Handball WM 2017 Deutschland: Andreas Thiel „Minimal-Ziel Halbfinale realistisch“

Handball WM 2017 Deutschland:

Andreas Thiel: „Die Handball WM kann die Wertigkeit des Frauen-Handballs deutlich stärken, aber dafür brauchen wir eine erfolgreiche Nationalmannschaft. Die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für die WM hängt ausschließlich vom Ergebnis der Ladies ab.“

Handball Pokal Final4 2014 Leipzig: Andreas Thiel - Foto: SPORT4Final
Handball Pokal Final4 2014 Leipzig: Andreas Thiel – Foto: SPORT4Final

Der neben Wieland Schmidt zweite legendäre ehemalige Torhüter der deutschen Nationalmannschaft, Andreas Thiel, ist inzwischen sowohl als Justiziar der DKB Handball-Bundesliga wie auch als Torwart-Trainer bei den Handballerinnen von Bayer Leverkusen tätig.

Im Interview beleuchtet er die WM-Vorrunden-Gruppe der „Ladies“ bei der Handball WM in Deutschland (01. bis 17. Dezember), die Stärken von Frauen-Bundestrainer Michael Biegler und zieht einen Vergleich zum Männer-Handball.

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29.06.2017 – PM DKB HBL / SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Herr Thiel, was sagen Sie zur Vorrunden-Gruppe der „Ladies“, die am 27. Juni in Hamburg ausgelost wurde?

Andreas Thiel: „Ich gehe felsenfest davon aus, dass die Ladies sich in dieser Runde durchsetzen werden. Die Gegner der Vorrunden-Gruppe haben nicht die Qualität, die ein Ausscheiden unseres Teams wahrscheinlich machen würde. Serbien, Kamerun und China muss man im eigenen Land schlagen. Bei Vize-Weltmeister Holland muss man sehen – die sind gut! Ich sehe Platz zwei als sehr wahrscheinlich an.“

Und wie weit kann es insgesamt gehen?

Andreas Thiel: „Bei einer Weltmeisterschaft im eigenen Land kann das Minimalziel nur Halbfinale lauten. Ich denke, das ist auch nicht unrealistisch. Natürlich kann in einem K.-O-Spiel immer mal was schief gehen. Der Ball springt an den Innenpfosten und wieder raus statt rein – und schwupp, bist du ausgeschieden. Die Ladies sind aber mittlerweile so stabil, dass ich ihnen das Halbfinale zutraue.“

Worauf lässt sich diese Stabilität zurückführen?

Andreas Thiel: „Die Entwicklung der Frauen-Nationalmannschaft ist zu einem großen Teil dem Trainer zu verdanken. Das hat sich schon bei der EM gezeigt, als wir nur hauchdünn am Halbfinale gescheitert sind. Da hat die Mannschaft schon sehr gut gespielt und sie wird noch besser, da bin ich sicher.“

Warum schafft es ausgerechnet Michael Biegler, bei den „Ladies“ so einen Entwicklungsschritt hervorzurufen?

Andreas Thiel: „Bieglers Vorteil ist, dass er die Frauen nicht anders als die Männer behandelt. Für ihn ist Handball eben Handball. Die erfolgsentscheidenden Faktoren sind die gleichen. Eine stabile Abwehr, eine gute Chancenverwertung und wenige technische Fehler im Angriff.“

Wo liegen die Stärken dieser Mannschaft und wo muss sie noch einen Schritt nach vorne machen?

Andreas Thiel: „Die Stärken liegen im Tor und in der Abwehr. Woran die Ladies noch arbeiten müssen, und da bin ich gespannt, ob das bei der WM hinhaut, ist die Chancenverwertung. Die war schon immer das Manko. Die Ladies haben schon viele gute Spiele gemacht, aber das Ding ging einfach nicht rein.“

Sie kennen sich im Frauen- und im Männer-Handball bestens aus. Wo sehen Sie Parallelen, wo Unterschiede?

Andreas Thiel: „Die spielerische Qualität bei den Spitzenmannschaften der Frauen, ich denke da zum Beispiel an Norwegen, ist schon außergewöhnlich hoch. Das Spiel ist aber nicht so intensiv wie bei den Männern – die Frauen verhauen sich nicht so wie die Männer.“

Hand aufs Herz, wie oft schauen Sie sich ein Frauen-Handballspiel an?

Andreas Thiel: „Während der Saison mindestens ein Spiel pro Woche, da ich in Leverkusen bei den Heimspielen mit auf der Bank sitze. Ab und zu schaue ich mir aber auch Spiele der 2. Mannschaft oder der A-Jugend an. Und beim Final Four der Frauen in Bietigheim-Bissingen war ich live vor Ort.“

Welche Erwartungen haben Sie insgesamt an die Weltmeisterschaft? Wird sie simply wunderbar, wie es der offizielle Slogan propagiert?

Andreas Thiel: „Die Handball WM kann die Wertigkeit des Frauenhandballs deutlich stärken, aber dafür brauchen wir eine erfolgreiche Nationalmannschaft. Die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für die WM hängt ausschließlich vom Ergebnis der Ladies ab. Wenn sie das Halbfinale in Hamburg erreichen ist alles gut.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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