Olympia Rio 2016 Kommentar: Sport besiegt Doping – nur wann?

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Olympia Rio 2016 Kommentar: Sport besiegt Doping – nur wann? - Foto: Fotolia
Olympia Rio 2016 Kommentar: Sport besiegt Doping – nur wann? – Foto: Fotolia

Olympia Rio 2016: Die Olympischen Sommerspiele von Rio de Janeiro sind Geschichte. Die Ergebnisse und Zahlen nach 306 Entscheidungen auszuwerten, überlasse ich den Experten. Einige Highlights sind bei mir aber in Thesenform hängen geblieben.

Ein Kommentar von SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp.

23.08.2016 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:Olympia

Olympia Rio 2016: Die 17 olympischen Tage haben sportliche Vielfalt, herausragende Leistungen und „menschliche“ Schicksale durch die öffentlich-rechtlichen Medien ans Tageslicht gebracht. Die sportliche Breite an interessanten Sportarten in der sonst medial vom Fußball dominierten öffentlichen Wahrnehmung war mehr als eindrucksvoll.

Die „silberne“ Bogenschützin Lisa Unruh wird mir genauso in Erinnerung wie der Fußball-Elfer-Unglücksrabe Nils Petersen bleiben. Dafür ein Dank an ARD und ZDF mit qualitativen Unterschieden zwischen den Sendern und Kommentatoren.

In der Dopingfrage bezogen die deutschen Fernseh-Leitmedien zu Recht ganz klar Stellung gegen das Staats-Doping in Russland und Kenia. Worüber sie aber nicht berichteten: Wie werden die Dopingkontrollen bspw. in den USA und Jamaika durchgeführt? Provokativ gefragt: Werden dort überhaupt (un)angemeldete Kontrollen und in welchen Zeitintervallen durch die NADA’s vorgenommen?

Über den Zustand der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) darf man sich nach der Einschätzung von DOSB-Präsident Alfons Hörmann nicht mehr wundern: „Mein Weltbild zur WADA hat sich noch einmal dramatisch verschlechtert“, sagte er: „Was man von Insidern hört – da wundert man sich an der einen oder anderen Stelle über nichts mehr.“ Wie mag es da um die NADA’s in den USA und Jamaika bestellt sein?

Schaut man sich nur tendenziell die USA-Leichtathletik an, gab es schon eine Menge gedopter Olympiasieger und Medaillenträger, denen ihre Plaketten aberkannt wurden: Jones, Young, Pettigrew, Hunter (Ehemann von Jones), Dees, Griffith-Joyner (an Herzversagen gestorben), Gay oder Gatlin zzgl. Trainer Graham. Jamaikas Sprinter Powell und Simpson wurden kurz vor der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau Dopingmittel nachgewiesen. Unter den zehn schnellsten 100-Meter-Läufern aller Zeiten in der Leichtathletik wurden neun Athleten des Dopings überführt – darunter jeweils vier Amerikaner und vier Jamaikaner zzgl. Johnson (Kanada). Nur der Schnellste, Usain Bolt, gilt bislang als unbelastet. 

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF braucht scheinbar den erfolgreichen Saubermann Usain Bolt, um die Doping verseuchte olympische Kernsportart vor dem Untergang zu retten. Warum der IAAF-Präsident Sebastian Coe, britischer Doppel-Olympiasieger von 1980 und 1984 über 1.500 Meter und ohne Dopingvergehen, nicht eine klare Linie gegen Dopingsünder (nur gegen Russland!) fährt, bleibt auch unklar. Nicht zu vergessen die Leichtathletik in Deutschland: Die Fälle Baumann und Krabbe hinterließen nach der deutschen Einheit auch Doping-Spuren.

Sind den Amerikanern Medaillen und Siege in den Nationen-Wertungen wichtiger als eine einwandfreie Doping-Moral und Anti-Doping-Kultur? Über den größten amerikanischen Dopingsünder und Betrüger aller bisherigen Zeiten, Radsportler Armstrong incl. des spanischen Doping-Arztes Fuentes, will ich mich nicht auslassen. Besser wäre doch: Schwimmer Michael Phelps als erfolgreichster Olympionike aller Zeiten (23 Olympiasiege) würde mal das Phänomen seiner Erfolge erklären.

Die russische Leichtathletin und Stabhochsprung-Doppel-Olympiasiegerin von Athen 2004 und Peking 2008, Jelena Isinbajeva, wurde in die IOC-Athletenkommission von Sportlern gewählt. Ein Erfolg für die russische Leichtathletik und den Sport des „Putin-Reiches“. Isinbajeva ist nie des Dopings überführt worden – auch dies ist eine historische Wahrheit. Was völlig daneben war: Kurz vor den Rio-Spielen unterstellte sie beweislos den USA, Großbritannien, Deutschland sowie Kenia (Beweise liegen vor) systematisches Doping – also Staats-Doping. Sportlernamen nannte sie nicht.

Die Whistleblowerin Julia Stepanova wurde m. E. zu Recht nicht für die Olympischen Spiele in Rio zugelassen. Wer selbst wegen Dopings gesperrt und Teil des Dopingssystems Russlands war, kann nicht nachträglich „freigesprochen“ und mit einer Olympia-Teilnahme begnadigt werden.

Für mich sind die dopingfreien „Tobas“ die wahren olympischen Helden – nicht die „Stepanovas“ und Dopingsünder wie Gatlin und Jefimowa. Turner Andreas Toba zog sich im Bodenturnen einen Kreuzbandriss sowie eine Innenmeniskus-Verletzung zu. Für seine Mannschafts-Kollegen stieg er dann noch als Spitzenturner ans Seitpferd, um den Mannschafts-Erfolg nicht zu gefährden. Der wahre olympische Geist zeigte sich bei Andreas Toba, den so viele saubere und faire Sportler in Rio de Janeiro ebenfalls besaßen.

Der Sport wird irgendwann den Dopingsumpf trocken legen, wenn das IOC und die Weltverbände klare Positionen beziehen, Anti-Doping-Systeme für alle Nationen beschließen und diese einheitlich umgesetzt werden. Wie lange dies noch dauern wird kann niemand sagen. Zumal ja selbst Funktionäre in Weltorganisationen (FIFA, IOC) nicht doping-korruptionsfrei waren und sind.


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