Pokal-Final4-Talk mit Kerstin Mühlner: „Favoritenrolle ist absoluter Glücksfall.“

18.04.2014 – Pokal-Final4 – SPORT4Final:

Pokal-Final4 2014 in Leipzig: Talk mit Kerstin Mühlner, Vizepräsidentin Nachwuchs des HC Leipzig und ehemalige, äußerst erfolgreiche deutsche Nationalspielerin mit 210 Länderspielen. Sie gewann Bronze bei der Handball-Weltmeisterschaft 1990 und Silber bei der Europameisterschaft 1994 in Deutschland. Im Verein des SC Leipzig (Vorgänger des HC Leipzig) konnte Kerstin Mühlner 1986 und 1992 den EHF-Cup erringen.

Pokal-Final4-Talk mit Maura Visser „Wir müssen es einfach genießen.“

Pokal-Final4: Kerstin Mühlner, Vizepräsidentin Nachwuchs des HC Leipzig - Foto: Sebastian Brauner, Sportsnine
Pokal-Final4-Talk mit Kerstin Mühlner, Vizepräsidentin Nachwuchs des HC Leipzig – Foto: Sebastian Brauner, Sportsnine

Pokal ist Pokal. Wenn man zweimal einen Europapokal gewinnt, was ist das für ein Gefühl?

Kerstin Mühlner: „Es ist ein kompletter Adrenalinstoß pur. Da rast alles raus, was du die ganze Zeit im Zweifel mit dir geschleppt hast. Ob die Leistung reicht, um diesen Bottich da hoch zu stemmen. Und du bist einfach nur am schreien und quieken und hüpfen und andere umarmen. Die Glückshormone rasen durch den Körper, rauf und runter. Es ist einfach nur geil. Es ist das, wofür man es macht. Den zweiten Cup-Sieg habe ich dann auch bewusst genossen. Das macht die Momente aus. Die kann man ganz lange in sich speichern und mitnehmen. Denn du brauchst ja im Trainingsalltag auch immer die nötige Motivation. Denn rase los und mache, dass du das Ding wieder haben kannst.“

Für den HC Leipzig war es ja bislang eine turbulente Saison mit vielen „Auf-und-Abs“. Ist der HC Leipzig beim Pokal-Final4 wirklich Favorit und wäre dies nicht eine sehr hohe Bürde?

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Kerstin Mühlner: „Also, in dem Fall fände ich es schlau, wenn man sich dieser Favoritenrolle annimmt. Denn sie ist da, das sagen auch die anderen. Auch aus dem, was man ja noch in der Meisterschaft hinbekommen hat. Schlau wäre es auch diese Rolle anzunehmen, weil man daraus auch Kraft und Selbstbewusstsein schöpfen kann. Ich würde das eher als absoluten Glücksfall bezeichnen, weil man das Pokal-Final4-Turnier zu Hause hat und das ist für mich persönlich ein riesen Vorteil und den würde ich auch meinen Mitspielerinnen so antragen. Die Mannschaften, die drin sind, kann man alle schlagen und haben wir ja auch schon geschlagen. Da musst du einfach so drauf losgehen und sagen, ich will den Pokal haben und ich will ihn haben.“

Spielt da die verkorkste Europapokalsaison noch eine Rolle?

Kerstin Mühlner: „Nein, das ist durch und weg. Es gab ja auch vieles, was nicht so besonders gut lief. Aber das musst du jetzt einfach wegschalten. Denn du hast jetzt das Ding hier vor der Nase. Und es wäre auch so cool, wenn man da mal wieder ein Zeichen setzen könnte. Einen Titel, ein solch emotionales Ding zu holen, wäre seit 2010 wichtig.“

Was die Erfolge der Nationalmannschaft und die Entwicklung in den letzten zwei Jahren angeht, gehen die Frauen ja den Männern voran. Kann dieser Pokal-Event einen weiteren Aufschwung für den Frauen-Handball bedeuten?

Kerstin Mühlner: „Genau, unbedingt. Es ist ja jetzt auch ein cooler Zeitpunkt dafür, weil sich auch im DHB viel positiv verändert hat. Und jetzt müssen wir einfach die Beine in die Hand nehmen und dass man sich diese Aufmerksamkeit durch dieses Event, dem Zuspruch und der medialen Aufmerksamkeit, natürlich auch mit einer Leistung für den HC Leistung, erkämpft. In der Nationalmannschaft stehen wir im Moment besser da als die Männer. Lasst uns das doch ein bisschen mehr gemeinsam auf Augenhöhe machen. Denn es geht ja um unsere Sportart, und da gehören die Frauen traditionell dazu. Wir müssen die Zeit jetzt extrem nutzen, um auf uns aufmerksam zu machen, weil wir ja 2017 mit der Heim-WM das Ding haben. Und da muss eine Truppe stehen, die richtig angreifen kann und ins Finale muss.“

Ich denke, es geht aber auch nur, wenn die Topmannschaften auf Vereinsebene weiter vorankommen. Da reicht nur der nationale Pokalsieg nicht, wenn man wieder international auf sich aufmerksam machen möchte.

Kerstin Mühlner: „Richtig, da haben wir eben 2009 letztmalig, es ist ein bisschen lange her, im Finale gestanden. Es ist mir piep egal, ob es ein Cup der Pokalsieger oder der EHF-Cup wäre. Wenn du so einen internationalen Titel hast, dann hast du den. Und er macht sich wieder gut.“

Vielen Dank für das interessante Gespräch und viel Erfolg beim Pokal-Final4.

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