Volleyball: Bundestrainer Vital Heynen im Interview

05.05.2014 – PM DVL:

Vital Heynen: „Diese Finalspiele sind Spitze in Europa.”

Berlin legt vor: Das dritte Spiel der Finalserie haben die BR Volleys mit 3:1 (25:19, 22:25, 25:21, 25:18) gegen den VfB Friedrichshafen gewonnen. Am kommenden Mittwoch (ab 19.50 Uhr kostenlos bei DVL-live.tv) kann bereits die Meister-Entscheidung fallen. Bundestrainer Vital Heynen spricht über seine Finalprognose, deutsche Spieler bei den Topvereinen und darüber, warum Volleyball-Deutschland stolz auf diese Finalserie sein kann.

Volleyball-Finale: „Ein fünftes Spiel wäre wie Casino”: Bundestrainer Vital Heynen - Foto: Conny Kurth/DVV
Volleyball-Finale: „Ein fünftes Spiel wäre wie Casino”: Bundestrainer Vital Heynen – Foto: Conny Kurth/DVV

Herr Heynen, es steht in der Finalserie 2:1 für Berlin. Sind Sie überrascht vom Verlauf der Play-offs: Erst gewinnt Friedrichshafen in Berlin, dann umgekehrt, nun führt Berlin?

Vital Heynen: „Ich war überrascht davon, dass Berlin das erste Spiel verloren hat. Ich bin nicht davon überrascht, dass sie die Serie drehen können. Aber Friedrichshafen hat auch ein gutes Jahr.“

Glauben Sie, dass Friedrichshafen stärker ist als in den vergangenen beiden Jahren?

Vital Heynen: „Ein Vergleich zum Vorjahr ist schwierig. Jedes Jahr hat seine Geschichte. Man sieht Friedrichshafen an, dass sie schon den DVV-Pokal gewonnen haben. Das sieht etwas ruhiger aus, der Druck ist nicht so hoch. Wenn ich vor den Spielen die Gesichter sehe, sieht das etwas lockerer aus als bei Berlin. Aber normalerweise gewinnt immer die Mannschaft, die es mehr will.“

Wie wichtig ist dieses Gigantenduell für den deutschen Volleyball?

Vital Heynen: „Friedrichshafen hat jahrelang dominiert. Ich finde es unglaublich wichtig, dass Berlin ein ebenbürtiges und in den vergangenen Jahren etwas stärkeres Team stellt. Das ist gut für den Volleyball. Am Sonntag waren wieder fast 8.000 Leute in der Max-Schmeling-Halle. Das sieht man fast nirgends auf der Welt. Zum Beispiel in Polen haben die Finals in diesem Jahr nur 4.000 bis 5.000 Zuschauer besucht. Die Bundesliga-Finalspiele mit diesen Zuschauerzahlen sind in Europa und in der ganzen Welt an der Spitze dabei. Auf diese Finals dürfen die Deutschen ruhig stolz sein.“

Volleyball-Finale: Berliner Volleyballtempel - Zum zweiten Finalspiel strömten wieder fast 8.000 Menschen in die Max-Schmeling-Halle - Foto: Eckhard Herfet/BR Volleys
Volleyball-Finale: Berliner Volleyballtempel – Zum zweiten Finalspiel strömten wieder fast 8.000 Menschen in die Max-Schmeling-Halle – Foto: Eckhard Herfet/BR Volleys

Wie gefallen Ihnen die Finalspiele aus Sicht des Bundestrainers? Mit VfB-Zuspieler Jan Zimmermann ist ein ganz junger Akteur in den Fokus gerückt.

Vital Heynen: „Ich bin ein Gefühls-Trainer. Mein Gefühl sagt mir innerhalb weniger Minuten, ob ein Spieler das gewisse Etwas hat. Von Jan Zimmermann habe ich zwei Bälle gesehen und zu ihm gesagt: Du bist beim nächsten Lehrgang mit der Nationalmannschaft dabei.“

Und sonst?

Vital Heynen: „Ich bin der Meinung, dass es ganz viele gute deutsche Spieler gibt. Aber die haben zu wenige Einsätze. Deshalb setze ich mich schon seit Jahren für eine Ausländerbeschränkung ein. Aktuell hat man ein Finale, wo normalerweise auf jeder Seite nur ein deutscher Spieler steht: Max Günthör und Robert Kromm. Jetzt können wir froh sein über drei, weil Jan Zimmermann glücklicherweise in die Stammformation des VfB gerutscht ist. Aber Russland, Polen, Italien, Brasilien – alle großen Volleyball-Nationen spielen mit Ausländerbeschränkung, alle! Man braucht in der Bundesliga deutsche Starspieler in den Topteams. Mit Günthör und Kromm haben wir in den Finals nur zwei.“

Und diese beiden gehören gerade nicht zum Kader für den Lehrgang des A-Nationalteams.

Vital Heynen: „Beide sind gerade aus persönlichen Gründen nicht dabei. Das heißt aber nicht, dass sie in Zukunft nicht wieder dabei sein können.“

An diesem Montag versammeln Sie die Nationalspieler zum Lehrgang in Düren. Was ist das große Ziel, was über diesem Jahr steht?

Vital Heynen: „Natürlich die Weltmeisterschaft in Polen. Die letzte Medaille, die deutsche Männer geholt haben, datiert von 1972 (Olympia-Silber der DDR-Auswahl, d. Red.). Das ist jetzt 43 Jahre her. Dann ist es doch mal Zeit, dass wir endlich wieder eine Medaille holen. Ich beginne jetzt mein drittes Jahr bei der deutschen Nationalmannschaft. Das erste Jahr stand unter dem Zeichen Olympias, das zweite Jahr war Aufbau und in den Jahren drei, vier und fünf versuchen wir, eine Medaille zu holen. Aber jeder muss verstehen, dass das nicht so einfach ist, wenn man das 43 Jahre nicht geschafft hat. Aber ich denke, dass wir Spieler mit dem Potenzial haben, mit etwas Glück eine Medaille bei einer Großveranstaltung zu holen. Übrigens: Medaille ist das häufigste Wort, das meine Spieler von mir hören. Wenn sie nicht daran glauben würden, bräuchten wir nicht anzufangen.“

Zurück zur Finalserie: Glauben Sie, dass Friedrichshafen im nächsten Spiel am Mittwoch noch einmal zurückkommen kann?

Vital Heynen: „Ich gehe davon aus, dass es Berlin in vier Spielen schafft. Aber wenn es Friedrichshafen gelingt, das vierte Spiel zu gewinnen, dann hat Berlin den Druck. Dann weiß ich nicht, wie die Serie ausgeht, ein fünftes Spiel wäre wie Casino.“

Interview: Ullrich Kroemer

Ergebnisse und Termine Play-off-Finale (Best of five)

Spiel 1: BR Volleys – VfB Friedrichshafen | 2:3 (25:14, 21:25, 21:25, 28:26, 13:15)

Spiel 2: VfB Friedrichshafen – BR Volleys | 1:3 (28:30, 27:25, 20:25, 21:25)

Spiel 3: BR Volleys – VfB Friedrichshafen | 3:1 (25:19, 22:25, 25:21, 25:18)

Spiel 4: Mi, 07.05. | 20:00 Uhr | VfB Friedrichshafen – BR Volleys | ZF-Arena (DVL-live.tv)

Mögliches Spiel 5: So, 11.05. | 15:00 Uhr | BR Volleys – VfB Friedrichshafen | Max-Schmeling-Halle (DVL-live.tv)

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