HC Leipzig Rettung oder Insolvenz: Stadträte mit Antrag auf EUR 300.000 Zuschuss. „Geheimsache“ Sanierungskonzept

Alexandra Mazzucco (re.) und Tamara Bösch - Foto: HC Leipzig
Alexandra Mazzucco (re.) und Tamara Bösch – Foto: HC Leipzig

HC Leipzig Rettung oder Insolvenz: In der partiellen städtischen Rettungsaktion für den sich durch Miss-Management in einer Insolvenz nahen Krise befindenden ehemaligen Vorzeige-Verein HC Leipzig liegen bei der Stadt Leipzig ein Antrag (SPD, Die Linke, Die Grünen) sowie Änderungsantrag von vier Stadträten über einen Zuschuss von insgesamt EUR 300.000 vor. Beide Anträge wurden in die Fachgremien, die Fachausschüsse Finanzen und Sport, übergeben, bevor der Stadtrat in der Ratsversammlung am 17. Mai 2017 einen Beschluss herbei führen kann.

13.04.2017 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp
SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp

„Geheimsache“ Sanierungskonzept des HC Leipzig:

Pikanterweise wollen die Stadträte der drei genannten Fraktionen einen nicht rückzahlbaren Zuschuss für das Sport-Unternehmen HC Leipzig Bundesliga GmbH durch die Leipziger Ratsversammlung beschließen lassen, aber das rettende HCL-Sanierungskonzept bleibt weiter „Geheimsache“, nur den Stadträten vorbehalten und wird nicht der Öffentlichkeit zur Kenntnis gegeben.

Im Beschluss-Vorschlag ist formuliert, dass „allen Stadträtinnen und Stadträten in einem einzurichtenden Datenraum das Konsolidierungs- und Sanierungskonzept zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt wird.“ Hat diese Vorgehensweise demokratisch gewählter Volksvertreter mit Offenheit und Transparenz zu tun?

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HC Leipzig Handball Chronik: Insolvenz oder wirtschaftliche Rettung

Die SPORT4FINAL-Redaktion veröffentlicht im Sinne der journalistischen Chronisten-Pflicht im Folgenden die beiden „Rettungs-Anträge“ – Quelle: Stadt Leipzig, Ratsinformationssystem.

Beschlussvorschlag über EUR 200.000 – eingereicht durch Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Fraktion DIE LINKE, SPD-Fraktion:

1. Der Stadtrat beschließt einen einmaligen Zuschuss an die HCL Bundesliga GmbH von 200.000 €. Dieser Zuschuss wird außerhalb der bestehenden Sportförderrichtlinien zur Weiterführung eines Spielbetriebes in der 1. Handball-Bundesliga geleistet und an folgende Bedingungen geknüpft:

a) Es wird ein von der Sparkasse Leipzig bewertetes tragfähiges Konsolidierungs- und Sanierungskonzept mit positiver Fortführungsprognose vorgelegt und inkl. der Untersetzungen in den Fachausschüssen Sport und Finanzen durch Vertreter/-innen der beauftragten Kanzlei und zuständige Vertreter/-innen Sparkasse Leipzig vorgestellt sowie allen Stadträtinnen und Stadträten in einem einzurichtenden Datenraum zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt.

b) Die in dem Konsolidierungs- und Sanierungskonzept angezeigten Zahlungen der erwähnten Investoren an die Bundesliga-Gesellschaft sind rechtsverbindlich nachzuweisen.

c) Die in dem Konsolidierungs- und Sanierungskonzept erwähnten Gläubiger- und Darlehensgeberverzichte sind rechtsverbindlich nachzuweisen.

d) Das Konsolidierungs- und Sanierungskonzept enthält belastbare Aussagen zum Aufbau eines nachhaltigen Finanzcontrollings.

2. Die Deckung erfolgt aus der Kostenstelle 1089700000 „unterjährige Finanzierung ohne Deckung im Finanzhaushalt“.

Sachverhalt:

Der Fachausschuss Sport hofft, dass der HC Leipzig auch im Herbst 2017 weiter in der 1. Bundesliga Handball spielt. Fast 20 Jahre lang war der Frauenhandball ein wichtiges sportliches Aushängeschild unserer Stadt. Diese Mannschaft ist auch im Goldenen Buch der Stadt Leipzig verewigt. Eine sehr gute Nachwuchsarbeit hat vielen Talenten aus der Region eine echte Chance gegeben.

Leider haben Fehler im Management und die Konkurrenz durch die anderen Ballsportarten in Leipzig zu sinkenden Zuschauerzahlen und Sponsoringeinnahmen geführt, sodass dieser – unser – Verein in einer existenzbedrohenden Situation ist. Das letzte Vierteljahr hat aber eindrucksvoll unterstrichen, dass es zahlreiche UnterstützerInnen gibt.

Im Sport wird häufig über Tradition gesprochen. Der Leipziger Frauenhandball hat eine jahrzehntelange Tradition und es wäre im Jahr der Handball-Weltmeisterschaft ein schlechtes Zeichen an die Sportwelt, würde die Stadt den Verein nicht unterstützen.

Leipzig ist Austragungsort und Gastgeber von Handballspielen zur Weltmeisterschaft. Wir hoffen, dass die schwierige Situation gemeistert und ein nachhaltiges Sanierungskonzept neben einer Entschuldung den Verbleib des HC Leipzig in der 1. Bundesliga sichert. Der Zuschuss in Höhe von 200.000 € entspricht faktisch den Restverbindlichkeiten, mit denen der HC Leipzig nach der Ausgründung aus dem VfB Leipzig hervorgegangen ist. Diesen Teil unverschuldeter Altverbindlichkeiten sollte die Stadt dem Verein als einmaligen Zuschuss zahlen und so einen Beitrag zur Sanierung und nachhaltigen Konsolidierung des Frauenhandballs in unserer Stadt leisten.

Änderungsantrag über EUR 300.000 – eingereicht von Stadträtin Margitta Hollick (Linke), Stadträte Jens Lehmann (CDU), Michael Schmidt (Grüne), Sebastian Walther (SPD)

Der Beschlussvorschlag wird wie folgt geändert:

1. Der Stadtrat beschließt einen einmaligen Zuschuss an die HCL Bundesliga GmbH von 300.000 €. Dieser Zuschuss wird außerhalb der bestehenden Sportförderrichtlinien zur Weiterführung eines Spielbetriebes in der 1. Handball-Bundesliga geleistet und an folgende Bedingungen geknüpft:

a) Es wird ein von der Sparkasse Leipzig bewertetes tragfähiges Konsolidierungs- und Sanierungskonzept mit positiver Fortführungsprognose vorgelegt und inkl. der Untersetzungen in den Fachausschüssen Sport und Finanzen durch Vertreter/-innen der beauftragten Kanzlei und zuständige Vertreter/-innen Sparkasse Leipzig vorgestellt sowie allen Stadträtinnen und Stadträten in einem einzurichtenden Datenraum zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt.

b) Die in dem Konsolidierungs- und Sanierungskonzept angezeigten Zahlungen der erwähnten Investoren an die Bundesligagesellschaft sind rechtsverbindlich nachzuweisen.

c) Die in dem Konsolidierungs- und Sanierungskonzept erwähnten Gläubiger- und Darlehensgeberverzichte sind rechtsverbindlich nachzuweisen.

d) Das Konsolidierungs- und Sanierungskonzept enthält belastbare Aussagen zum Aufbau eines nachhaltigen Finanzcontrollings.

2. Die Deckung erfolgt aus der Kostenstelle 1089700000 „unterjährige Finanzierung ohne Deckung im Finanzhaushalt“.

Sachverhalt:

Das vorliegende Sanierungs- und Konsolidierungskonzept geht aktuell von einem städtischen Zuschuss von 300.000 € aus. Solange dieser nicht teilweise aus anderen Quellen gedeckt werden kann, halten wir einen entsprechend um 100.000 € höheren Zuschuss als die antragstellenden Fraktionen für zwingend notwendig, um die Umsetzung des Konzeptes und damit die Rettung des HCL zu gewährleisten.

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