Thüringer HC bei 27:22-Sieg gegen TuS Metzingen mit zwei Gesichtern

21.09.2013 – SPORT4Final:

Wie stark ist der Titelverteidiger im Frauen-Handball, Thüringer HC, nach einem Sechstel der Bundesligasaison einzuschätzen? Wie gut ist die Integration der hochklassigen Neuzugänge bereits voran geschritten? Beherrscht der amtierende deutsche Meister ein zweites Abwehrsystem für die großen internationalen Aufgaben? War der Punktverlust beim 27:27 in Buxtehude nur ein Ausrutscher an einem „besonders schlechten Tag“ oder hat Cheftrainer Herbert Müller noch mehr Arbeit als ihm lieb ist vor den Wochen wichtiger Vorentscheidungen im Oktober und November in der Champions League, möglicherweise auch im nationalen Titelrennen? SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp versucht sich nach „Internetstudium“ des 27:22-Erfolges gegen TuS Metzingen in Denkanstößen …

Halbfinale im Europacup der Pokalsieger: Thüringer HC vs. HYPO Niederöstereich (vl) Kerstin Wohlbold (THC), Fachinello Cavaleiro (HYPO) und Karol de Souza (HYPO) -  Foto: Mario Gentzel
Halbfinale im Europacup der Pokalsieger: Thüringer HC vs. HYPO Niederöstereich – Kerstin Wohlbold (THC), Fachinello Cavaleiro (HYPO) und Karol de Souza (HYPO) – Foto: Mario Gentzel

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1. Die erste Sieben, die Stammformation der ersten Halbzeit trotz einiger weniger Auswechslungen, machte bis zum Halbzeitstand von 15:7 richtig Tempo, zeigte durchdachte Spielzüge, war stark im Umkehrspiel und hatte in Neuzugang Jana Krause (10 Paraden) einen großartigen Rückhalt. Das sehr stark aus dem Rückraum dominante Spiel über Wohlbold, Nadgornaja und Barbosa überzeugte neben seiner Torgefährlichkeit mit Klasse und Spielverständnis. Obwohl das Spiel über den Kreis mit Engel, Althaus und Neuzugang Smeets vernachlässigt wurde, kam der Thüringer HC über die Stationen 6:2, 11:5 bis zum Pausenstand nie in ernsthafte Gefahr. Einzig und allein die zu Beginn praktizierte 3:3-Deckungsvariante, von der Mitte der Halbzeit wieder auf eine flexible 6:0-Abwehr mit „schnellem Körperkontakt“ umgestellt wurde, wirkte nicht so wettkampfsicher. Eine 5:1-Abwehr würde sicherlich nicht so viel Risiko in sich bürgen und die Spielsicherheit incl. Umkehrspiel unterstützen.

2. Als Cheftrainer Müller beim Stand von 23:16 und nach einer umstrittenen Siebenmeterentscheidung von Katrin Engel beruhigt werden musste (Müller bzw. die Bank hatte schon Gelb), stellte sich für den Betrachter die Frage, ob der Cheftrainer wegen einiger „diskussionswürdiger“ Schiedsrichterentscheidungen oder der nachlassenden Teamleistung mit sich haderte. SPORT4Final geht von letzterer Möglichkeit aus, denn es waren in der zweiten Hälfte bei vielen Auswechslungen und Positionswechseln einiger Spielerinnen ein deutlicher Bruch im Spiel, viele individuelle und technische Fehler sowie eine unkonzentrierte, löchrige Abwehrformation erkennbar. TuS Metzingen konnte am Ende die Niederlage mit 5 Toren in Grenzen halten. Über Minevskaja (6 Tore) und Covic (3 Tore) aus dem Rückraum bzw. über die mittlere Kreisspielerin Geissmann (5 Tore) gelangen gut herausgespielte Tore gegen eine (fast) neuformierte THC-Deckung. Auch die zweite regieführende Spielerin, Neuzugang Luzumova, braucht noch wesentlich mehr Spielpraxis, um Spielmacherin Wohlbold über längere Phasen im temporeichen und strukturierten Angriffsspiel ohne Qualitätsverlust entlasten zu können.

3. Da in der kommenden Woche Lehrgänge der Nationalspielerinnen auf dem Programm stehen, kommt es dann im DHB-Pokal am 2. Oktober an gleicher Stelle gegen Metzingen zur „Generalprobe“ vor dem scharfen Champions-League-Start am 6. Oktober in Nordhausen gegen HCM Baia Mare aus Rumänien. In Tempo- und Spielweise der ersten Hälfte gegen Metzingen zuzüglich einer weiteren Leistungssteigerung, vor allem über konstant 60 Minuten, sollte der Thüringer HC in dieser Saison sowohl international (Hauptrunde der Champions League als Ziel) als auch national ein gehöriges Wörtchen um die deutsche Meisterschaft mitreden können. Am 30. Oktober, mitten in der heißen Gruppenphase der „Königsklasse“, steigt zudem in Leipzig der Klassiker gegen den deutschen Rekordmeister, der auch in der „Königsklasse“ aktiv ist. Ohne großartig Prophet sein zu können (auch zu wollen?), scheint in dieser Bundesligasaison aber alles auf einen Zweikampf beider Top-Teams hinaus zu laufen. Freuen wir uns auf spannende und hochklassige Spiele. Bundestrainer Jensen benötigt ebenfalls leistungsstarke Nationalspielerinnen bei der Handball-Weltmeisterschaft im Dezember in Serbien.

Einen ausführlichen Spielbericht können Sie unter http://www.thueringer-hc.de/magazin/artikel.php?artikel=6470&type=2&menuid=58&topmenu=19 nachlesen.

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