Handball-WM 2013 Serbien: Heine Jensen im Exklusiv-Interview

25.11.2013 – SPORT4Final:

Handball-WM 2013 Serbien:

Heine Jensen: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken, aber wir müssen unsere Topleistung immer wieder bringen.“

Der Handball-Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft, Heine Jensen, im Gespräch mit SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp vor der am 6. Dezember in Serbien beginnenden Handball-WM 2013 der Frauen.

Bundestrainer Heine Jensen - Foto: DHB/ Sascha Klahn
Bundestrainer Heine Jensen
Foto: DHB/Sascha Klahn

Das WM-Aufgebot für Serbien steht. Sie haben aber nur drei Linkshänderinnen zu Gunsten eines stärkeren Rückraums nominiert. Ist dies nicht ein Risiko?

„Bei solchen Nominierungen gibt es immer Risiken. Das ist eine Sache, die wir uns lange überlegt haben. Klar freuen wir uns auf die Weltmeisterschaft und wir werden alles mitnehmen, was dort möglich ist. Aber wir arbeiten Richtung 2016 und 2017 und da haben wir eine junge Spielerin wie Shenia Minevskaja, die das in der Bundesliga in diesem Jahr sehr ordentlich gemacht hat. Auch, wenn sie mit uns mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Deswegen waren wir der Meinung, dass Shenia dort reingehört auf Grund ihrer momentanen Leistung aber auch auf Grund der Perspektive. Perspektive allein reicht natürlich nicht, aber wir waren der Meinung, dass wir mit Susann Müller, Anne Hubinger und Marlene Zapf drei gute Linkshänderinnen haben, die sich da reinteilen können. Russland ist mehrmals Weltmeister geworden ohne Linkshänderin auf der halben rechten Position. Aber klar ist das ein Risiko, es gibt aber immer Risiken. Jetzt hoffe ich nur für die Spielerinnen und für die Mannschaft insgesamt, dass in der letzten Woche vor der WM alle Nominierten verletzungsfrei durchkommen und wir unsere Zeit gut für die Vorbereitung nutzen werden.“

DHB-Frauen-Nationalmannschaft - Foto: DHB/Sascha Klahn
DHB-Frauen-Nationalmannschaft
Foto: DHB/Sascha Klahn

 

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Was wollen Sie in den beiden Vorbereitungsspielen gegen Schweden besonders testen?

„Ja, was wir versuchen müssen, ist natürlich zu sehen, dass wir allzu viele Abwehr-Angriff-Wechsel vermeiden können. Das wir nicht über weite Strecken mit zwei Wechseln spielen müssen. Das kann sein, dass wir dazu gezwungen werden, aber das müssen wir dann auch mitnehmen. Wir müssen dann einen Weg finden, wie wir uns in der Abwehr schnell formieren nach diesen eventuellen zwei Wechseln. Sonst wünsche ich mir, dass wir noch aggressiver und effektiver in unseren Kontern und der zweiten Welle werden. Letztes Jahr bei der Europameisterschaft haben wir eine sehr gute Deckung gespielt, aber wir haben es nicht geschafft, uns selber für diese gute Abwehrarbeit gut genug zu belohnen. Da hoffe ich sehr, dass sich unsere Konterphase in der Vorbereitung ein bisschen entwickeln kann. Sonst geht es wie immer: Timing wieder zueinander finden. Wir freuen uns.“

Werden wir schon gegen Schweden die 5:1-Abwehr sehen?

„Das kann sein. Wir haben auch schon gegen die Russen in der EM-Qualifikation teilweise die 5:1 gespielt. Wir arbeiten immer wieder daran und wenn wir das für notwendig halten, dann haben es die Mädels auch schon gegen Russland gezeigt, dass wir das auf jeden Fall bringen können. Wir werden weiter daran arbeiten.“

Kurzer Ausblick auf die Vorrunde: Vielleicht haben Sie schon nach dem dritten Spiel, also nach Australien, Tschechien und Rumänien, das Achtelfinale sicher?

„Alles ist möglich. Lass‘ uns erst mal von Spiel zu Spiel denken. Ich weiß, dass das langweilig klingt. Aber aus der Erfahrung sage ich, wenn wir auf einem Mal anfangen, zu weit nach vorne zu denken, dann wird das nicht gut. Wir müssen jeden Gegner respektieren. Wir sollen an uns selber hart arbeiten, an uns selber denken. Wenn wir alle das bringen, was wir bringen können, dann wissen wir mittlerweile, dass wir mit den meisten Mannschaften mithalten können und wir schwer zu schlagen sind. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, aber wir müssen unsere Topleistung immer wieder bringen.“

Haben Sie sich noch einmal das Video vom letztjährigen EM-Finales zwischen Montenegro und Norwegen angesehen. Was kann man aus so einem wahnsinnig guten Finale heraus nehmen?

„Was kann man rausnehmen: Es sind zwei Mannschaften gewesen, die auch noch am letzten Spieltag topfit waren. Mit einem hohen Tempo spielen konnten, mit einer richtig hohen Dynamik in den Zweikämpfen wurde auch die Qualität gesteigert. Sie waren nicht müde auf Grund der Möglichkeit, die Kräfte zu verteilen. Die Spielerinnen waren topfit und das ist klar, das ist das Allerwichtigste. Finalspiele sind eigentlich selten schön, aber das war ein sehr gutes Spiel. Das sind auch zwei Mannschaften, die kontinuierlich mit einer großen Spielergruppe über die Zeit gearbeitet haben. Das war einfach erfreulich für den Frauen-Handball zu sehen, dass ein Finalspiel auf hohem Niveau gespielt wurde.“

Durchgängig auf sehr hohem Niveau …

„Das haben wir auch selber gegen die Russen gemerkt. Man muss durchgehend auf hohem Niveau spielen, fast egal auf wen man trifft. Wir haben in der Gruppe die Tschechen, die Rumänen und die Ungarn – das ist absolute Augenhöhe. Da entscheidet die Tagesform. Und Australien müssen wir natürlich schlagen. Vor Tunesien habe ich persönlich sehr viel Respekt. Das ist eine afrikanische Mannschaft, die sehr flexibel mit sehr vielen guten  Individualisten spielt. Das ist auch kein Selbstläufer. Wir müssen die Füße am Boden behalten und von Spiel zu Spiel denken. Aber wenn wir das schaffen, dann haben wir auch gute Chancen, mit einem guten Gefühl aus Serbien nach Hause zu kommen.“

Was heißt das konkret?

„Wir haben schon gegen die Russen gemerkt, wenn wir bei der Sache und einhundert Prozent fokussiert sind, dann können wir mithalten. Wenn nicht, dann kann es auch sehr schnell auf minus sechs gehen.“

Herr Jensen, vielen Dank für das Interview, alles Gute in der WM-Vorbereitung und viel Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Serbien. 

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