Dynamo Dresden bei 2:2-Remis gegen Paderborn mit bewundernswerter Moral

22.09.2013 – SPORT4Final:

Aus Dresden berichtet SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp.

Dynamo-Trainer Olaf Janßen im SPORT4Final-Interview: „Das Positive an diesem verkorksten Nachmittag: Die Mannschaft glaubt an sich und das gemeinsame Ziel, den Klassenerhalt.“

Romain Bregerie: „Ein Punkt ist aber besser als kein Punkt.“

Dynamo Dresden vs. SC Paderborn 2:2 -  Foto: SPORT4Final
Dynamo Dresden vs. SC Paderborn 2:2 –
Foto: SPORT4Final

Dynamo Dresdens 2:2-Unentschieden gegen Paderborn ist ein Mutmacher. Vielleicht tendenziell auch mehr. Zumindest in der Moral, im Kampfgeist und der Einsatzbereitschaft der Mannschaft. Auch das „Innenleben“ des Teams scheint sich wieder positiv zu entwickeln. Nur im spielerischen Bereich, in manchen Zweikampfsituationen im eigenen Strafraum und bei der Chancenverwertung gibt es noch viel Arbeit für die Spieler und Trainer Janßen. Denn: Steht man im Mannschaftssport erst mal im Keller der Tabelle, muss ungemein viel investiert werden, um wieder an den anderen Teams vorbei nach oben zu kommen. Auch um das manchmal fehlende Glück zu zwingen und Tore zu erzielen …

Dynamo Dresden vs. SC Paderborn 2:2 -  Foto: SPORT4Final
Dynamo Dresden vs. SC Paderborn 2:2 –
Foto: SPORT4Final

[private]

Beispiel Halbzeit 1: Bei einem klaren Vorteil (4:1) sehr guter Tormöglichkeiten gelang es den Dynamo-Mannen nicht, in Führung zu gehen. Gerade für die Psyche ein wichtiges Momentum. Lag es an ungenauen, teilweise nicht entschlossen genug vorgetragenen Abschlussaktionen oder vielleicht an der Schusstechnik? Dynamo machte sich das Leben gegen nicht überragend agierende Paderborner selbst schwer in einer insgesamt körper- und zweikampfbetonten, aber spielerisch nicht überzeugenden Vorstellung beider Mannschaften.

Beispiel „Weckruf“ Elfmeter ohne Schiedsrichterpfiff: Paderborns erste gute Kombination schloss Wurtz kurz nach der Pause zur Gäste-Führung ab. Aber dann: Dedic wurde nach gewonnenem Zweikampf und Laufduell im Strafraum gefoult – der Schiedsrichter entschied auf Freistoß für Paderborn. Diese Fehlentscheidung in der 55. Minute war für die Dynamos der „Weckruf“ zu guten 20 Minuten, in denen das Spiel mit zwei schönen Toren durch Einwechsler Aoudia (Kopfball war seine erste  Aktion) und einem 20-Meter-Präzisionsschuss von Dedic gedreht wurde. Der Gastgeber dominierte und die Fans waren aus dem Häuschen – eben auch besonders durch den unterlassenen Elfmeterpfiff.

Beispiel Dynamos „Rückzug“ aus der vorderen Spiellinie: Dies brachte Paderborn nach dem Rückstand wieder ins Spiel zurück und die Janßen-Schützlinge standen nicht mehr so dicht am Mann und arbeiteten nicht mehr so stark gegen den Ball. Ein Standard, wie oft eigentlich schon in Heimspielen (?), ließ Paderborn zum zweiten Treffer gelangen und am Ende jubeln. In der Effizienz der Chancenverwertung waren die Gäste den Dresdnern überlegen. Deshalb auch ein verdienter Auswärtspunkt!

Wieder kein Dreier aus Dresdener Sicht. Stimmt. Aber ein Sieg der Moral und Einstellung einer weiter für den Klassenerhalt kämpfenden Mannschaft. Insofern doch ein Dreier, der sich im Verlauf der noch langen Saison noch bezahlt machen kann …  

SPORT4Final-Interview mit Olaf Janßen (Trainer Dynamo Dresden):

Dynamos Spielweise aus der leichten Konterstellung wirkt wesentlich effizienter und besser vorgetragen als im normalen Positionsangriff. Teilen Sie diese Meinung?

„Ich glaube nicht, dass wir uns zu einer Kontermannschaft entwickeln sollten. Dazu haben wir nicht die Spieler, die jetzt rein in der Defensive arbeiten im Konterspiel und dann gefährlich werden. Was sicherlich richtig ist, dass ich erwarte, auch im Spiel gegen den Ball, dass wir alle mitarbeiten. Und Bälle, die an uns vorbei gehen, wir uns auch drehen und nach hinten helfen. Und dann erobern wir mehr Bälle, wenn wir das dann tun, sind wir logischerweise fast dann in einer Konterhaltung. Insofern stimmt es, und stimmt auch nicht.“

Im spielerischen Bereich gibt es sicherlich noch viel zu tun, gerade im Spiel nach vorn?

„Das ist aber nicht sehr verwunderlich. Das ist ein Prozess, den wir angestoßen haben. Aber der wird sich sicherlich noch weiter und deutlich nach oben entwickeln. Hoffe ich natürlich.“

Wie wollen Sie in das nächste Spiel auswärts gegen Spitzenreiter Greuther Fürth von der konzeptionellen Seite reingehen? Sie haben ja nichts zu verlieren.

„Na ja, drei Punkte sind zu verlieren, wie in jedem Spiel. Die wollen wir nicht freiwillig hergeben. Es ist sicherlich so, dass wir uns einige Gedanken machen müssen, wie wir Greuther Fürth aufhalten wollen. Ich habe Sie live am Freitag bei Union Berlin gesehen. Ich war schon schwer beeindruckt. Ich habe Sie im Sommer im Trainingslager in Österreich gesehen und ich kenne diese Mannschaft sehr gut. Wir werden uns so einstellen, dass wir den Fürthern das Leben so schwer wie möglich machen. Das ist klar und wie der Plan dann aussieht – bis nächsten Montag haben wir noch Zeit.“

Planen Sie auch mit dem 4-4-2-System oder gehen Sie defensiver mit einem Stürmer ins Spiel?

„Das werden wir dann sehen.“

Danke und viel Erfolg.

Stimmen zum Spiel:

Andre Breitenreiter (Trainer Paderborn):

„Wir haben heute ein verdientes Unentschieden gesehen, auch wenn die Chancenvorteile bei Dynamo Dresden lagen … Wir haben unsere Moral mit dem Ausgleich belohnt.“

 Olaf Janßen:

„Wir sind nach der Halbzeit ganz bitter bestraft worden. Ich bin sehr froh, dass die Mannschaft weiter an sich geglaubt hat und nicht zerfallen ist. Wir haben uns dann mit den beiden wunderbaren Toren belohnt … Dann fehlte ein bisschen der Mut und wir haben den Gegner in dieser Phase aufgebaut. Wir sind dann mit der Standardsituation bestraft worden. Das Positive an diesem verkorksten Nachmittag: Die Mannschaft glaubt an sich und das gemeinsame Ziel, den Klassenerhalt.“

Jens Wemmer (Paderborn):

„Wir haben Gott sei Dank das zweite Tor erzwungen. Im Endeffekt geht das 2:2 in Ordnung.“

Romain Bregerie (Dynamo-Kapitän):

„Nach dem Rückstand haben wir gut reagiert – zwei wunderschöne Tore. Wir waren auf einem guten Weg … Ein Punkt ist aber besser als kein Punkt.“

[/private]

Kommentar verfassen