BLICK-Zurück: DHB-Team ist immer noch „aktueller Handball-Weltmeister“

BLICK-Zurück: Im Juli 1966 fand die letzte Feldhandball-Weltmeisterschaft statt.

BLICK-Zurück: DHB-Team ist immer noch „aktueller Handball-Weltmeister“ - Foto: Fotolia

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Vor genau 50 Jahre fand in Linz/Österreich die 7. und bis heute letzte Weltmeisterschaft im Feldhandball der Männer statt. Vom 25. Juni bis 3. Juli 1966 ermittelten im Spielsystem „jeder gegen jeden“ Österreich, Niederlande, Polen, Schweiz und zwei deutsche Mannschaften ihren Sieger: Am Ende durfte sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) Weltmeister nennen aufgrund des besseren Torverhältnisses, nachdem die Partie gegen die Auswahl des Handballverbandes der DDR am letzten Spieltag 15:15 geendet hatte.

Ein Beitrag von Prof. Detlef Kuhlmann.

28.06.2016 – DOSB / SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 war es der zweite WM-Titel einer (männlichen) Sport-Spielmannschaft der Bundesrepublik Deutschland, zumal andere große („Open Air“) Ballspiele wie Hockey und Rugby erst seit 1971 und 1987 offizielle Weltmeisterschaften austragen. Der Erfolg der DHB-Auswahl wirkt aber bis heute nach: Alle Spieler dürfen sich nämlich immer noch „aktuelle Weltmeister“ nennen.

Das Handballspiel, das seit genau 99 Jahren in Deutschland „regulär“ (ab 1917 zuerst für Damen und ab 1919 auch für Männer) betrieben wird und das in Berlin 1936 (für Männer) olympische Premiere hatte, steckte Mitte der 1960er Jahren bereits international in einer Krise, weil sich immer mehr Nationalmannschaften aus Skandinavien und aus den Ostblockstaaten vom Spiel draußen auf dem Fußballfeld verabschiedet hatten und demgegenüber die rasantere Hallen-Variante favorisierten. Der DHB musste daraufhin die für 1969 in der Bundesrepublik Deutschland geplante nächste WM absagen.

„Die deutschen Handballer hatten ihre Sportart geradezu totgesiegt. Als die DHB-Auswahl 1970 die letzten Feldhandball-Länderspiele in Rotterdam gegen Holland und Österreich bestritt, standen nach insgesamt 120 internationalen Vergleichen nur vier Niederlagen“, schreibt der Handball-Historiker Erik Eggers rückblickend auf die große Zeit des Feldhandballs im Magazin Handball Inside.

Das Feldhandballspiel in Deutschland hatte in seiner Blütezeit vor rund 50 Jahren etliche (teilweise bis heute) bekannte Gesichter wie die vier Ansbacher Brüder Erwin, Heinz, Helmut und Konrad Porzner, der von 1990 bis 1996 Präsident des Bundesnachrichtendienstes war, ferner Herbert Lübking (damals TSV Grün-Weiß Dankersen), Diethard Finkelmann (Reinickendorfer Füchse Berlin), Josef Karrer (TV Großwallstadt) und den späteren ZDF-Sportkommentator Peter Hattig vom TuS Wellinghofen. Das Feldhandballspiel fand damals auch keinesfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: Als die DHB-Auswahl zwei Jahre nach dem WM-Sieg gegen die DDR-Auswahl spielte, waren 93.000 Zuschauer im Zentralstadion in Leipzig, erinnert sich WM-Kapitän Erwin Porzner. Zum bundesdeutschen Finale im Jahre 1965 zwischen BSV Solingen 1898 und TSV Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) kamen 30.000 Zuschauer in das Zoo-Stadion in Wuppertal.

Von 1967 bis 1973 wurde in der Bundesrepublik sogar in einer Feldhandball-Bundesliga mit einer Nord- und Südstaffel gespielt. Das letzte Endspiel fand am 10. August 1975 in Lübbecke statt und hatte mit der TSG Hassloch bei 15:14-Sieg gegen den TuS Nettelstedt seinen immer noch aktuellen Titelträger. In der DDR hatte man den Spielbetrieb schon nach der Saison 1966/67 eingestellt und mit dem SC Magdeburg einen ewigen Meister gefunden.

Die Verbreitung des Spiels in der Halle wurde in der Bundesrepublik durch den sogenannten Goldenen Plan der Deutschen Olympischen Gesellschaft beflügelt: Im gesamten Bundesgebiet wurden seit etwa Mitte der 1960er Jahre immer mehr gedeckte Sportstätten gebaut und damit eine Sportstätten-Infrastruktur geschaffen, die es bis dahin in unserem Land nicht gab. Erst dadurch konnte das Spiel auf kleinem Hallenboden so richtig in Fahrt kommen. Es schien plötzlich wahnsinnig attraktiv zu sein, sich den Ball auf engerem Raum und über feste Positionen möglichst schnell mit der Aussicht auf einen erfolgreichen Torwurf zuzuspielen – der Gegenstoß (seinerzeit oft auch „Harpune“ genannt) war und ist bis heute das auch für die Zuschauer eindrucksvollste Angriffsmittel neben dem Kempa-Trick, den der heute 95-jährige Göppinger Nationalspieler Bernhard Kempa schon 1954 in Karlsruhe in einem inoffiziellen Hallen-Länderspiel gegen Schweden uraufgeführt hatte.

Die Weichen für die Zukunft des olympischen Handballs in der Halle wurden ebenfalls in den 1960er Jahren gestellt, als das IOC (Willi Daume sei Dank!) beschloss, bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München das Spiel erstmals (für Männer) in der Halle austragen zu lassen – mit Jugoslawien und seinem Trainer Vlado Stenzel als Olympiasieger und einem enttäuschenden sechsten Platz für das DHB-Team, wo von den Großfeld-Weltmeistern nur noch Herbert Lübking übrig geblieben war, der aber längst von seinem Stammverein TSV Grün-Weiß Dankersen zum benachbarten niedrig klassigen TuS Nettelstedt gewechselt war.

Die Professionalisierung des Handballs war damals in vollem Gange. In diesem Jahr ist die Handball-Bundesliga 50 Jahre alt geworden. Sie gilt als stärkste Liga der Welt. Mehr noch: 2016 wurde das DHB-Team in Polen Europameister. Mit dem Olympiasieg (dem zweiten deutschen in der Halle nach der DDR-Auswahl in Moskau 1980) könnte es im August dieses Jahres in Rio de Janeiro weitergehen.


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