Dresden-Trainer Janßens „gefühlter Radschlag“ beim 2:0-Arbeitssieg gegen Aalen

05.10.2013 – SPORT4Final:

Dynamo Dresden vs. VfR Aalen 2:0 (2:0)

Aus Dresden berichtet die SPORT4Final-Redaktion:

Dynamo Dresden erzielte mit dem verdienten 2:0-Heimsieg gegen VfR Aalen am 10. Spieltag der zweiten Fußball-Bundesliga den ersten Saisonsieg vor 21.700 Zuschauern. Innerhalb von sieben Minuten fielen in der von Dresden dominierten ersten Hälfte die Dynamo-Tore durch Aoudia (28.) und Hartmann (35.) jeweils nach Passvorlage von „Geburtstagskind“ Dedic.

Dresdens „neue“ Spieltaktik, mit frühem, schnellen Pressing und kräftezehrender Laufarbeit hoch in der gegnerischen Spielhälfte, erzwang die entscheidenden Fehler in Aalens Abwehrverbund. In der zweiten Halbzeit machte Aalen mehr Druck und der Gastgeber agierte aus einer Konterstellung. Daraus resultierende Dresdner Torchancen wurden kläglich vergeben. Dresden wollte unbedingt den Sieg und Aalen war an diesem Tag nicht zu einem Torerfolg (Kopfball Lechleiter an den Pfosten 60. Minute) in der Lage.  

Zur Spielanalyse und den SPORT4Final-Interviews mit Dynamo-Präsident Ritter und Dresdens Trainer Janßen sowie weiteren Stimmen der Spieler:     [private]

Dynamo Dresden legte mit „neuer“ Taktik alles in die gewollte Torführung der ersten Halbzeit hinein. Schließlich sollte ein Führungstor weitere psychologische und Spielsicherheit geben. Frühes Stören hoch in der gegnerischen Hälfte bei hoher Lauf- und Kampfbereitschaft zeichnete das Dynamo-Spiel aus. Die 3-Sekunden-Regel wollte der Gastgeber beherzigen. Denn innerhalb von drei Sekunden nach einem Ballverlust hat man selbst die größten Chancen, wieder in Ballbesitz zu gelangen und das eigene Spiel aufzuziehen. Trotz vieler Fehlpässe beider Teams und nur durchschnittlichem Spielniveau dominierte der Gastgeber in diesem Stil die ersten 45 Minuten. Hartmann als neuer Mann im defensiven Mittelfeld in der Startformation und der diesmal tadellose Torhüter Kirsten ragten aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung heraus. Nach druckvoller Dynamo-Anfangsphase hatte Aalens Lechleiter zweimal die Chance in der 15. und 19. Minute zur Gäste-Führung. Kirsten vereitelte in großer Manier und sorgte vorbildlich für die „Null“ im eigenen Tor.

Dresden vs. Aalen 2:0 - Foto: SPORT4Final
Dresden vs. Aalen 2:0 – Foto: SPORT4Final

Innerhalb von sieben Minuten sorgte Dresdens „Forechecking“ für die entscheidenden Fehler in der Aalener Abwehr. Zwei Dedic-Vorlagen, der gedankenschnell die Aalener Fehler antizipierte, verhalfen Aoudia und Hartmann zur wichtigen 2:0-Führung. Dresden hätte die Führung durch einen gefährlichen Hartmann-Schuss (39.) und Schuppans Torschuss nach der 6. Ecke erhöhen können.

Aalen kam gestärkt aus der Pause heraus und zog das Spiel sukzessive an sich. Bis zu Lechleiters Pfostenkopfball in der 59. Minute waren es zerfahrene Minuten auf beiden Seiten. Dresden hatte zuvor (56.) durch Dedic die große Chance zum dritten Tor und der Vorentscheidung. Aber Dynamo spielte weitere Kontergelegenheiten schlecht aus oder vergab kläglich (77. / 88.). Dynamos Ouali rettete nach einer gefährlichen Aalener Ecke in der 81. Minute Reichweins Torschuss kurz vor der Torlinie. Auch wenn Dresden in der zweiten Halbzeit dem Kräfteverschleiß der ersten Hälfte Tribut zollen musste, spielerisch weiter viele Wünsche schuldig blieb, war es doch ein verdienter Arbeitssieg der Dynamos. So musste Dresdens Trainer Janßen angesichts der vergebenen Torchancen glücklicherweise nur einmal einen „gefühlten Radschlag“ an der Seitenlinie machen.     

SPORT4Final-Interviews:

Andreas Ritter (Dynamo-Präsident):

Sind Sie zufrieden mit der spielerischen Leistung?

„Es wurde Zeit. Wir brauchten gegen die Aalener drei Punkte, sonst wären wir völlig abgerissen und hätten uns im Tabellenkeller eingenistet. Ich denke, in der ersten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir Fußball spielen können. Alles in allem sind wir zufrieden, weil wir gezeigt haben, dass wir wieder Fußball spielen können.“

Olaf Janßen (Dresden-Trainer):

Hätten Sie sich in der zweiten Halbzeit nicht mehr Konstruktivität und Effizienz im Konterspiel gewünscht?

„Das auf jeden Fall. Das haben wir wirklich schlecht bis ungenügend ausgespielt. Ich erinnere mich an eine Szene, als ich an der Seitenlinie einen gefühlten Radschlag gemacht habe. Da waren wir fünf gegen zwei und Dedic nicht das Abspiel gefunden hat. Ja, der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Halbzeit war einfach, dass die Kräfte nachließen und dass in der ersten Halbzeit Dedic und Aoudia von der Laufbereitschaft den Gegner frühzeitig unter Druck setzen konnten und wir dann nachschieben konnten und den Gegner nicht rausgelassen haben. Diese Laufbereitschaft fehlte zunehmend. Den Gegner muss man auch anerkennen, er hat dann auch seine Qualitäten gezeigt. Sie haben schnelle und passsichere Leute, die dann zu kontrollieren, ist schwierig. Und mir hat gefallen, dass wir diesem Druck standgehalten haben.“

Sind Sie auch wie Ralf Rangnick ein Fan der 3-Sekunden-Regel?

„Das haben wir intensiv trainiert und ich bin mal gespannt, wenn ich mir die erste Halbzeit auf Video anschaue, da habe ich gefühlte zwanzig bis 30 Situationen, wo die Jungs wieder drauf gegangen sind. Es ist natürlich auch als Trainer schön zu sehen, dass das Training nicht ganz umsonst ist, sondern dass die Jungs auch daran glauben, weil man an diese Situationen glauben muss. Das haben sie schon in vielen Momenten gut gemacht.“

An spielerischen Zuschnitt und den spielerischen Dingen müssen Sie aber in den nächsten Wochen noch viel arbeiten?

„Absolut.“

Wie oft führen Sie während der Saison Leistungstest durch und was ist für Ihre Spieler der Normbereich im 30 Meter fliegenden Sprint?

„Schnelle Geschichten sind schon 3,8 bis 4,0 Sekunden. Aber es geht auch nicht darum, der Schnellste zu sein, sondern es ist ja immer positionsspezifisch zu sehen, auch durch andere Anforderungen an defensive oder Außenbahn-Mittelfeldspieler zum Beispiel. Wir werden die Leistungstests in Ruhe auswerten. Normalerweise werden die Tests im Sommer und Winter gemacht. Jetzt will ich mir einfach einen aktuellen Stand zwischen drin holen, um einfach die Trainingssteuerung für die nächsten Monate besser machen zu können.“

Vielen Dank für das Interview.

Stimmen zum Spiel:

Stefan Ruthenbeck (Aalen-Trainer): „Vier gute Möglichkeiten auswärts und du triffst nicht, dann ist es in der Regel so, dass du  das Spiel verlierst. Dresden wollte von Beginn an dieses Spiel gewinnen und zwar mit allen Mitteln. Sie waren sehr aggressiv – das meine ich im positiven Sinne. Sie haben uns teilweise auch gejagt und das wird dann auch belohnt.“

Jasmin Fejzic (Torhüter Aalen): „Die haben es nach den zwei Toren gut gemacht. Wir haben zwar drei, vier gute Chancen gehabt, wo du das Tor machen musst, kannst. Wir haben in unserer besseren Phase zwei Tore kassiert. Wenn du in der zweiten Halbzeit einen Rückstand hinterher läufst, dann reicht es nicht. Du musst von der ersten Minute an konsequent sein.“

Sebastian Schuppan (Dresden – mit 89 % gewonnener Zweikämpfe): „Wir sind froh, dass wir das Ding gezogen haben. Leider war es aber nur ein Anfangsschritt, weil wir noch eine einstellige Punktzahl haben. Das reicht noch lange nicht, um von einem Befreiungsschlag zu reden. In der zweiten Halbzeit haben wir teilweise die Konter grässlich ausgespielt. Wenn man 2:0 führt, dann muss man einfach besser spielen, als das wir gemacht haben.“

Thorsten Schulz (Dynamo – Ex-Aalener): „Man hat heute gesehen, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten. Wir haben die Zweikämpfe gewonnen und die Leidenschaft an den Tag gelegt, was die Fans auch sehen wollen. Ich denke, wir sind verdient als Sieger vom Platz gegangen.“

Zlatko Dedic (Dynamo-Geburtstagskind): „Wir sind auf dem richtigen Weg und ich habe auch gesagt, wir müssen Geduld haben. Später werden auch Ergebnisse kommen und heute ist das der Anfang. Wir haben in der ersten Halbzeit auf Limit gespielt. In der zweiten haben wir diesen Rhythmus nicht halten können.“

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