Maike März – eine Weltklassetorhüterin vor dem „sportlichen“ Ruhestand

09.05.2014 – SPORT4Final:

Die Autoren des folgenden Interviews, Bernd Hohnstein und Roman Knabe, werden es mir hoffentlich verzeihen, dass auch SPORT4Final ein paar Worte über Maike März „verliert“. Ich habe Maike März ja auch einige Male live in Thüringen und Leipzig erleben dürfen.

Das Bemerkenswerteste für mich: Sie ist eine Torhüterin für die besonderen, spielentscheidenden Momente. Ihre Klasse zeigt sich in wahnsinnig guter Konzentrationsfähigkeit „auf den Punkt“ und beim Entschärfen schwieriger, freier Bälle des Gegners. Wurde sie eingewechselt, konnte sie manchem Match, die Leipziger Frauen konnten in den vergangenen Jahren „ein Lied davon singen“, die erfolgreiche Wende geben. Auf konstant gutem bis herausragendem Niveau. Mit Maike März geht eine Weltklassetorhüterin in den „sportlichen“ Ruhestand. Viel Glück und Erfolg weiterhin.

09.05.2014 – PM THC / Hohnstein + Knabe

Erfolge und einzigartige Momente

Maike März hat sich entschieden – nach fünf Jahren im Trikot des Thüringer HC wird sie in der kommenden Saison ihren Platz im THC-Gehäuse anderen überlassen. Die 30-Jährige ist beim Thüringer HC zum absoluten Publikumsliebling und zu einer wichtigen Leistungsträgerin geworden. Nach 16 Jahren Leistungssport hat sie sich entschlossen, andere, neue Schwerpunkte für ihr persönliches Leben zu setzen. Maike betreibt ihren Sport professionell, obwohl sie im Unternehmen Heyl GmbH & Co. KG als studierte Lebensmitteltechnikerin einen vollen Arbeitstag absolviert, ehe sie sich danach im Training für sportliche Höchstleistungen quält.

Maike März (Thüringer HC) - Foto: Thüringer HC
Maike März (Thüringer HC) – Foto: Thüringer HC

Wie sie das fünf Jahre lang voller Freude gemacht hat und welche Pläne sie für die Zukunft schmiedet, wollten Bernd Hohnstein und Roman Knabe bei einem gemeinsamen Grillabend von der Ausnahmeathletin in Erfahrung bringen.

Du wirst am 31. Mai in der ARENA Leipzig zum letzten Mal das THC-Tor hüten …

„Ich habe schon immer gesagt, wenn ich mal mit dem Handball aufhöre, dann möchte ich ein gutes Gefühl dabei haben. Ich beende meine Laufbahn in dem Verein, mit dem ich meine größten sportlichen Erfolge erreicht und viele schöne und einzigartige Momente erlebt habe. In dieser Saison habe ich zudem die Ehre gehabt, zum Ende meiner Karriere noch einmal zwei Länderspiele für Deutschland bestreiten zu dürfen. Das war sicherlich noch einmal ein ganz besonderer Höhepunkt. Jetzt freue ich mich auf einen völlig neuen Lebensabschnitt, in dem der Sport auf keinen Fall zu kurz kommen wird. Allerdings wird der Ball nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Gemeinsam mit meinem Freund Sebastian werde ich sicherlich den ein oder anderen Berg mit dem Rad erklimmen und im Winter freue ich mich auf das Skifahren.“

Eure Beziehung war ja bisher doch eine Fernbeziehung, wie sehr hat Dein Freund Deine Entscheidung beeinflusst?

„Sebastian ist so oft er kann, bei unseren Spielen dabei. Auch bei Trips nach Dänemark oder nach Rumänien war das so. Er hätte kein Problem damit, wenn ich noch ein oder zwei Jahre drangehängt hätte – er hat mir allein die Entscheidung überlassen.“

Was bleibt von Thüringen in Deiner Erinnerung?

„Als ich 2009 von Trier nach Erfurt wechselte, habe ich mich bewusst für Thüringen entschieden. Die Menschen, das komplette Umfeld des THC und mein Arbeitgeber, Herr Heyl, haben mich von Anfang an super gut aufgenommen. Erfurt war die letzten Jahre meine zweite Heimat. Hier habe ich auch meinen Freund Sebastian kennengelernt.“

Du bist für die Fans ein „Stück THC“ – wie sehr werden sie Dir fehlen?

„Die THC-Fans sind eine Klasse für sich. Sie leben für den Handball, fiebern stets mit der Mannschaft und nicht Wenige geben ihr Geld für Tickets und lange Auswärtsfahrten aus, um uns immer zu unterstützen. Aber nicht nur deshalb suche ich jeden Gesprächskontakt – die Fans sind mir wichtig. 400 von ihnen wollen uns beim letzten Spiel in Leipzig unterstützen. Das ist einfach grandios.“

Du wolltest eigentlich Lehrerin werden?

„Das Interesse für Naturwissenschaften war immer vorhanden. Mein Studienwunsch Lehramt für Sport, Biologie und Mathematik ließ sich in Trier nicht realisieren – ein ständiges Pendeln zwischen Trier und Saarbrücken schien mir letztlich keine gute Lösung zu sein. So entschied ich mich in Trier für den Studiengang Lebensmitteltechnik. Diese Wahl habe ich nicht bereut, auch wenn ich in meiner jetzigen Tätigkeit im Qualitätsmanagement nicht immer und von allen gern gesehen bin.“

Allein im Februar/März gab es 13 Spiele in englischen Wochen. Wie schafft man das als „Werktätige“?

„Ich bin meinem Arbeitgeber, der Heyl Mühlen GmbH& Co. KG, sehr dankbar, dass mein Arbeitsvertrag gut an die sportlichen Belastungen angepasst wurde. So arbeite ich Dienstag, Donnerstag und Freitag in einer Normalschicht – Montag und Mittwoch habe ich frei. Im angesprochenen Zeitraum kam es allerdings nicht selten vor, dass wir in der Nacht zum Donnerstag gegen 4 Uhr vom Spiel zurück waren und der nächste Arbeitstag begann trotzdem um 7 Uhr.“

Maike März (Thüringer HC) und Bernd Hohnstein - Foto: Thüringer HC
Maike März (Thüringer HC) und Bernd Hohnstein – Foto: Thüringer HC

Nun tauschst Du Torwarttraining gegen Babynahrung?

„Na ja, das klingt wohl irreführend. 😉 Aber es hat sich so ergeben, dass nach dem letzten Spiel keine Langeweile aufkommen wird. Als ich meine Entscheidung getroffen hatte, habe ich mich unter anderem beim Unternehmen HIPP beworben. Das Gespräch verlief für mich sehr gut und ich werde ab Juni eine neue berufliche Herausforderung annehmen. Bis dahin muss auch der Umzug unter Dach und Fach sein.“

Aber Babynahrung spielt in Deinen persönlichen Überlegungen noch keine Rolle?

„Mit Sicherheit, auch wenn ich mir schon für die Zukunft eine Familie wünsche. Vorher aber möchte ich es einfach nutzen, in eine selbstbestimmte Phase einzutreten. In den Jahren des Leistungssports lebt man einfach nach Saisonkalender, das nimmt einem oft Entscheidungen ab, engt aber natürlich auch ein. Unsere mittelfristigen Pläne zielen zuerst mal auf ein gemeinsames Zusammenleben und noch so einige Reisen in die Ferne ab.“

Werden wir Dich vielleicht nochmal in der Salza-Halle begrüßen können?

„Ich glaube schon. Da die Familie meines Freundes in Erfurt lebt und auch neben dem Handball einige Freundschaften entstanden sind, werde ich sicherlich das ein oder andere Spiel der Mädels besuchen.“

Nun kommt eine große Chance und auch Verantwortung auf Dinah Eckerle zu …

„Ich denke, an der Seite von Jana (Krause, Anm. Redaktion) kann Dinah sich gut entwickeln. Sie hat es sich verdient, eine Chance zu bekommen und sich in der Jugendbundesliga und mit dem Zweitspielrecht in Bad Wildungen mehr als nur Grundlagen erarbeitet. Als Stammtorhüterin der U20-DHB-Auswahl hat sie sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Das sagt eigentlich genug aus. Ein schöner Zufall ist es schon, dass Dinah wie ich auch, zuerst beim GSV Hemmingen zwischen den Pfosten stand. Ich wünsche ihr auf jeden Fall alles Gute für ihre weitere Zukunft.“

Vor welchen Gegenspielerinnen hattest Du den größten Respekt?

„Ich bereite mich auf die gegnerischen Werferinnen stets recht gründlich vor und finde damit eine gute Basis für die Zweikämpfe. Lustig war allerdings ein spezieller Wettbewerb zwischen Laura Steinbach (jetzt in Budapest), mit ihr und Marielle Bohm habe ich in Metzingen und in Trier ja einige Zeit gemeinsam gespielt. So haben wir schon mal vor Spielen gewettet, wer im direkten Duell den Sieg davon tragen wird.“

Hat Dich schon mal jemand um ein Autogramm von „Maria Riesch“ gebeten?

„Es ist mir schon ein paar Mal passiert, dass man mich am Skihang mit Maria Riesch verwechselt hat. Ich finde es lustig, denn tatsächlich haben wir auch schon gemeinsam im Wettkampf gestanden – bis zum 14. Lebensjahr bin ich Rennen im Alpinen Skisport gefahren und habe mich erst dann entschieden, zum Handball zu wechseln. Vielleicht auch, weil mein Vater damals in Hemmingen Handballtrainer war.“

Wie sportlich ist Deine Familie?

„Meine Familie ist von den Interessen recht unterschiedlich aufgestellt. Während ich mehr in die Fußstapfen meines Vaters trat, lieben meine Mutter und mein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder mehr künstlerische Beschäftigungen.“

Maike März (Thüringer HC) - Foto: Thüringer HC
Maike März (Thüringer HC) – Foto: Thüringer HC

Kochst Du eigentlich gern?

„Na ja – Bernd hier am Grill zu assistieren, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Da er über jede Menge Grill-Erfahrung verfügt, konnte ich mir eine ganze Reihe Tipps und Tricks abschauen. Auch zuhause koche ich gern mal – nur für eine Person fehlt dazu oft der Spaß und einfache Gerichte überwiegen dann. Aber auch das wird sich in Kürze ja ändern.“

Liebe Maike, es hat uns sehr viel Spaß gemacht, mit Dir zu grillen und zu plaudern. Ohne Sentimentalität, Du wirst uns erstmal richtig fehlen. Wir wünschen Dir für den neuen Lebensabschnitt fern von Thüringen alles Gute und dass Du Dir Deine Träume erfüllen kannst.

Bernd Hohnstein / Roman Knabe

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