Volleyball-EM: Deutsche Frauen greifen nach Gold

13.09.2013 – PM:

3:2-Krimi gegen Belgien im Halbfinale

Die deutschen Frauen greifen bei der Volleyball-EM nach Gold und wollen im Finale gegen Weltmeister Russland – nach DDR-Gold 1983 und 1987 – den dritten deutschen Titel in der Geschichte der Europameisterschaften gewinnen! Das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti setzte sich vor 7.137 begeisterten Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle in einem phantastischen Kampfspiel und nach 0:2-Satzrückstand 3:2 (18-25, 20-25, 25-21, 25-21, 15-11) gegen Belgien durch und trifft nun am Samstag um 20.00 Uhr auf Russland.

Deutschland vs. Belgien 3:2 - Foto: Conny Kurth
Deutschland vs. Belgien 3:2 – Foto: Conny Kurth

Schon vor Spielbeginn verbreiteten die Zuschauer Finalstimmung, das Publikum sollte und wollte den Gastgeber in das Finale tragen. Doch der Beginn verlief zunächst nicht wie gewünscht (1-4), das deutsche Team agierte zunächst nervös in Annahme und Zuspiel, zudem hielten die Belgierinnen – mit einer ganz ähnlichen Spielanlage agierend – hervorragend in Block und Abwehr dagegen. Immer wieder wurden die deutschen Angriffe entschärft und in Punkte verwandelt. Die Angriffsquoten von 36% zu 56% im ersten Satz sprechen eine deutliche Sprache.

Einem Satzrückstand musste die deutsche Mannschaft bislang einmal in diesem Turnierverlauf hinterherlaufen, das 1:2 gegen die Niederlande wurde in einen Sieg verwandelt. Und das Team kam besser in den zweiten Satz, Fürst und Kozuch übernahmen Verantwortung. Das Zusammenspiel von Aufschlag und Block- und Feldabwehr funktionierte besser (16-12). Bis zum 19-15 sah alles nach dem Satzausgleich aus, dann gelang den Gästen eine Serie von acht (!) Punkten, weil die deutsche Annahme „wackelte“ und die belgische Block-Abwehr auf der Höhe war. Statt Satzausgleich hieß es 0:2, Aelbrecht verwandelte den ersten Satzball.

Deutschland vs. Belgien 3:2 - Foto: Conny Kurth
Deutschland vs. Belgien 3:2 – Foto: Conny Kurth

Jetzt mussten eine Leistungssteigerung und ein kleines „Wunder“ her. In der European League hatten sich beide Teams fünfmal gegenüber gestanden, dreimal gab es fünf Sätze. Ssuschke-Voigt sorgte mit zwei Blocks für die Führung, Brinker brachte endlich ihre Angriffe besser durch (10-7). Aber diese Belgierinnen waren davon nicht zu beeindrucken, glichen aus und gingen in Führung (12-13). Guidetti brachte mit Saskia Hippe und Denise Hanke zwei frische Kräfte, um den Angriff und Block zu stärken. Und Hippe war es, die mit Angriff und Aufschlag den Führungswechsel herbeiführte (19-18) und für Hoffnung in der Halle sorgte. Als die bärenstarke Lisa van Hecke aus dem Rückraum verzog und Kozuch aus dem Rückraum punktete, war der erste Satzgewinn geschafft. Belgien zeigte sich keineswegs geschockt. Das Team von Trainer Gert Vande Broek blieb weiter ruhig und zog sein Konzept durch. Die deutschen Angreiferinnen sahen sich fast immer einem Doppelblock gegenüber, kein Ball gelang „einfach“ auf den gegnerischen Boden (5-10). Nur mit druckvollen Aufschlägen und einer geordneten Block-Abwehr war etwas zu machen, und das funktionierte in dieser Phase. Brinker servierte stark, die Abwehr punktete (12-14). Abermals kam Hippe, abermals setzte sie mit Block und Angriff Akzente. Als Ssuschke-Voigt ein Ass servierte und den Belgierinnen ein technischer Fehler unterlief, war tatsächlich der Führungswechsel geschafft (19-18). Der Gastgeber war nun voll da, Mittelblockerin Fürst und Libero Dürr hechteten mehrmals in der Abwehr über den Boden und kratzten erfolgreich die Bälle hoch, Beier punktete aus schwierigsten Positionen. Ein Angriffsfehler der Belgierinnen brachte den Satzausgleich und die Halle zum „Kochen“.

Der Entscheidungssatz begann ausgeglichen (4-4), dann gelang Kapitän Kozuch ein Break per Angriff aus dem Rückraum (7-6), aber der belgische Block sorgte für den letzten Punkt zum letztmaligen Seitenwechsel (7-8). Der deutsche Konter folgte prompt und vierfach: Ein Angriff Belgiens ging ins Aus, dann machten Kozuch im Angriff und Fürst im Block die Vorentscheidung (13-9). Satzball eins ging noch durch Kozuch fehl, dann brach der Wahnsinn aus, als Beier durchzog und die phantastische belgische Feldabwehr nicht parieren konnte. Es bildeten sich zwei Jubelknäuel – eins im Betreuerstab, eines auf dem Spielfeld.

Corina Ssuschke-Voigt: „“Sassi” hat uns gerettet. Sie hat uns aufgebaut und zum richtigen Zeitpunkt die wichtigen Punkte gemacht. Wir alle haben uns gegenseitig die Kraft gegeben und sind als Team zurückgekommen. Anfangs wollten wir einfach zu viel, der Druck war riesig. Jetzt wollen wir aber erst recht Europameister werden!“

Heike Beier: “Das war ein echter Arbeitssieg. Wir haben sicher nicht unseren besten Volleyball gespielt. Die Belgierinnen haben ihre Sache super gemacht, vor allem gut abgewehrt.“

Maren Brinker: „Wir wollen Gold! Die Russinnen sind uns zwar physisch überlegen, aber nicht so kampfbetont wie die Belgierinnen. Diese Mannschaft bricht eher auseinander, wir dagegen sind als Team unschlagbar.“

Christiane Fürst: „Wir wussten das Belgien eine Mannschaft ist, die Klasse hat. Wir haben oft in diesem Sommer gegen Belgien gespielt und waren auf ein schweres Spiel eingestellt. Ich habe erst beim 13. Punkt im letzten Satz gemerkt, dass wir das Spiel gewinnen können. Gegen Russland werden wir noch einmal alles geben. Es ist der letzte Tag, das letzte Spiel, wie werden alles was an Kraft noch da ist hineinwerfen.“

Giovanni Guidetti: „Gratulation an meine Mannschaft, das ist kein normales Team. Sie gibt niemals auf, egal was passiert. Es war einer der schönsten Siege in meiner Karriere. Das Finale gegen Russland wird natürlich ein sehr schweres Spiel, aber mein Vertrauen ist so groß, dass ich glaube: Wir können es schaffen!“

Mit der Finalteilnahme sind die DVV-Frauen, wie auch Finalgegner Russland, für die kommende Weltmeisterschaft 2014 in Italien qualifiziert

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