HC Leipzig-Manager Kay-Sven Hähner: „Vielleicht bekommen sie am 22. Dezember WM-Medaillen umgehängt, wäre toll.“

29.11.2013 – SPORT4Final:

Die Handball-Bundesliga der Frauen macht eine kurze Atempause und der Jahres-Höhepunkt steht im Dezember vor der Tür: Die Weltmeisterschaft in Serbien. Nicht nur diese Themen sondern auch Fragen zum Etat und der Vermarktung sowie zum Europacup standen auf dem „Pressezettel“. Auch der neue DHB-Vizepräsident Bob Hanning wurde nicht vergessen …

Der Manager des HC Leipzig, Kay-Sven Hähner, stand SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp zu einem ausführlichen Interview zur Verfügung.

Kay-Sven Hähner:

„Der THC hat dieses Jahr die Chance, ins Champions League Final Four zu kommen.“

„Mit voller Mannschaft sind wir konkurrenzfähig, nicht nur national auch international.“

Kay-Sven Hähner (Manager HC Leipzig) - Foto: Sebastian Brauner
Kay-Sven Hähner (Manager HC Leipzig)
Foto: Sebastian Brauner

Herr Hähner, Ihr Saison-Zwischenfazit bitte?

„Das schwankt zwischen großer Zufriedenheit und Frustration. Wir haben einen tollen Saisonstart mit Rekord von elf Siegen in Folge hingelegt. Bis dann das Verletzungsthema losging. Bis zum Metz-Auswärtsspiel gab es nichts zu bemängeln. Danach kamen die Verletzungen, die wir mit so einer Vehemenz und in der Kürze der Zeit noch nie verkraften mussten. Vor allem auch auf neuralgischen Positionen. Deswegen ist es natürlich sehr, sehr bitter, dass wir schon in der Champions League die Segel streichen mussten. Denn das Potential der Mannschaft ist sehr groß. Aber diese Ausfälle in der Gesamtheit kann keine Mannschaft der Welt kompensieren. National haben wir Schadensbegrenzung betrieben, indem wir unsere Juniorenspielerinnen einsetzen durften. Sie haben das sehr gut gemacht und die Punkte gesichert, die wir brauchten. Da ist noch nicht viel passiert. Nur international hat es geschmerzt. Sonst ist es o.k.“

Sind Sie mit Ihren Neuzugängen zufrieden?

„Ja, grundsätzlich schon. Sie haben teilweise ihr Potential angedeutet. Aber auch da ist noch nicht alles, wie es sein soll. Karolina Szwed Ørneborg hat gezeigt, dass sie in Abwehr und Angriff eine sehr wertvolle Stütze sein kann. Sie muss natürlich auch Tribut der Verletzungssituation zollen, weil viel gespielt wurde. Genauso ist es bei Susann Müller, die tolle Spiele und genauso auch nicht so tolle Spiele gemacht hat. Aber das ist ganz normal. Mit Melanie Herrmann ist das o.k. Darüber hinaus auch die jungen Spielerinnen, die ihre Sache insgesamt ganz gut gemacht haben. Man kann nicht sagen, dass man bisher mit jemanden unzufrieden ist.“  

Planen Sie für die nächste Saison personelle Veränderungen?

„Mit Sicherheit. Das bleibt nie aus. Eine Mannschaft eins zu eins in die neue Saison zu übernehmen, das wird es nicht geben. Es wird mit Sicherheit personelle Ergänzungen geben.“

Gibt es schon positionelle Vorstellungen?

„Gibt es, aber die werde ich nicht äußern.“

Ihre Mannschaft ist ja bereits in dieser Saison sehr gut besetzt. Eigentlich gibt es keine Gründe mehr, warum Sie keine Titel mehr holen können?

„Wenn die Mannschaft vollständig da ist, dann gibt es keine Gründe, warum wir dies nicht schaffen können, in der Tat. Dann kann es nur sein, dass der eine oder andere an diesem Tag einfach besser war. Aber grundsätzlich ist die theoretische Möglichkeit mit dieser Mannschaftsqualität definitiv da. Aber dazu brauchen wir auch alle Spieler.“

Momentan deutet sich ja in der Bundesliga, vielleicht auch in den nächsten Jahren, ein Zweikampf mit dem Thüringer HC an. Wäre dies förderlich für die Liga insgesamt?

„Das gab es ja schon oft. Ob wir es mit Lützellinden oder Walle Bremen waren, also es gab oft Zweikämpfe. Trotzdem denke ich, dass es nicht nur auf die zwei Mannschaften zu reduzieren ist. Man hat ja auch gesehen, dass der THC unentschieden in Buxtehude gespielt hat. Buxtehude in voller Besetzung, Oldenburg, Leverkusen – wenn die ihre Mannschaften zusammen haben, sind sie schon sehr ernst zu nehmende Gegner. Und man sollte dies nicht nur auf die beiden Mannschaften reduzieren. Das fände ich einen Fehler.“

Wie kann man die Frauen-Bundesliga noch besser medial vermarkten?

„Es geht immer alles schneller im Zeitalter des Internets. Auch mit dem Magazin, was wir produzieren, und mit dem Thema splink.tv, der Plattform des DOSB, wo die Livestreams angeboten werden. Das ist schon mehr und mehr geworden. Unsere Spiele kann man komplett sehen, auch Buxtehude. Da passiert schon etwas und ich denke, dieses Thema wird noch intensiver in der Zukunft, weil die Grenzen zwischen Internet und Fernsehen verschwimmen. Es ist nur eine Frage der Einbindung. Von daher ist diese Schiene Internet schon sehr gut, weil man sich bei dem Thema Fernsehen nichts vor zu machen braucht. Das ist durch den Fußball so überfrachtet in unserem Land. Da kann keiner links und rechts atmen. Also musst du andere Wege suchen und ich denke, diese Wege mit dem Internet sind sehr gut. Das sehen viele, denn die Männer-Bundesliga hat das nicht.“

Wir hatten bereits mit Nadine Krause eine Welthandballerin und natürlich viele weitere sehr gute Spielerinnen. Fehlt unserem Frauen-Handball nicht eine Gallionsfigur wie Stefan Kretzschmar bei den Männern?

„Deswegen spielt die Nationalmannschaft auch nicht besser. Zum Schluss steht und fällt es mit dem Erfolg der Nationalmannschaft. Deswegen ist es auch gut so, dass wir für die Nationalmannschaft den Spielplan verändert haben im Hinblick auf Olympia 2016 und die WM 2017 in Deutschland. Ab nächstem Jahr mit 14 Mannschaften mit Hin- und Rückspiel. Das haben wir für die Nationalmannschaft getan. Dem Innenministerium interessiert nicht bei den Zuschüssen, war das nun ein männlicher oder weiblicher Erfolg. Es geht um Erfolg oder Misserfolg. Die Wahrnehmung des Ganzen steht und fällt mit dem Erfolg der Nationalmannschaft. Wenn die gut sind, kommen mehr Leute und wenn die schlecht sind, kommt keiner weniger, aber du kommst nicht nach vorn. Das ist so die Richtung.“   

 

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Die Männer haben ja seit vielen Jahren in Hamburg mit dem Pokal-Final-Four ein super Event installiert. Kann man dies nicht z.B. in der Handball-Hochburg Leipzig bei den Frauen fest planen, um die Vermarktung weiter voran zu treiben?

„Das haben wir schon beschlossen. Wir haben ja den Modus verändert, dass sich die vier Halbfinalisten um die Ausrichtung bewerben können. Das war ein demokratischer Prozess. Wegen der Gerechtigkeit in der Liga wurde dies so beschlossen. Es muss die Garantie geben, dass das Heimteam dabei ist. Wenn wir im Halbfinale sind, werden wir uns natürlich darum bewerben. Es macht aber keinen Sinn, das muss man ganz klar sagen, in Leipzig ein Pokalfinale stattfinden zu lassen, und Leipzig ist nicht dabei. Bei den Männern ist es so, dass durch die Nähe zu Kiel und Flensburg und auf Grund der Dominanz der Clubs dort oben aus dem Norden, wird einer von denen immer beim Final Four dabei sein. Noch sind wir aber nicht im Halbfinale, wir spielen im Viertelfinale in Göppingen, eines der schwersten Lose. Zwei potentielle Ausrichter für das Final Four treffen praktisch Ende Januar 2014 aufeinander.“

Eine große regionale Tageszeitung mutmaßte vor ein, zwei Monaten, dass der HC Leipzig von RB Leipzig eine „Finanzspritze“ bekommen haben sollte?

„Das werde ich jetzt sicherlich nicht thematisieren. Es ging nicht um Liquiditätsprobleme. Da ging es darum, dass RB uns Geld gegeben haben soll und Sponsor bei uns sein soll. Um etwas anderes ging es nicht. Aber dazu werde ich nichts sagen.“

Steht der Etat für die nächste Saison schon? Können Sie ihn wie in diesem Jahr mit 1,5 Millionen EUR wieder erreichen?

„Das ist ja jedes Jahr unser Ziel. Wir sind aber noch in der laufenden Saison und wir fangen erst mit der Grobplanung für das neue Jahr an. Wir arbeiten natürlich an vielen Themen, aber die neue Saison ist noch weit weg.“

Ist eine Etaterhöhung möglich?

„In der heutigen Zeit ist eine Bestandssicherung ein Erfolg.“

Hat Herr Hanning schon etwas Konkretes für den Frauen-Handball in die Wege geleitet?

„Wir sind sehr, sehr gut und intensiv im Gespräch, so würde ich das mal sagen. Es ist auf jeden Fall eine andere Qualität, als es früher war. Muss man ganz klar sagen.“

Aber es gibt noch keine Beschlüsse?

„Doch, aber das werden wir jetzt hier nicht thematisieren.“

Sie sprachen vorhin Lützellinden an und bringen mich auf weitere Fragen. Lützellinden gewann 1996 für Deutschland den letzten Europapokal. Wann sehen wir denn den nächsten Erfolg?

„Keine Ahnung. Aber ich kann mir vorstellen, dass da Leipzig und der THC in der Verlosung sind. Um die Champions League zu gewinnen, da fehlen ein paar Millionen bei den deutschen Clubs. Das ist ganz, ganz schwer. Der THC hat dieses Jahr die Chance, ins Champions League Final Four zu kommen. Davon bin ich überzeugt, wenn ich die Gruppe sehe. Die Möglichkeit ist da, da drücken wir auch ganz fest die Daumen. Und im Final Four ist es dann Tagesform abhängig. Man sollte nie nie sagen. Ich denke, es ist nicht unmöglich. Wir waren vor vier Jahren im Finale knapp dran. Es hat leider nicht ganz gereicht. Aber so etwas ist nicht planbar. Man kann auch keine Garantien abgeben. Ich kann die Frage also nicht beantworten, wenn man so will.“

Den letzten deutschen Medaillenerfolg bei einer Handball-Weltmeisterschaft haben sie so wie ich auch 2007 in Paris gesehen. Wann sehen wir die nächste WM-Medaille einer deutschen Nationalmannschaft?

„Vielleicht bekommen sie am 22. Dezember WM-Medaillen umgehängt, wäre toll. Ich sage mal, in diesem Jahr haben zehn Mannschaften mindestens die Möglichkeit, Medaillen zu holen. Es ist relativ ausgeglichen. Es gibt jetzt nicht die „Überfliegermannschaft“ wie in den vergangenen Jahren. Wo man sagte, das machen sowieso die Norweger, die es dann nicht mal geworden sind. Oder auch Russland, die diesmal nicht dabei sind. Norwegen, Dänemark, Frankreich, Montenegro, Serbien im eigenen Land, Deutschland, Spanien, Brasilien, Südkorea – es gibt einige Teams, die in diesem Jahr etwas reißen können. Also, es wird eine ganz spannende Weltmeisterschaft. Ich denke, es ist ausgeglichen wie selten zuvor. Ich würde es mir wünschen. Es wäre eine tolle Geschichte. Die deutsche Mannschaft ist gut, toll aufgestellt. Im Endeffekt muss man schauen, ob es in der Breite reicht. Ich traue der Mannschaft schon eine Menge zu. Sie hat auf jeden Fall das Potential, um die Medaillen mitzuspielen.“

Der HC Leipzig gewinnt in dieser Saison den Meistertitel und / oder den Pokal, den kann man ja in drei siegreichen Spielen jetzt gewinnen?

„Das würde ich so nehmen, das klingt gut. Wäre schön, mal gucken. Wird sicherlich nicht mit Finger schnippen gehen, aber was geht schon so. Mit voller Mannschaft sind wir konkurrenzfähig, nicht nur national auch international. International können wir es leider dieses Jahr nicht mehr nachweisen.“

Ich wünsche Ihnen für diese Saison und die nächsten Jahre ein gutes Händchen und viel Erfolg. Danke für das ausführliche Interview.

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