Fuchsbau-„Höllenspektakel“ in Berlin: Madrid mit Glück, Hombrados und reiferer Spielanlage nach 26:27-Sieg im Champions-League-Viertelfinale

Es war Werbung für den Handball, die Playoffs sowie das Abschaffen der überlangen, von großen Leistungsunterschieden geprägten, Gruppenphase mit 24 Mannschaften in der Champions League. Nach zwei kampfbetonten, rassigen und gutklassigen Spielen im Achtelfinale war Atletico Madrid um genau ein Tor besser als die Füchse aus Berlin. 

 

Oder anders ausgedrückt: Den Berlinern fehlten beim 26:27 durch Lazarov genau 32 Sekunden zum Weiterkommen.    [private]

Oder wiederum anders gesehen: Der Pfosten stand bei Jaszkas Wurf 5 Sekunden vor Schluss im Weg bzw. Berlins Spielmacher traf leider nicht den Innenpfosten … Alles „wenn und Aber“ hilft am Ende nicht – die Berliner sind nach großem Kampf ausgeschieden – konnten aber auch nicht an die großartige, dominante zweite Spielhälfte in Madrid qualitätsmäßig anknüpfen.

Im Fuchsbau-„Höllenspektakel“ taten die Berliner bereits vor und während des Spiels alles für das Weiterkommen: Der Hallensprecher verbreitete ein „Super-Flair“ an Champions-League-Stimmung, die „Laola-Welle“ zog durch die, mit 9000 Zuschauern gefüllte, Halle und Spielmacher Jaszka wurde, 9 Tage nach einer Operation am Blinddarm, ab der 10. Minute bei einem 2:6-Zwischenstand ins Spielfeuer geworfen.

Die Hausherren gingen übermotiviert und mit 3 Fehlwürfen, einem taktischen Foul incl. Zeitstrafe ins Spiel. Dagegen gelang den Gästen fast alles im Vorwärtsgang mit gut heraus gespielten Toren. Schon in dieser Phase und im weiteren Verlauf der ersten Hälfte bot Madrid aus dem Rückraum mit fünf Klasseleuten, darunter 3 Spielmachern mit Balic, Canellas und Lazarov aus dem rechten Rückraum (!), die reifere Spielanlage an. Diesbezüglich hatte Madrids Trainer Dujshebaev mehr Wechselalternativen, die er mit Doppelwechseln (außer Lazarov) jeweils in Anspruch nahm. Aber die Berliner Füchse kamen mit Jaszka, Romero und vor allen Dingen Igropulo (5 Tore) in der ersten Halbzeit besser ins Spiel. Auch Heinevetter steigerte sich, womit den Füchsen nach dem 4:9 (16.) durch Pevnov der Anschlusstreffer zum 9:10 in der 24. Minute gelang. Vor allem Pevnov wurde nicht nur selbst torgefährlich, sondern sperrte und riss am Kreis die Lücken. In der 25. Minute wechselte Madrid den Torhüter und Kapitän Hombrados kehrte zum zweiten Mal nach fünfmonatiger Verletzungspause zwischen die Pfosten zurück. Eine Einwechslung mit Signalcharakter für die zweite Spielhälfte, nachdem es leistungsgerecht mit 13:14 für Madrid in die Pause ging.

Berlin erhöhte zu Beginn der zweiten 30 Minuten das Spieltempo sowie die Aggressivität in der Abwehr. Selbst Christophersen erhielt zwei Zeitstrafen – im Angriff blieb er blas und ohne Torerfolg. Seine Durchschlagskraft wurde im ganzen Spiel schmerzlich vermisst. Auch Romero konnte an seine glänzende Spielstrategie aus dem Hinspiel sowie Torgefährlichkeit (diesmal nur 4 gegenüber 8 Toren) nicht anknüpfen. So hielt Igropulo mit insgesamt 8 Toren die Berliner lange im Spiel und sogar auf Viertelfinalkurs. Denn bei eigener 19:16-Führung (37.) schien sich die Spielwende zu Gunsten der Gastgeber abzuzeichnen. Aber Madrid war an diesem Abend spieltaktisch cleverer und psychisch stark, weil sie nicht einbrachen und zum Gegenschlag innerhalb von 6 Minuten mit einem 5:0-Lauf in der Lage waren. Sie stellten die Abwehr zur flexiblen 5:1 bzw. 3:2:1-Formation um, sorgten für zwei Tore in Unterzahl, Hombrados hielt zwei wichtige freie Bälle von Igropulo sowie Pevnov und die Gäste waren mental im Aufwind. Die sich andeutende, realistische Berliner Viertelfinalchance wurde mit spielerischen Mitteln begegnet. Vom 22:22 (50.) bis zum 26:26 (59.) antwortete Madrid auf jede Berliner 1-Tore-Führung sofort mit einem schnellen Gegentor. Selbst Stochl, der Heinevetter in der 48. Minute im Tor ablöste, und zwei Siebenmeter in Folge hielt, konnte kein Gegengewicht zu Hombrados (10 gehaltene Bälle zzgl. 5 Bälle von Dahl) mehr aufbauen. In der Torhüterfrage war letztendlich das „Erfolgs-Momentum“ auf Madrider Seite. Auch die scheinbar aktive Einflussnahme von Manager Hanning als „Co-Trainer“ von Chef Sigurdsson in den letzten fünf Spielminuten half nicht mehr entscheidend weiter.

Die Endphase des Spiels war an Dramatik, Hochspannung und Emotionen nicht mehr zu überbieten. Ein Champions-League-Klassiker in Kurzfassung: Berlin im Viertelfinale mit dem 26:26 und Auszeit Madrid nach 59:14 bei Hereinnahme des siebenten Feldspielers Markussen. Lazarov (6 Tore) mit der 26:27-Führung nach 59:28. Danach Auszeit Berlin bei 59:46 und ebenfalls mit einem siebenten Feldspieler Jaszka in die letzten Sekunden des Spiels gehend. Bei 59:55 traf Jaszka aus 8 Metern an den Pfosten und Ballgewinn Madrid. Die Spanier damit im Viertelfinale der Champions League.

Für den neutralen SPORT4Final-Betrachter hatte dieses denkwürdige Champions-League-Spiel einen hohen Spiel- und Erlebniswert. Madrid zog für mich trotz des knappen Ausganges verdient in die nächste Runde ein. Im Hinspiel konnten die Berliner Füchse in den letzten Minuten den 2-Tore-Rückstand noch ausgleichen. Diesmal gelang dies nicht mehr. Madrids Leistungssteigerung im Spielaufbau, der Chancenverwertung sowie im Torhüterbereich war spielentscheidend. Trotzdem ist den Spielern der Füchse Berlin eine großartige kämpferische Einstellung sowie Gesamtleistung in der diesjährigen Spielzeit der „Königsklasse“ zu bescheinigen. Glückwunsch hierfür aus Leipzig und von Talant Dujshebaev in der Pressekonferenz: „Ich bin sehr zufrieden, in diesem Moment bin ich der glücklichste Mann in der Handballwelt. Wir sind gegen ein sehr starkes Team in das Viertelfinale eingezogen.“

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