CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart

In der aktuellen Ausgabe ist die CNN Formel1 Sendung „The Circuit“ zu Gast in Stuttgart, wo Mercedes Ende letzten Jahres seinen aktuellen Weltmeistertitel feierte.

Das Team gewann 16 von 19 Rennen und holte sich damit den insgesamt achten Weltmeistertitel.

CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart - Weltmeister Lewis Hamilton - Foto: CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart – Weltmeister Lewis Hamilton – Foto: CNN International „The Circuit“

Amanda Davies sprach am Rande der Feierlichkeiten mit dem Weltmeister Lewis Hamilton über seinen Sieg und seine Beziehung zu seinem Teamkollegen und Erzrivalen Nico Rosberg. Außerdem besucht das „The Circuit Team“ den Rennstall eines neuen Formel1 Teams in Großbritannien, das 2016 erstmalig an den Start geht, und beschäftigt sich mit der Frage, wer der größte Formel1-Fahrer aller Zeiten ist und wie viel die Formel1 für einen Investor wert wäre.

03.02.2016 – CNN / SPORT4Final / Frank Zepp:

Im Dezember 2015 war das Fußballstadion in Stuttgart bis auf den letzten Platz gefüllt, als das Siegerteam von Mercedes seine Runden durch das Stadion drehte. Allen voran Lewis Hamilton, der 2015 bereits zum dritten Mal Formel1-Weltmeister wurde. Er blickt voller Stolz auf eine anstrengende Saison zurück: „Ich habe mich immer von all den Geschichten, die mich betreffen, beeinflussen lassen. Aber dieses Jahr konnte ich das ausblenden. Es war ein langer Weg bis hierher und ich habe hart dafür gekämpft.“ Mit dem Titel ist aber neben dem Ruhm auch jede Menge Verantwortung verbunden, schließlich muss Hamilton als Vorbild für seine jungen Fans dienen. Statt Höhenflug also Bescheidenheit: „Du musst nicht reich und berühmt sein, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin – mit Mercedes als meiner Familie. Es erfordert harte Arbeit und Geschicklichkeit von dir und deiner Familie, um das zu erreichen.“ Zu der angeblichen Drohung von Teamchef Toto Wolff, dass Hamilton das Team verlassen müsse, wenn sich die Beziehung zu Nico Rosberg nicht bessert, sagte der amtierende Weltmeister: „Es gibt keine Drohung. Ich habe erst gestern Abend mit ihm zusammengesessen. Wie in jedem anderen Job auch, muss man an Schwachstellen im Team arbeiten und diese ausmerzen, wenn es sie gibt. Nico und ich haben daran in den letzten zwei Jahren gearbeitet. Natürlich gibt es immer noch ab und zu Ungereimtheiten, aber insgesamt läuft es gut.“ Hamilton selbst bezeichnete die Beziehung zu Rosberg als respektvoll und macht die Medien dafür verantwortlich, das Ganze zu einem Streit hoch zu pushen: „Die Medien machen immer mehr daraus als es ist, wie immer. Nico und ich werden uns zusammensetzen und reden, so wie wir es immer tun. Der Respekt ist da.“

CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart - Nico Rosberg - Foto: CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart – Nico Rosberg – Foto: CNN International „The Circuit“

Doch was sagte eigentlich Nico Rosberg selbst dazu? Für ihn verlief die Saison leider nicht so erfolgreich wie für seinen Teamkollegen, aber Rosberg ist voller Motivation und Zuversicht: „Es war ein fantastisches Jahr für mich, es gab viele tolle, emotionale Momente. Nur der Traum von der Weltmeisterschaft hatte sich für mich leider nicht erfüllt, aber das kann ja noch werden. Wegen mir könnte die neue Saison morgen beginnen, ich will da weitermachen, wo ich aufgehört habe.“ Zu den ständigen Diskussionen über seine Position im Team meinte Rosberg: „Ich fühle mich wohl. Ich erfahre eine Menge Unterstützung durch das Team, wofür ich dankbar bin. Es herrscht eine tolle Energie, sodass ich über so was nicht nachdenke.“

CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart - Amanda Davies mit David Coulthard - Foto: CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart – Amanda Davies mit David Coulthard – Foto: CNN International „The Circuit“

David Coulthard kennt beide Fahrer, seitdem sie zwölf Jahre alt sind. Laut Coulthard waren die beiden früher Freunde, fuhren Rennen gegeneinander ohne jegliche Streitigkeiten. Doch inzwischen ist die Situation eine andere und Coulthard weiß auch warum: „Was ihre Beziehung belastet, ist die Tatsache, dass Lewis Erfolg gleichzeitig Nicos Versagen bedeutet – und anders herum. Deshalb sind sie keine Freunde, egal was sie sagen, und sie können auch nie welche sein.“ Für Coulthard ist Hamilton der bessere Fahrer: „Nico ist begabt, keine Frage, aber Lewis hat diese kleine Portion Magie, wenn es drauf ankommt!“ Manche Experten befürchten, dass dieser teilweise sehr emotionale Kampf zwischen den beiden Fahrern die Marke Mercedes negativ belasten könnte. Doch Coulthard sieht darin eher eine Chance: „Es ist ein Luxusproblem für Mercedes, zwei so tolle Fahrer zu haben, beide fahren um die Weltmeisterschaft mit. Es ist wie im Alltag, immer gibt es Ups und Downs. Aber Mercedes hat das perfekte Szenario, was wäre denn, wenn es nur einen Fahrer gibt, der stets dominiert? Wofür würde der Zweite bezahlt werden?“

CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart - Foto: CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart – Foto: CNN International „The Circuit“

In Stuttgart steht neben den Werkhallen von Mercedes auch ein großes Museum, das die Geschichte der Formel1 noch einmal näher beleuchtet. Hier sind alle Sieger der letzten 60 Jahre verewigt und damit auch Hamilton, der nun zum elitären Kreis der dreifachen Weltmeister zählt. Doch macht ihn das zu einem der Großen? Und wer ist der beste Fahrer aller Zeiten? Michael Schumacher aus Deutschland mit seinen sieben Titeln? Oder doch eher Juan Manuel Fangio aus Argentinien mit fünf Titeln? Und was ist mit Alain Prost aus Großbritannien, der vier Titel gewann? Jackie Stewart, selbst dreifacher Weltmeister, meint: „Es geht vor allem um Schnelligkeit. Aber auch noch etwas anderes. Senna zum Beispiel, er war schnell, aber auch unglaublich charismatisch, die Menschen liebten ihn. Als er starb, trauerte die ganze Welt.“ Stirling Moss, einer der erfolgreichsten Rennfahrer der 50er Jahre, dagegen hält Michael Schumacher für einen der größten Fahrer, weil er nicht nur Rennen gewann, sondern auch extrem eng mit dem Aufstieg von Ferrari verbunden ist: „Schumachers größter Beitrag war, Ferrari aus seinem Formtief zu holen, wieder zu etwas Großem zu machen. Mit seinem Talent und den Mechanikern baute er Ferrari auf zu dem, was sie heute sind.“ Die Experten sind sich also uneinig, zu viele gute Fahrer gab es in den vergangenen Jahrzehnten, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Stewart zufolge ist ein direkter Vergleich sowieso schwer: „Das wäre so, als würde man Soldaten des Ersten Weltkrieges mit heutigen vergleichen.“

Im Frühjahr 2016 wird auch ein neues Team an den Start gehen: Haas, das erste amerikanische Team seit 30 Jahren. Doch die Überlebensrate neuer Teams ist gering, zu hoch ist oft der finanzielle Druck. Wer sind die mutigen Ingenieure hinter Haas? The Circuit stattete der britischen Niederlassung einen Besuch ab und spricht mit Teamleiter Guenther Steiner über das Projekt, das vor fünf Jahren startete. Alle Mitarbeiter von Haas bringen bereits einschlägige Erfahrungen aus der Autobranche mit, Steiner selbst war zuvor bei RedBull und Jaguar tätig. Er ist sichtlich aufregt angesichts des Renndebuts seines Teams: „Selbst Letzter zu werden birgt harte Arbeit und ein großes Risiko. Auch nur ein paar Punkte in Australien zu holen wäre ein Riesenerfolg für uns.“

CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart - Foto: CNN International "The Circuit"
CNN The Circuit bei Mercedes in Stuttgart – Foto: CNN International „The Circuit“

Der teure Rennzirkus ist auch für Investoren interessant. Doch wie viel würde es eigentlich kosten, die ganze Formel 1 zu kaufen? Und in was investiert man? Dazu Ed Foster vom Motor Sport Magazin: „Der Wert der Formel1 wird auf zehn bis zwölf Milliarden Dollar geschätzt. Das beinhaltet Teams, Gebühren, Tickets und die TV Rechte. Wahrscheinlich wäre es eine Gruppe von chinesischen Investoren, die aber nicht die komplette Kontrolle hätten, Bernie Ecclestone würde das nicht wollen.“ Weltweit erreicht die Formel1 Millionen von Zuschauern, allein die TV Rechte sind Millionen wert und heiß umkämpft. Doch das Problem dabei ist, dass man nicht wirklich weiß, was die Formel1 eigentlich ist, zu undurchsichtig sind die zahlreichen Beteiligungen der Firmen und Konzerne. Ist die Formel1 ein kundenorientiertes Sportevent? Oder doch eher ein Technologietestfeld für die großen Motorenhersteller? Die Formel1 bleibt ein Mysterium, spannend und geheimnisvoll zugleich.

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