Warum die Glücksspiel-Industrie einer unsicheren Zukunft gegenübersteht


Warum die Glücksspiel-Industrie einer unsicheren Zukunft gegenübersteht - Foto: Pixabay
Warum die Glücksspiel-Industrie einer unsicheren Zukunft gegenübersteht – Foto: Pixabay

Schon seit Menschengedenken existiert Glücksspiel auf der Welt. Die Frage nach den genauen Ursprüngen kann nur vage beantwortet werden.

Fakt ist, dass die ältesten Würfel in China gefunden wurden und vermutlich aus dem Jahr 3.000 v. Chr. stammten. Ungefähr aus derselben Zeit stammen Funde aus Mesopotamien, die ebenfalls als Beweis für frühes Glücksspiel gelten. In Ägypten verwendete man bereits einen sechsseitigen Würfel, der nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Buchstaben oder ganzen Wortfolgen versehen war.

Das beliebte Casinospiel Roulette kommt vermutlich aus Italien und wurde im 17. Jahrhundert mit 38 Zahlen gespielt. Bereits in der Vergangenheit gab es viele Versuche, Glücksspiel zu verbieten. Auch heute noch sieht die Glücksspiel-Industrie einer ungewissen Zukunft entgegen.

19.04.2018 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Warum wurde Glücksspiel in der Vergangenheit reglementiert?

Die heutige Welt ist von Globalisierung und Internationalisierung charakterisiert. In vielen Geschäftsbereichen gibt es ständig neue Entwicklungen, technische Errungenschaften und innovative Trends. Bestrebungen, das Glücksspiel zu verbieten, sind allerdings nicht neu. Selbst in der Antike war Glücksspiel zwar geduldet, von den Autoritäten aber offiziell verboten. Im Mittelalter galt Spielen sowohl von geistlicher als auch von weltlicher Seite her als verpönt. Im alten deutschen Recht war sogar festgelegt, dass man Verluste wieder einfordern und sogar vor Gericht einfordern konnte. Im 16. und 17. Jahrhundert kam es auf die Höhe der Einsätze an, ob Glücksspiel als erlaubt oder verboten eingestuft wurde. In Frankreich gab es im 18. und 19. Jahrhundert bereits renommierte Spielhäuser in fast allen größeren Städten. Dennoch ging Ludwig XV. streng dagegen vor und auch unter Napoleon Bonaparte gab es Reglementierungen. Zunächst verbot man Spiele als unmoralisch und verwerflich. Später erkannten viele Staaten das Einnahme-Potential aus Glücksspiel-Häusern und richteten staatliche Monopole ein.

Wie sieht die Situation heute aus?

In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Glücksspiel-Branche mit den Online Casinos ein völlig neuer Geschäftszweig etabliert. Trotz aller Fortschritte und dem Einzug des Internets in fast alle Haushalte gibt es dennoch Einschränkungen. Nur sehr wenige Länder vergeben Glücksspiellizenzen, zu den bekanntesten zählen:

  1. Gibraltar

  2. Malta

  3. Schleswig-Holstein
  4. Curacao

  5. Isle of Man

In Großbritannien hat das Glücksspiel eine besonders lange Tradition, 2017 schwemmte die Industrie 2,8 Milliarden Pfund in die Wirtschaft. Rund 100.000 Personen im Land arbeiten für die Glücksspielindustrie. Allerdings überprüft die britische Glücksspielbehörde aktuell die Bestimmungen und es wird eine deutliche Verschlechterung für Glücksspiel-Betreiber befürchtet. Vor allem geht es um Automaten und Wett-Terminals in kleineren Geschäften. Ein Glücksspiel-Verbot in diesen Etablissements würde in vielen Fällen den finanziellen Ruin der Betreiber bedeuten, da ein Großteil der Einnahmen aus Spielen und Wetten generiert wird. Ein Dorn im Auge sind den Behörden auch die vermehrten Apps, die mobiles Spielen zu jeder Zeit ermöglichen. Befragungen haben ergeben, dass in Großbritannien rund ein Fünftel aller Teilnehmer der Umfrage in den letzten 4 Wochen um Geld spielten. Man nimmt an, dass ungefähr 2 Millionen Briten von Spielsucht gefährdet sind.

Welche weiteren Überlegungen gibt es in Großbritannien?

Die UK Remote Gambling Association versteht sich als wichtiges Bindeglied zwischen Online Casinos, den Behörden und den Spielern. Die Organisation kündigt die Einführung des Services GAMSTOP an. Im Rahmen dieses Systems können sich Spieler bei allen Online Casinos sperren lassen, die Mitglied bei der Remote Gambling Association sind. So haben süchtige Spieler die Möglichkeit, selbst gegen ihr krankhaftes Verhalten vorzugehen. Im Fokus der nationalen Regierungsbehörde sind darüber hinaus auch Werbungen für Glücksspiele. Gegen Angebote wo man gratis spielen kann und dabei kein Geld einsetzt, haben die meisten Länder nichts. Sehr wohl jedoch schrillen die Alarmglocken bei Werbemaßnahmen, die gezielt auf junges Publikum ausgerichtet ist. Die Jugend ist oft noch empfänglicher für die geschickten Marketing-Tricks der Unternehmen als der Rest der Bevölkerung. Den Taktiken der Werbung zu entkommen, fällt gar nicht so leicht. Die BBC hat erhoben, dass in 95 Prozent aller Fußballspiele, die im Fernsehen gezeigt werden, für Wetten Werbung gemacht wird. Daher soll es neue Richtlinien geben, die vorwiegend das junge Publikum schützen sollen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählt zum Beispiel ein Werbeverbot für Glücksspiel vor 21 Uhr.

Fazit:

Glücksspiel hat es schon immer gegeben, doch schon vor Jahrtausenden war dieses Thema kontrovers. Im Mittelalter wurden Spiele als unmoralisch verteufelt, vor allem die Kirche setzte sich massiv dagegen ein. Heute geht es vielmehr um den Spieler-Schutz. In der Hoffnung auf den großen Gewinn setzen manche mehr Geld ein, als sie sich eigentlich leisten können. Spielsucht ist ein weit verbreitetes Problem, das sich seit der Erfindung von Online Casinos noch vergrößert hat. Schließlich spielt man im Netz völlig anonym und oft sind die Einzahlungen auf den Kontoauszügen nicht einmal richtig zuzuordnen. In Großbritannien gibt es neue Bestrebungen, den Spieler-Schutz zu verbessern. Dazu zählt die Reglementierung von Werbungen für Glücksspiel im Fernsehen und die Überlegung, Automaten und Wett-Terminals aus kleinen Lokalen und Geschäften zu entfernen.


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