Dynamo Dresden im emotionalsten „Fußball-Kessel“ mit 1:0-Derbysieg gegen Energie Cottbus

27.10.2013 – SPORT4Final:

SG Dynamo Dresden vs. FC Energie Cottbus 1:0 (0:0)

SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp berichtet live aus dem Dresdner „Glücksgas-Stadion“.

Robert Koch: „In einem Derby zählen Kampf und Leidenschaft und ein großer Wille, diese Punkte hier zu behalten.“

Rudi Bommer: „Mir war klar, wer das erste Tor schießt, der gewinnt auch das Spiel.“

Olaf Janßen: „Für mich gehören diese Leute brutal bestraft und die haben für mich ein Leben lang, den Weg ins Stadion nicht mehr zu finden.“

Eindrucksvolle Schiedsrichterleistung durch Felix Brych („Phantomtor“)

SPORT4Final-Exklusiv-Interview mit Olaf Janßen

Dynamo Dresden vs. Energie Cottbus 1:0 - Foto: SPORT4Final
Dynamo Dresden vs. Energie Cottbus 1:0
Foto: SPORT4Final

Im emotionalsten deutschen „Fußball-Kessel“ besiegte in der zweiten Bundesliga Dynamo Dresden im (Ost)Derby Energie Cottbus verdient mit 1:0 Toren. Damit steht Cottbus nun mit 13 Punkten auf dem 15. und Dresden mit einem Punkt weniger dahinter auf dem 16. Tabellenplatz.

Selbst als neutraler Spielbeobachter konnte man die emotionsgeladene Stimmung auf den Rängen im positiven Sinne spüren. Ein ganzes Stadion mit knapp 30.000 Zuschauern bebte. Stand wie „eine Wand hinter der Mannschaft“ (Olaf Janßen) und trieb diese geliebte Mannschaft mit stimmungsvollen Gesängen immer wieder nach vorn. Da blieb auch das „kühle Nervenkostüm“ des Spielbeobachters nicht ohne Emotionen. Ein denkwürdiger Fußball-Nachmittag mit einem höchst erinnerungswürdigen Derby.

Und Dynamo gewann durch Leidenschaft, unbändigen Kampfgeist und starken Willen das Spiel. Nicht wegen spielerischer Dominanz und Überlegenheit. Der Wille konnte Berge versetzen und drei Punkte bescheren!

Leider wird man sich auch an einige Cottbuser Feuerwerkskörper werfende Chaoten erinnern, die den eindrucksvoll leitenden Schiedsrichter Brych zweimal zum Abbruch (2 und 12 Minuten) zwangen. Dass diese Menschen nicht ins Stadion gehören, ist völlig klar und im Meinungsbild unbestritten. Die Vereine und der Fußball leiden. Zum Glück konnte das Match zu Ende gespielt werden.

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In Dresdens starker Anfangsphase mit drei guten Torchancen durch Losilla und Trojan wäre schon die Führung möglich gewesen. Danach „beruhigte“ Cottbus das Spiel und kam über die reifere Spielanlage, besserem Kurzpassspiel selbst zu Tormöglichkeiten. Banovic zwang Kirsten per Freistoß in der 40. Minute zur Faustabwehr. Auch Takyi (18.) und Sanogo (25.) hatten gute Chancen. Dresden arbeitete nicht mehr so aggressiv gegen den Ball, aber Cottbus wirkte in vielen Situationen zu verspielt, ohne den letzten Biss für den Torerfolg. So waren die Gäste bis zur Pause mehr als ein gleichwertiger Gegner für Dresden.

Das gleiche Bild auch zu Beginn der zweiten Halbzeit. Cottbus war dem Führungstor wesentlich näher als der Gastgeber. Wiederum Takyi hatte in der 59. Minute per Doppelpass frei vor Kirsten die beste Einschussmöglichkeit, die er durch einen technischen Fehler kläglich vergab. Auch Stiepermanns Fernschuss nach 68 Minuten konnte Kirsten zur Ecke klären.

Dresden hielt kämpferisch und laufstark dagegen. Die zweite Chance (Koch im Strafraum – 58.) nach Abwehrfehler von Energie Cottbus brachte in der 73. Minute nach Ouali-Flanke durch Potes Kopfball die erlösende Führung. Für Dynamo und den Stürmer, der genau nach 364 Tagen wieder ein Tor erzielte. Nach dem 12-minütigen Spielabbruch (75.) des Schiedsrichters mit Gang der Spieler in die Kabinen wurde Dresdens Torhüter Kirsten nur noch einmal durch Sanogos Kopfball (86.) ernsthaft geprüft. Kirsten bestach an diesem Nachmittag mit einer großartigen Leistung. Dynamos spielerische Gesamtleistung war phasenweise bezüglich der Spiel- und Passsicherheit noch nicht überzeugend. Cottbus wirkte spielerisch gefälliger, war aber im Strafraum oftmals zu unentschlossen. Insofern geht der Dresdner Derbysieg insgesamt in Ordnung.  

Am SPORT4Final-Mikro waren:

Filip Trojan: „Es war schwere Arbeit, definitiv. Mickas Tor macht den Sieg noch schöner. Wichtig sind für mich unsere Fans, was die gemacht haben, war wiedermal Bundesliganiveau.“

Romain Bregerie: „Danach (1.Hälfte – d. A.) haben sie das Spiel 25 Minuten kontrolliert. Wir haben im Mittelfeld zu viele Lücken gelassen. Wir haben das in der Halbzeit taktisch geregelt und die zweite Halbzeit war besser.“

Benjamin Kirsten: „Ohne Gegentor zu bleiben ist wichtig für die Abwehr und die ganze Mannschaft. Man sollte keinen Spieler herausheben, sondern alle haben ihre Beteiligung am Sieg. Wir haben uns das mit einer bären Einstellung erarbeitet.“

Robert Koch: „Es war heute ein dreckiger Sieg. Wir haben heute nicht den besten Fußball gespielt. Aber in einem Derby zählen Kampf und Leidenschaft und ein großer Wille, diese Punkte hier zu behalten.  

Mickael Pote: „Ich bin sehr, sehr glücklich. Und ich hoffe, das war nicht das letzte Tor. Wir spielen jetzt besser zusammen. Wir spielen jetzt mit zwei Stürmern – das ist besser.“

Rudi Bommer: „Es war ein sehr gutes Derby. Es war alles drin, was ein Derby haben muss. Wir waren für ein Auswärtsspiel sehr gut im Match drin. Die Crux ist, dass wir im Moment vorn nicht treffen. Entweder die Tormöglichkeiten nicht sauber herausspielen oder nicht genau platzieren. Mir war klar, wer das erste Tor schießt, der gewinnt auch das Spiel. Glückwunsch an Dresden, sie haben mit Leidenschaft gespielt.“

Olaf Janßen: „Es war auch für mich ein sehr emotionales Spiel. Unglaublich, wie wir von unseren Fans unterstützt werden. Ein ganzes Stadion steht wie eine Wand hinter der Mannschaft. Und da kann eine Mannschaft gar nicht anders, als alles aus sich heraus zu holen. Dass Micka dieses wunderschöne goldene Tor gemacht hat, rundet diesen schönen Tag ab … So was gehört in kein Fußballstadion. Das sind Menschen, die diese Bühne Fußball als Plattform nutzen, um medial aufzufallen. Ich finde das echt zu Kotzen. Für mich gehören diese Leute brutal bestraft und die haben für mich ein Leben lang, den Weg ins Stadion nicht mehr zu finden. Sondern die müssen draußen bleiben, anders kriegen wir das nicht in den Griff.“

Exklusiv-Interview mit Olaf Janßen:

Was haben Sie in der Halbzeitpause zur Mannschaft gesagt, nachdem Sie die spielerische Dominanz in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit abgegeben hatten?

„Wir haben uns freiwillig einfach zu tief gestellt. Es fing bei den Stürmern an. Wir haben vorn nicht mehr so angelaufen und haben den Gegner nicht mehr frühzeitig unter Druck gesetzt. Und dann haben sie relativ einfach diese erste Welle überspielen können. Und dann sind sie eben kombinationsstark. Wir haben darüber gesprochen, dass wir hinten raus schieben müssen. Wir haben dann den Gegner viel besser vom Tor weg halten können.“

Wie haben Sie es geschafft, Kirsten wieder zu fast alter Stärke zu führen?

„Ich habe ihn daran erinnert, welche Qualitäten er hat. Er ist extrem reaktionsschnell. Er ist mutig und überragend im 1:1-Spiel. Die Wackler waren für mich keine Qualitätsfrage, sondern es lag mehr im mentalen Bereich. Das haben wir in Gesprächen erörtert und es gab einen Punkt, wo ich mich entscheiden musste, ob ich ihm mein absolutes Vertrauen gebe. Ich habe mich für Benny entschieden. Er zahlt das seitdem mit absoluter Leistung zurück, worüber ich mich extrem freue.“

Wo müssen Sie spielerisch weiter ansetzen, denn auch heute war nicht alles Gold, was glänzt?

„Wir haben gerade, was die Passsicherheit und Passqualität betrifft, noch etliches an Potential. Wir haben gefühlte zwanzig Mal in der Vorwärtsbewegung einfachste Bälle verloren. Davon waren mindestens fünf extrem große Möglichkeiten.“

Seit Ihrem Einstand haben Sie das Abwehrverhalten der Mannschaft stabilisiert?

„Das stimmt. Aber in den zwanzig Minuten vor der Halbzeit hatte eine ganze Mannschaft ein Problem, weil die Stürmer nicht so angelaufen sind. Jeder muss beim Spiel gegen den Ball mitmachen und sein Aufgaben erfüllen, damit das Ganze funktioniert. Wir sind auf einem guten Weg. Besonders gefällt mir, dass wir mental sehr stabil sind und dass wir uns als Mannschaft gegenseitig stützen.“  

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