Im Olympia-Schatten: Thüringer HC und HC Leipzig in der crunch time

17.02.2014 – SPORT4Final:

Handball-Bundesliga: Das Topspiel – Thüringer HC vs. HC Leipzig

Prolog:

Es ist alles angerichtet für das Topspiel in der Handball-Bundesliga der Frauen am Mittwoch (19. Februar) in Bad Langensalza: Titelverteidiger Thüringer HC empfängt den Tabellenzweiten HC Leipzig. Die Ausgangslage ist völlig unmissverständlich: Der Thüringer hat derzeit vier Punkte und in der Tordifferenz 91 Tore Vorsprung – dies entspricht einem Zusatzpunkt. Ein Blick auf die Tabelle verrät, dass praktisch nur noch diese beiden Topmannschaften deutscher Meister in dieser Saison werden können. Beide Teams stehen sich incl. der beiden Hauptrundenspiele noch dreimal gegenüber, heißt sechs Punkte werden in den direkten Duellen vergeben. Insofern kann die Begegnung am Mittwoch vorentscheidenden Meisterschaftscharakter haben. Es ist eben im Schatten der umfangreichen und hohe Einschaltquoten bringenden Olympiaberichterstattung ein Handball-Topspiel in der crunch time!

Am letzten Spieltag der Saison 2013-14 trifft der HC Leipzig in der ARENA auf den Thüringer HC - Foto: Sebastian Brauner, Sportsnine
Am letzten Spieltag der Saison 2013-14 trifft der HC Leipzig in der ARENA auf den Thüringer HC – Foto: Sebastian Brauner, Sportsnine

Statistik:

Von den letzten zehn Spielen gewann der Thüringer HC acht und der HC Leipzig zwei Partien. Die entscheidenden Spiele in der vergangenen Saison, beide Finalspiele in der Meisterschaft und das DHB-Final-Four-Finale, gewannen die Frauen aus Thüringen. Auch das Hinspiel in der diesjährigen Vorrunde gestaltete der Thüringer HC in Leipzig mit 28:24 Toren siegreich.  

Team-Gedanken:

Im Lager des HC Leipzig ist nach Meinung der Verantwortlichen, Manager Kay-Sven Hähner und Trainer Wieland Schmidt, unabhängig vom Ausgang des Mittwochspiels in der Meisterschaft noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Denn die Spiele in der Hauptrunde, jeweils im Hin- und Rückspiel zwischen den besten sechs Mannschaften nach der Vorrunde, werden spannend und können auch noch Punktverluste für die beiden „Branchenführer“ bringen. Es sei eben ein „Derby“ (Manager Hähner) und die Mannschaft ist „hoch motiviert“ sowie die „Stimmung sehr gut“ (Trainer Schmidt). Man habe auch im Abwehr- und Angriffsbereich (bei offensiver Deckungsvariante gegen Susann Müller) einige neue taktische Dinge (Schmidt) in den letzten beiden Wochen seit der Niederlage in Oldenburg trainiert. Auch sei die Oldenburg-Partie aufgearbeitet und psychisch nicht mehr in den Köpfen der Spielerinnen, so Wieland Schmidt. Die beim Pressegespräch anwesende Katja Schülke, sie verlängerte erst in der letzten Woche den Vertrag mit dem HC Leipzig bis 2017, gab Hinweise zum Erfolgsrezept „ihres“ HC Leipzig: „Zeigen, dass wir gewinnen wollen, mit Selbstbewusstsein spielen und mit einer stärkeren Abwehr, die die nötige Aggressivität ausstrahlt.“ Nach derzeitigem Stand könne Katja Schülke Anfang April wieder ins Training einsteigen. Aber der „Körper und der Kopf entscheiden, wann ich wieder im Tor stehe“. Die gut zwei Wochen währende Punktspielpause wurde, neben dem Training, mit einer Partie gegen eine A-Jugend-Mannschaft überbrückt. Gegen den Thüringer HC nun wieder in den höchsten Gang zu schalten, scheint nicht ganz unproblematisch zu sein. Aber es ist „Derbyzeit“, dies allein motiviert schon die Handballerinnen und Fan-Lager beider Teams zu Höchstleistungen.

Der Thüringer HC schwebt trotz der Pokal-Viertelfinal-Niederlage gegen Bayer Leverkusen in Bad Langensalza national wie international auf „Wolke Sieben“. Mit dem erstmaligen Erreichen der Hauptrunde in der Champions League und nach zwei, spielerisch wie kämpferisch, überzeugenden Heimsiegen gegen den dänischen (Midtjylland) und schwedischen Meister (Sävehof) sowie mit Chancen auf das europäische Final Four in Budapest schaffte der Thüringer HC international den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. National liegt der Titelverteidiger wieder auf Meisterschaftskurs und könnte am Mittwoch bei einem Sieg gegen den deutschen Rekordmeister aus Leipzig die Vorentscheidung Richtung Titelverteidigung herbeiführen. Die beiden Kreuzbandverletzungen von Lydia Jakubisova  und Kerstin Wohlbold werden durch die „neue“ Spielmacherin Iveta Luzumova hervorragend und Alexandrina Barbosa größtenteils kompensiert. Werden die Leistungsreserven auf der „Königsposition“ durch Nadja Nadgornaja und Franziska Mietzner abgerufen, dürfte der Thüringer HC in der Meisterschaft kaum noch abzufangen sein. Die Vorteile im Tempospiel und der zweiten Welle scheinen eher für den amtierenden Meister als für Leipzig zu sprechen. Auch die sehr intensive Wettkampfpraxis in der Champions League der letzten drei Wochen sollte kein Nachteil sein.

Epilog:

Heim- und Spielvorteil Thüringer HC, oder „Außenseiter“-Chance für den Herausforderer HC Leipzig? Salopp anders formuliert: Hat man eigentlich in der Theorie kaum Chancen, sollte man diese beim Schopfe packen und gewinnen! Aber gut, die Spiele werden nicht in der vergangenheitsorientierten Analyse und Betrachtung sondern im künftigen, praktischen „Spiel auf der Platte“ entschieden. Lassen wir uns überraschen und emotional einfangen vom Topspiel beider Mannschaften aus Mitteldeutschland. Es ist crunch time – leider im Schatten von Olympia. 

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