CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1

CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 - Susie Wolff - Foto:  CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 – Susie Wolff – Foto: CNN International „The Circuit“

Interviews mit Danica Patrick, Susie Wolff, Claire Williams

Die Formel 1 ist eine Männerdomäne und Frauen haben dort nur als Grid-Girls einen Platz? Ganz stimmt diese Aussage nicht. Tatsächlich gibt es keine Regel, die weibliche Fahrer davon abhält, sich mit ihren männlichen Kollegen zu messen. Warum gibt es also so wenige Frauen, die sich für eine Karriere hinter dem Lenkrad entscheiden?

08.09.2015 – CNN / SPORT4Final / Frank Zepp:

In der neuen Ausgabe der CNN Motorsportsendung „The Circuit“ geht es um Frauen im Motorsport. CNN-Moderatorin Amanda Davies spricht unter anderem mit Danica Patrick, Susie Wolff, Claire Williams und Carmen Jordá und findet heraus, welche körperlichen Herausforderungen sie bewältigen müssen und besucht Nachwuchsfahrerinnen bei ihrem Training.

CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 - Danica Patrick - Foto:  CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 – Danica Patrick – Foto: CNN International „The Circuit“

„Frauen sollten stets weiß gekleidet sein – so wie die anderen Küchengeräte.“ Mit dieser Aussage sorgte Bernie Ecclestone für Aufsehen. Nun räumte der Formel 1 Mogul ein, dass ihn sehr wohl eines Tages eine Frau in seiner Position ablösen könnte. Ein Umdenken in den hohen Rängen der Formel 1? „Das Problem ist bloß, dass Frauen sich davor scheuen, die Verantwortung für eine so große Sache zu übernehmen“, relativiert Ecclestone seine Aussage. Dennoch berichten einige Fahrerinnen im Gespräch mit Amanda Davies, sie selbst hätten nie mit Sexismus im Motorsport zu kämpfen gehabt. „Sexismus war nie ein Problem für mich“, sagt NASCAR-Fahrerin Danica Patrick. „Vielleicht habe ich aber auch eine extrem dicke Haut.“

CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 - Claire Williams - Foto:  CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 – Claire Williams – Foto: CNN International „The Circuit“

Auch Claire Williams, stellvertretende Teamchefin bei Williams, hat sich nie diskriminiert gefühlt – obwohl ihr eigener Vater, Williams-Eigentümer Frank Williams, der größte Gegner ihrer Formel 1 Karriere war. „Er war immer extrem dagegen, dass ich bei Williams Karriere mache. Es sind einige Schimpfwörter gefallen. Er meinte ich könnte es auf keinen Fall durchziehen“, erinnert sie sich. Williams führt dies auf die veraltete Einstellung ihres Vaters zurück. Sexismus hätte sie in ihrem Job nie erlebt. „Hand aufs Herz. Ich glaube, dass die Jungs bei der Formel 1 es sogar gerne haben, wenn mehr Frauen am Platz sind.“ Warum gibt es also so wenige Frauen im Motorsport? Williams denkt, dass dies an dem Mangel an guten Vorbildern liege. „Ich glaube viele Frauen denken gar nicht daran, dass Motorsport eine Möglichkeit für sie sein könnte. Aber mit Vorbildern wie Susie Wolff in der Formel 1, könnte sich dies bald ändern.“

CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 - Amanda Davies (l) und Susie Wolff (r) - Foto:  CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 – Amanda Davies (l) und Susie Wolff (r) – Foto: CNN International „The Circuit“

Doch Williams-Testfahrerin Susie Wolff wartet bereits seit Jahren auf ihre Chance bei einem Grand Prix – es wäre der erste Auftritt einer Frau seit der Italienerin Lella Lombardi im Jahr 1970. Aufgrund der mangelnden Karrieremöglichkeiten erwägt die Rennfahrerin, sich Ende des Jahres 2015 aus dem Sport zurückzuziehen. „Ich kann nicht ewig am Rand stehen und auf meine Chance warten“, sagt sie. Dabei geht es auf der Rennstrecke nicht nur um Geschwindigkeit. „Im Moment kommt es in der Formel 1 auf das Gesamtpacket an. Man muss nicht nur ein guter Fahrer sein, sondern auch die richtigen Sponsoren haben, um das Team finanziell zu stärken. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass die Formel 1 die absolute Spitze des Motorsports darstellt.  Es ist für niemanden leicht, den Sprung zu schaffen.“ Dass es Sexismus in der Motorsportwelt gibt, leugnet Wolff nicht. „Sexismus existiert und wahrscheinlich wird er nie ganz verschwinden. Aber er hat meiner Karriere nicht geschadet.“ Ein Problem könnten jedoch die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen darstellen. „Ich kann bestätigen, dass Frauen andere körperliche Voraussetzungen haben. Wir besitzen 30 Prozent weniger Muskelmasse als Männer, aber andererseits sind wir in den Autos nicht nur auf körperliche Stärke angewiesen. Ich denke, ich habe mit meiner Arbeit bewiesen, dass die körperlichen Unterschiede keine Barriere für Frauen im Motorsport darstellen.“

CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 - Carmen Jorda - Foto:  CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit: Erfolgreiche Frauen in der Formel 1 – Carmen Jorda – Foto: CNN International „The Circuit“

In der Tat benötigen Frauen im Motorsport ein anderes Training als ihre männlichen Kollegen. Mit dem Sportphysiologen Dr. Rob Child besucht CNN die spanische Rennfahrerin Carmen Jordá bei ihrem Training. „Frauen haben zwar weniger Muskelmasse als Männer, aber darauf kommt es aber nicht zwingend an. Es geht vielmehr um die Kraft im Verhältnis zur Körpergröße.“, erklärt Child. „Untrainiert sind Frauen zwischen 50 und 20 Prozent schwächer als Männer. Aber wenn sie trainiert sind, liegt der Unterschied nur noch bei etwa fünf Prozent.“ Frauen seien also durchaus im Stande, die Anstrengungen der Rennstrecke auch körperlich zu meistern. „Es ist besonders wichtig, dass das Herz gesund bleibt“, erklärt Jordá. „Deshalb machen wir besonders viel Cardio-Training.“ Dr. Child stimmt ihr zu: „Ein Formel 1 Rennen dauert um die zwei Stunden. Motorsport ist praktisch Ausdauersport.“ Besonders wichtig daran ist es, dass das Ausdauertraining Frauen weniger anfällig für Dehydration macht – ein gefährliches Risiko auf manchen Rennstrecken. „Ich fahre, seit ich zwölf Jahre alt bin und ich habe die körperlichen Unterschiede immer als Handicap empfunden“, erzählt Jordá. „Besonders auf dem hohen Level des Rennsports müssen Frauen deutlich härter arbeiten als Männer. Deshalb ist es nicht so einfach für Frauen, Formel 1 Fahrerinnen zu werden.“

Es sind also verschiedene Faktoren, die junge Mädchen davon abhalten, sich in den Motorsport zu involvieren. Doch um die Chancen auf einen weiblichen Formel1-Champion zu erhöhen, ist es wichtig, dass mehr Mädchen in den Sport einsteigen. CNN besucht das britische Formel1-Trainingscamp Formular Cart Stars, das unter anderem Rennsport-Stars wie Lewis Hamilton absolvierten. Im Moment trainieren dort 55 Nachwuchstalente, aber nur vier davon sind Mädchen. Die britische Rennfahrerin Alice Powell erklärt, dass der Mangel an Interesse bei Mädchen hauptsächlich daran liegen würde, dass es kaum weibliche Vorbilder im Motorsport gebe: „Die meisten Jungs hier sagen, dass sie der nächste Lewis Hamilton werden wollen. Für Mädchen gibt es so jemanden nicht. Deshalb arbeite ich hier mit den Teams und helfe den Mädchen, sich in die Welt des Motorsports einzufinden.“ An Begeisterung mangelt es den jungen Nachwuchsfahrerinnen nicht. „Ich war zuerst reiten, aber das war mir zu langsam. Also habe ich zum Motorsport gewechselt und ich liebe es hier!“, erzählt eines der Mädchen an der Rennstrecke. „Dass ich ein Mädchen bin, ist für mich kein Hindernis.“

Quelle: CNN International

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Quelle: CNN International

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