Exklusiv: Renate Wolf zum „Klassiker“. Meisterschaft schon entschieden

04.04.2014 – SPORT4Final:

Vor der Bundesliga-Dominanz des Thüringer HC waren es die Duelle um die deutsche Handballmeisterschaft schlechthin: Die beiden Rekordmeister HC Leipzig und Bayer Leverkusen standen sich zwischen 2006 und 2010 in drei Play-off-Finals gegenüber, in denen jeweils Leipzig gewinnen konnte. Interessanterweise wurde in den Zwischenjahren 2007 und 2008 der 1. FC Nürnberg unter sportlicher Leitung von Herbert Müller deutscher Meister in den Endspielen gegen Leverkusen und Leipzig. Und noch eine kleine Parallele: Bayer Leverkusen und der HC Leipzig, die am Sonntag das nächste Bundesligaspiel in der Meisterrunde bestreiten, holten 2010 jeweils ihre letzten nationalen Titel: Leipzig wurde deutscher Meister und Leverkusen DHB-Pokalsieger. Damals noch in Riesa besiegten die „Elfen“ die HSG Blomberg-Lippe im Finale mit 34:23 Toren. Beide Teams begegnen sich im diesjährigen Halbfinale des Final-4 in Leipzig wieder.

Vor dem Bundesligaspiel Bayer Leverkusen gegen den HC Leipzig bat SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp die ehemalige deutsche Nationalspielerin (96 Länderspiele) und mit dem TV Lützellinden 1991 Europapokalsiegerin der Landesmeister sowie heutige Geschäftsführerin von Bayer Leverkusen, Renate Wolf, um ein Wort.

Bayer Leverkusen: Renate Wolf als Trainerin - Foto: Ralf Kardes
Bayer Leverkusen: Renate Wolf als Trainerin – Foto: Ralf Kardes

Sie erinnern sich an die großen Finalspiele im letzten Jahrzehnt zwischen Leipzig und Leverkusen?

Renate Wolf: „Sicher, es waren immer besondere Spiele. Die meisten Spiele auf Augenhöhe und man kann zu diesen Spielen auch „Klassiker“ sagen.“

Leipzig mit 21 und Leverkusen mit 12 deutschen Meistertiteln sind bislang am erfolgreichsten. Wie sehen Sie nun das Spiel am Sonntag in der Meisterrunde. Als ganz „normales“ Spiel oder schon als Vorbereitung auf ein mögliches Finale beim Pokal-Final-4 gegen Leipzig?

Renate Wolf: „In erster Linie ist das natürlich ein ganz normales Spiel. Denn wir wollen versuchen, den dritten Platz zu halten. Dazu müssen wir punkten. Wir wollen unseren Zuschauern auch ein gutes Spiel zeigen und deshalb gehört das für mich in die Kategorie ‚normales Meisterschaftsspiel‘ mit der entsprechenden Brisanz, weil hier zwei engplatzierte Mannschaften aufeinander treffen.“

Ist die Meisterschaft aus Ihrer Sicht schon entschieden?

Renate Wolf: „Ja klar, die Meisterschaft ist schon entschieden. Wer soll denn Thüringen noch aufhalten? Ich sehe da niemanden.“

Bayer Leverkusen hat als einzige Mannschaft national den Thüringer HC im Pokal-Viertelfinale bezwungen.

Renate Wolf: „Ja, darauf sind wir auch sehr stolz und freuen uns.“

Gehen Sie beim Pokal-Final-4 als großer Favorit an den Start?

Renate Wolf: „Wenn ich mir das richtig anschaue, dann spielen ja die Top drei außer Thüringen in Leipzig. Das sind alles Mannschaften auf Augenhöhe. Da kann jeder jeden schlagen. Unser Sieg in Thüringen war eine Überraschung. Klar, wir sind froh, dass wir das geschafft haben. Wir werden natürlich beim Final-4 alles versuchen, um dort erfolgreich zu sein. Aber das heißt nicht, dass wir eine Favoritenposition haben.“

Bayer hat ja zwei Möglichkeiten, sich wieder für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren?

Renate Wolf: „Genau. Das wollen wir auch versuchen. Wir wollen versuchen, Blomberg zu schlagen, damit wir dann im Endspiel stehen. Damit hätten wir die europäische Qualifikation so gut wie ‚im Sack‘. Aber wir wollen uns natürlich auch über die Meisterrunde einen Qualifikationsplatz erspielen. Es sind zwei Optionen, die wir unbedingt nutzen wollen.“

Sie sind in dieser EHF-Cup-Saison ganz knapp im Viertelfinale an Astrachan gescheitert. Was fehlt Ihrer Mannschaft noch zum großen europäischen Schritt nach vorn?

Renate Wolf: „Uns fehlt das Geld für Spitzenspielerinnen, ganz klar. Wir haben vom Etat nicht die Möglichkeiten, die andere Vereine haben. Deswegen arbeiten wir überwiegend mit jungen Leuten, die wir an die internationalen Ansprüche heran führen wollen. Und wenn wir Glück haben, bleiben diese Spielerinnen bei uns. Ich bin aber auch nicht böse, wenn diese bei uns ausgebildeten Spielerinnen sagen, ich gehe jetzt ins Ausland, um Geld zu verdienen. Aber es reicht eben nicht, um gegen europäische Spitzenmannschaften zu konkurrieren.“

Sie verlieren mit Marlene Zapf und Denisa Glankovicova den starken rechten Flügel. Ergänzen Sie mit Nachwuchsspielerinnen oder schauen Sie sich auch auf dem Markt um?

Renate Wolf: „Es müssen Spielerinnen sein, die bei uns ins Budget passen. Wir haben schon einige Spielerinnen beobachtet.“

Budget ist für mich das nächste Stichwort. Steht der Etat für die nächste Saison?

Renate Wolf: „Er steht.“

Konnten Sie neue Sponsoren gewinnen?

Renate Wolf: „Wir haben die Sponsorenunterschrift unseres Konzerns Bayer AG, ohne die Unterschrift hätten wir gar keine Chance. Es ist so, dass wir schon seit Jahren auf einen Sponsorenfonds zurückgreifen dürfen. Sukzessive kommt der eine kleinere oder größere Partner dazu. So dass wir unseren Standard, den wir jetzt haben, halten können.“

Freuen Sie sich jetzt auch auf das Wiedersehen mit Ihrer ehemaligen Spielerin Anne Müller?

Renate Wolf: „Ich freue mich immer, Anne Müller zu sehen. Sie hatte sich bei uns zu einer richtigen Spitzenspielerin entwickelt.“

Wieso gab es auf der Trainerposition eine Neuorientierung des Vereins, denn Heike Ahlgrimm leistete doch bisher eine sehr gute Arbeit?

Renate Wolf: „Da müssen Sie mich jetzt auch verstehen, dass ich zu dieser Personalie nichts sagen möchte. Das haben wir so vereinbart. Heike Ahlgrimm und wir gehen im Guten auseinander.“

Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschen Nationalspielerinnen und Trainerinnen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Nationalmannschaft?

Renate Wolf: „In ein oder zwei Sätzen ist das schwer zu beantworten. Die Mannschaft ist auf dem richtigen Weg. Es sind gute Nuancen erkennbar. Susann  Müller hat eine überragende Weltmeisterschaft gespielt.“

Was wünschen Sie sich aus sportlicher Sicht in den nächsten Jahren persönlich und für den Verein?

Renate Wolf: „Ich wünsche mir, dass wir es über Jahre hinaus schaffen, weiter so zu arbeiten und der Frauen-Handball hier in Leverkusen bundesligatauglich ist. Persönlich wünsche ich mir das Wichtigste – Gesundheit.“  

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Kommentar verfassen