Andreas Wolff – Deutschlands bester Handball-Torhüter über die Macht des Selbstvertrauens

Andreas Wolff (26) gilt als bester Torhüter der deutschen Handball-Geschichte.

Weil gegnerische Angreifer nicht nur den 1,98 Meter großen Körper mit tentakelhaften Armen und Beinen und den blitzschnellen Reflexen überwinden müssen. Sondern auch ein mindestens ebenso eindrucksvolles Ego. Deutschlands zweifacher Handballer des Jahres sprach mit Christian Eberle, wie man Selbstvertrauen aufbaut, es nach Rückschlägen wiederfindet und wie man es auf andere überträgt.

Erschienen in „The Red Bulletin-Ausgabe“ vom 8. August 2017.

Text: Christian Eberle. Fotos: Christoph Voy

11.08.2017 – PM Red Bulletin / SPORT4FINAL / Frank Zepp:

1. Wie man Selbstvertrauen aufbaut

„Selbstvertrauen ist die Sicherheit, du selbst zu sein, einfach das zu tun, was du denkst und was du in dem Moment für angebracht hältst.“

The Red Bulletin: Andreas Wolff, der sein Team mit scheinbarer Selbstverständlichkeit zum Sieg führt. Andreas Wolff, der im Fernsehen locker und eloquent über Erfolge spricht. Andreas Wolff, der vor wildfremden Menschen am Kieler Schrottplatz oben ohne Fitness-Übungen macht. Sind Sie immer so selbstbewusst?

Andreas Wolff - Foto: Christoph Voy
Andreas Wolff – Foto: Christoph Voy

Andreas Wolff: Eigentlich ja. Immer schon. Und eigentlich in allen Belangen. Man kann ja nicht sagen, hier bin ich selbstbewusst und da nicht.

Aber als Kind waren Sie angeblich so schüchtern, dass Sie nur aus Respekt vor den anderen ins Tor gegangen sind.

Andreas Wolff: Als Fünfjähriger fragt man sich, wie man zu einer Gruppe dazugehören kann, wo man seinen Platz findet, und da geht man eben auch mal ins Tor. Zum Glück wurde Handball zu meinem Ding, und jeder Erfolg auf dem Spielfeld brachte mehr Selbstbewusstsein mit sich – auch außerhalb des Spielfelds.

2. Wie man Selbstvertrauen wiederfindet

„Auch ich bin nicht immer selbstbewusst vor Spielen. Ich habe schlechte Phasen, in denen ich an mir zweifle. Das ist ganz normal.“

Mit welcher Methodik verarbeiten Sie eine Niederlage – akribische Analyse oder komplettes Ausblenden?

Andreas Wolff: Niederlagen fressen mich innerlich auf, ich hasse dieses Gefühl des Versagens. Nach einer Niederlage denke ich permanent über die Dinge nach, die im Spiel passiert sind – also: Fehleranalyse. Dann wird im nächsten Training der ganze Frust raustrainiert, Vollgas.

Andreas Wolff - Foto: Christoph Voy
Andreas Wolff – Foto: Christoph Voy

3. Wie man Selbstvertrauen auf andere überträgt

Steht ein Handball-Großereignis an, kann man davon ausgehen, dass Sie vom Titel für Deutschland sprechen.

Andreas Wolff: Das sage ich nicht, weil ich überheblich bin. Es ergibt Sinn, Selbstvertrauen zu verkörpern: Zum einen fühlen sich die Teamkollegen ein wenig gepusht, zum anderen nimmt man den Gegnern dadurch etwas von ihrem Selbstvertrauen.

„Sag laut: ‚Ich bin hier, um zu gewinnen.‘ Wenn du es aussprichst, fällt es dir leichter, das zu glauben.“

Kann man Selbstvertrauen vortauschen?

Andreas Wolff: Nein. So was fällt schnell an der Körpersprache auf. Auch wenn ich daran arbeite, selbstbewusster auszusehen, wenn ich’s in Wahrheit nicht bin: Sich zu verstellen klappt in Wahrheit nicht. Wir leben von unserer Authentizität. Und genau diese Authentizität reißt die anderen auch mit.

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