SPORT4FINAL

Jakob Vestergaard: „Medaille in Dänemark wäre großes Ziel – wir brauchen noch Zeit“

Handball-WM 2015 in Dänemark:

Jakob Vestergaard: „Wir sind in einer guten Entwicklung. Wir haben super Spielerinnen und ein großes Potential.“

Bundestrainer Jakob Vestergaard im SPORT4Final-Interview mit Redakteur Frank Zepp. 

Jakob Vestergaard (Dänemark) - Handball-Bundestrainer der Frauen - Foto: DHB/Sascha Klahn
Jakob Vestergaard (Dänemark) – Handball-Bundestrainer der Frauen – Foto: DHB/Sascha Klahn

 

Die Vorfreude auf die Handball-WM in seinem Heimatland und auf die weitere, hoffnungsvolle Arbeit mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Frauen waren Jakob Vestergaard anzumerken. Dies gilt im übertragenen, medialen Sinn auch für Frank Zepp, der ausführlich von den Spielen der deutschen Handball-Nationalmannschaft aus Kolding und dem Final-Wochenende in Herning (mit deutscher Beteiligung, wenn die Frauen das Halbfinale bzw. die Platzierungsspiele um die Plätze fünf bis acht erreichen sollten) berichten wird.

 

Frank Zepp im Palau St. Jordi in Barcelona

EHF EURO 2016 der Männer im Januar 2016 aus Polen:

Frank Zepp berichtet ausführlich von den Spielen der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Männer aus Wroclaw und den Finalspielen in Kraków.

 

 

 

02.11.2015 – SPORT4Final / Frank Zepp: 

Mit dem guten Start in die EM-Qualifikation nach zwei Siegen gegen die Schweiz und Island können Sie gut leben?

Jakob Vestergaard: „Ich bin zufrieden. Die Siege waren für die neue Mannschaft sehr wichtig. Alle Spielerinnen machen einen guten Job.“ 

Es liegt noch viel Arbeit vor der Mannschaft und dem Bundestrainer?

Jakob Vestergaard: „Ja natürlich. Aber mit einer jungen Mannschaft brauchst du Zeit. Wir haben zu viele Fehler gemacht. Unsere Würfe waren nicht gut genug. Das müssen wir verbessern.“ 

Wo liegen die Schwerpunkte in den nächsten Wochen?

Jakob Vestergaard: „Am Anfang dachte ich, unsere Abwehr ist nicht gut genug. Wir haben so viel trainiert. Gegen die Schweiz und Island war unsere Abwehr super. Wir wissen, dass wir mit Clara und Katja zwei Weltklassetorfrauen haben. Mit unserem Angriff haben wir nicht so viel trainiert. Und das brauchen wir für die Zukunft. Gegen offensive Abwehrreihen brauchen wir mehr Struktur.“ 

Zwei Abwehrsysteme sind im Welthandball erforderlich?

Jakob Vestergaard: „Natürlich. Das möchten wir gern haben und vielleicht auch gern mehr.“ 

Gehen Sie den Weg mit der neuformierten Mannschaft konsequent weiter?

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Jakob Vestergaard: „Ich möchte dieser Mannschaft weitere Chancen nach den zwei Siegen geben. Never change a winning team, so ist es auch im Frauenhandball. Für die Zukunft ist das sehr wichtig.“ 

Es gibt ja neben Clara Woltering und Katja Kramarczyk mit Susann Müller eine weitere Weltklassespielerin.

Jakob Vestergaard: „Ja klar. Und in der Zukunft haben wir auch andere Spielerinnen auf Weltklasseniveau. Zum Beispiel ist Kim Naidzinavicius für die Zukunft eine Weltklassespielerin. Auch Shenia Minevskaja und Xenia Smits. Wir haben auch gute Spielerinnen auf den Außenpositionen. Franziska Müller und Alexandra Mazzucco sind super Spielerinnen.“ 

Spielt für Sie in der Nationalmannschaft das Thema Blockbildung eine Rolle?

Jakob Vestergaard: „Ja und nein. Ich möchte gern, dass die besten Spielerinnen in unserer Nationalmannschaft spielen. Spielen Sie in Leipzig, ist es super, aber es ist auch super, wenn sie in Oldenburg, Metzingen, Buxtehude oder Thüringen spielen. Aber natürlich ist es einfacher für ‚Hubi‘ und ‚Schmu‘, in der Nationalmannschaft zusammen zu spielen, wenn sie jeden Tag in Leipzig trainieren.“ 

Kristallisiert sich schon eine Stammformation heraus?

Jakob Vestergaard: „Nein, noch nicht. Ich möchte mit den besten Spielerinnen spielen und diese nominieren. Auch junge Spielerinnen mit einer super Entwicklung müssen in der Nationalmannschaft eine Chance bekommen.“ 

Wie wichtig ist für Sie das Tempospiel im Positionsangriff?

Jakob Vestergaard: „Natürlich sehr wichtig. Ich komme aus Dänemark und jeder weiß, dass wir gerne ein bisschen schneller spielen. Wir möchten auch die Konter ein bisschen besser machen. Beides ist sehr wichtig.“ 

Bei der letzten Europameisterschaft agierte Ihr dänische Kollege Jan Pytlick auch bei Gleichzahl öfter mit der siebenten Feldspielerin. Planen Sie dies auch?

Jakob Vestergaard: „Nein, bei Gleichzahl nicht. Aber bei 5 gegen 6 und einer offensiven Abwehr ist es eine Möglichkeit für unser Spiel.“ 

Haben Sie schon konkrete Ziele für die Weltmeisterschaft im Dezember heraus gegeben?

Jakob Vestergaard: „Ja, aber im Moment ist es noch nicht öffentlich. Aber natürlich möchten wir gern unsere Olympia-Qualifikation schaffen.“ 

Dafür muss man ins Viertelfinale kommen, um ganz sicher zu sein.

Jakob Vestergaard: „Ja, das glaube ich auch. Aber es wäre vielleicht auch möglich, wenn Brasilien wieder Weltmeister oder auch Norwegen (als Europameister 2014 für Rio qualifiziert – d. R.) Titelträger werden sollten, dann gibt es auch mit Platz neun eine Möglichkeit.“ 

Vor der Weltmeisterschaft haben Sie nur noch drei Vorbereitungsspiele. Ist das nicht zu wenig für die Vorbereitung?

Jakob Vestergaard: „Wir haben noch eine Woche zum Trainieren. Das ist auch wichtig. In den drei Spielen können wir dann gegen starke Gegner unsere Abwehr und unseren Angriff probieren. Wir müssen auch bei der Weltmeisterschaft unsere Mannschaft weiter entwickeln. Ich hoffe auf eine gute Entwicklung in Dänemark. Wir möchten gern, dass unsere besten Spielerinnen gegen die Besten in der Welt spielen.“ 

Da wären die Teilnahmen an den nächsten großen Titelkämpfen sowie bei Olympia für die Weiterentwicklung der Nationalmannschaft in Richtung Heim-Weltmeisterschaft 2017 äußerst wertvoll?

Jakob Vestergaard: „Ja natürlich. Wir brauchen jedes Spiel in Dänemark, in Rio, in Schweden, das wir bekommen können. Und dann, wenn alles klappt, sind wir auch bereit, in Deutschland um eine Medaille zu kämpfen.“ 

Die WM-Medaille in Deutschland 2017 ist für die Mannschaft und für Sie persönlich das große Ziel?

Jakob Vestergaard: „Ja natürlich. Das möchte jede Spielerin, jeder Trainer und der Deutsche Handball-Bund sowie auch jeder Journalist. Wir brauchen das. Das möchten wir sehr gern machen.“ 

Grit Jurack und Susann Müller sowie Anna Loerper werden sich noch an die letzte WM-Bronzemedaille 2007 erinnern.

Jakob Vestergaard: „Zehn Jahr später, das wäre o.k., glaube ich.“ 

Aber es wäre doch auch für Sie als deutscher Bundestrainer in Ihrem Heimatland ganz o.k., wenn Sie mit Deutschland schon in diesem Jahr eine Medaille gewinnen würden?

Jakob Vestergaard: „Ich möchte immer gern eine Medaille gewinnen. Es ist egal wo, aber es wäre ein sehr großes Ziel.“ 

Das Halbfinale in Herning, in Ihrem Heimatland, wäre ein toller Erfolg und etwas ganz Besonderes für Sie?

Jakob Vestergaard: „Ja, aber ich denke, wir brauchen ein bisschen mehr Zeit. Wir sind in einer guten Entwicklung. Wir haben super Spielerinnen und ein großes Potential.“ 

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Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in der Vorbereitung sowie bei der Handball-WM in Dänemark.

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