“

In welchen Punkten sehen Sie künftig noch notwendiges Steigerungspotential?

Herbert Müller: „Wir wollen immer besser werden und daran arbeiten wir. Weil, wenn man mal aufhört, besser werden zu wollen, dann hat man aufgehört, gut zu sein. Und ich denke, dass es Steigerungspotential in allen Belangen gibt. Sowohl was das individuelle betrifft als auch die Kleingruppe, also das mannschaftstaktisch Komplexe. Sowohl Abwehr als auch Angriff. Wenn man tagtäglich Dinge verfeinert, die Mannschaft sinnvoll ergänzt, immer wieder auch versucht, neue Spielerinnen zu integrieren und sich Ziele setzt, dann findet man immer noch mal Mittel und Wege, mehr aus der Mannschaft heraus zu kitzeln, mehr aus sich selber heraus zu kitzeln und diesen Weg wollen wir gehen, denn wir haben jetzt sicherlich den THC in der deutschen Spitze nicht nur etabliert sondern wir sind allen anderen davon gezogen. Aber wir wollen ja, dass das Ganze auch langfristig angelegt ist und dass wir da eine Konsistenz reinbringen, die den THC auch über viele Jahre hinweg ganz oben festsetzen soll.“

Für mich ist nicht nur die „rote Wand“ beeindruckend sondern auch Ihre „Spanische Abwehrwand als Systemspiel“ von guter europäischer Qualität. Werden Sie ein zweites, qualitativ-gutes Deckungssystem für die neue Saison, notwendig für die Champions League, einstudieren?

Herbert Müller: „Ich denke, es ist ganz, ganz wichtig, dass man mehrere Abwehrsysteme beherrscht. Und dass man auch entsprechend nach Spielsituation, nach taktischer Notwendigkeit, nach Gegnern reagieren kann. Ich stelle mir vor, dass es mindestens zwei Systeme gibt, die absolut perfekt funktionieren. Dass soll sicherlich auf der einen Seite unsere 6:0-Deckung sein, die wir als beste Deckung in dieser Saison gehabt haben. Auf der anderen Seite schwebt mir noch eine offensivere Deckungsvariante vor, so ein bisschen auch nach dem Modell im Männerbereich, wo eine große, vielleicht keine zu schnelle aber eine raumzustellende Spielerin vorn auf der Eins steht. Nach dem Modell Filip Jicha vorn, Vori vorn – was man im Männerbereich schon gesehen hat. Dass man da die ganzen Abläufe des Gegners im Keim erstickt. Ich sage immer wieder, die Abwehr muss da schon zumachen, schon unterbinden, wo es nicht gefährlich ist. Um dann den Pass zum gefährlichen schon zu vermeiden, denn wenn man mal in der gefährlichen Situation eingreift, dann ist es meistens doch mit einer Strafe verbunden oder mit einem Tor und von daher haben wir eine bestimmte Idee, die wir verfolgen wollen. Teilweise auch mit offensiven Außen, vielleicht auch eine ganz, ganz offensive Deckung. Das wird allerdings die Vorbereitung dann zeigen. Es wird sich dann heraus kristallisieren, welches unsere beiden Top-Abwehrsysteme sein werden.“

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