Bob Hanning:“Bei den Frauen strukturell professioneller”

03.02.2014 – SPORT4Final:

Der DHB-Vizepräsident für Leistungssport, Bob Hanning, stand SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp beim All-Star-Game 2014 in Leipzig zu einem Interview zur Verfügung. Zu den Themen gehörten die Handball-EM in Dänemark, die WM-Play-off-Spiele gegen Polen und die Zukunft des Männer-Handballs sowie der Frauen-Handball in Deutschland.

Bob Hanning - Foto: DHB/Sascha Klahn
Bob Hanning – Foto: DHB/Sascha Klahn

Herr Hanning, vielen Dank für Ihre Zeit zu diesem kurzen Interview. Sie waren mit Martin Heuberger („Wir müssen hart arbeiten, um auch mal einen Superstar zu bekommen.“) zusammen in Dänemark. Welche neuen Erkenntnisse bei den Spielsystemen und der Taktik haben Sie gewonnen?

Bob Hanning: „Es war für mich eine Reise, um die Kooperation mit dem dänischen Handballverband und den anderen Ländern zu führen. Weniger, um mich taktisch aus-  und weiterzubilden. Das ist dann doch Aufgabe der Trainer.“

Aber Sie waren doch nicht nur als Repräsentant in Dänemark, sondern auch als Handball-Fachmann?

Bob Hanning: „Doch das war ich, in der Tat, weil das meine Aufgabe war. Rein inhaltlich muss man sagen, die Dänen haben es versäumt, ein Spiel vorher zu verlieren. Die Franzosen haben es vorher mal gegen Schweden getan. Das hat ihnen ganz gut getan. Gerade was aktives Abwehrverhalten angeht, haben sie eine Demonstration auf die Platte gebracht. Ähnlich wie es die Spanier gegen die Dänen beim WM-Finale gemacht haben durch eine sehr variable taktische Ausrichtung. Man hat gesehen, dass vorne nicht immer nur die Angriffskonzeptionen entscheidend sind sondern auch die individuelle Stärke. Das hat man bei den Franzosen ganz deutlich gesehen, dass ein Narcisse oder Karabatic Spiele ganz allein entscheiden können.“

Haben Sie die polnische Mannschaft auch gesehen?

Bob Hanning: „Ich habe die Polen auch gesehen.“

Wie schätzen Sie unsere Chancen und das Leistungsverhältnis beider Mannschaften ein?

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Bob Hanning: „Da muss man sagen, die Wahrscheinlichkeit ist 50 zu 50. Vorteil für uns ist das zweite Spiel zu Hause zu haben. Der Nachteil ist, dass wir einfach keinen internationalen Wettbewerb haben, wo es um was geht. Nur mit Freundschaftsspielen kommt man da mittelfristig auch nicht weiter.“

Magdeburg ist nun definitiv Spielort für das Rückspiel, oder gibt es noch Terminschwierigkeiten?

Bob Hanning: „Mit dem Termin gibt es keine Probleme. Es geht jetzt um die wirtschaftlichen Abwicklungen und Rahmenbedingungen und wenn die passen, werden wir in Magdeburg spielen, sonst woanders.“

Ich habe in dieser Woche auch schon mit Stefan Kretzschmar hierüber gesprochen. Sind die WM-Playoff-Spiele gegen Polen Schicksalsspiele bzw. eine Zäsur im deutschen Handball?   

Bob Hanning: „Ja, also, es ist schon für den deutschen Handball von elementarer Bedeutung, weil wieder 2015 nicht dabei zu sein und auch die Wahrscheinlichkeit bei der Olympiade nicht dabei zu sein, rein theoretisch geht’s, aber das wäre natürlich schon rein sportfachlich gesehen eine kleine Katastrophe. Auf der anderen Seite muss man die Dinge so nehmen wie sie sind. Aber dann käme es sicherlich zu einer größeren Zäsur, als die ohnehin geplant ist.“

Das Schicksal des Bundestrainers Martin Heuberger hängt laut Ihrem Sport1-Interview nicht nur am Erfolg in den WM-Play-off-Spielen gegen Polen sondern auch an der strategischen Konzeption?

Bob Hanning: „Ja genau, das habe ich gesagt. Ich habe gesagt, dass es um einen ganzheitlichen Ansatz geht. Wenn wir Martin Heuberger nicht vertrauen würden, dann hätten wir in der Tat auch handeln müssen. Wir haben aber versucht, die Rahmenbedingungen für die Nationalmannschaft zu verändern und ihm das Vertrauen ausgesprochen. Und ich bin guter Dinge, dass wir die Aufgaben auch erfüllen werden. Aber dann ist es einfach wichtig, dass ein Gesamtkonzept herkommt, was oben anfängt und unten aufhört. Und wenn das stimmig ist, dann ist das durchaus die Situation, dass es mit Martin Heuberger geht.“

Was mir sehr gefallen hat, Sie waren mit DHB-Präsident Bauer in Serbien bei der Frauen-Weltmeisterschaft und haben auch mit der Mannschaft nach dem verlorenen WM-Viertelfinale gegen Dänemark mit der Mannschaft zusammen gesessen. Was haben Sie konkret an Maßnahmen für den Frauenhandball in den nächsten Jahren vorgesehen, da dieser ja momentan das Zugpferd ist?

Bob Hanning: „Wir haben den Vertrag des Bundestrainers verlängert, weil wir der Überzeugung sind, dass das richtig und gut ist. Und wir haben viele kleine Einschnitte. Wir haben mit der Frauen-Bundesliga geredet und wollen uns jetzt Richtung 2017 auch da noch ein Stück weit anders aufstellen. Aber wir sind da in vielen Strukturen schon professioneller, als wir es im männlichen Bereich sind.“  

Vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute.  

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