HC Leipzig im denkwürdigen DHB-Pokal-Thriller Oldenburg unterlegen


03.01.2015 – SPORT4Final:

HC Leipzig als Pokalverteidiger scheitert im Viertelfinale an mental stärkeren VfL Oldenburg im „Match der gegensätzlichen Halbzeiten“

Es klingt wie eine alte Klamotte aus „Willi Schwabes Rumpelkammer“: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze! Schmerzlich, tränenreich und bitter für die Spielerinnen des HC Leipzig nach der etwas überraschenden DHB-Pokalniederlage im Viertelfinale in den eigenen, historischen Wänden der Ernst-Grube-Halle zu Leipzig. Aber emotional, mit andersartigen Tränen und triumphalen Gefühlen auf der Seite der Oldenburger Kämpfernaturen. 

HC Leipzig im denkwürdigen DHB-Pokal-Thriller Oldenburg unterlegen - Foto: SPORT4Final
HC Leipzig im denkwürdigen DHB-Pokal-Thriller Oldenburg unterlegen – Foto: SPORT4Final

Der HC Leipzig verspielte nach 17:9-Halbzeitführung bei sehr guter Teamleistung gegen einen fast schon am Boden liegenden Gegner in der Crunch-Time ab der 50. Minute der zweiten Hälfte nicht nur den Einzug ins Final4, sondern auch die wahrscheinlich größte Titelchance in dieser Saison. 

Mehr noch: Der letztjährige Pokal-Triumph vor 5.300 Zuschauern war ein Sportevent europäischer Qualität. Das Team des HC Leipzig erkannte in der Tragweite dieses Highlight als „Motivations- und Entwicklungslokomotive“ für das eigene junge Team. Einnahme- und Reputationsverluste nach dem Scheitern im Viertelfinale seien nur am Rande erwähnt. Nach dem „Budapest-Hype für die Geschichtsbücher“ folgte nun in Dramaturgie und Timing die bitterste Lehrstunde für das junge Trainerteam und die erfolgshungrige Mannschaft. 

Nun Viertelfinale und Heimvorteil gegen Oldenburg, klare Vorteile in der Spielgestaltung im Abwehr- und Angriffsbereich, im Tempogegenstoßverhalten (5 Tore), bei der Torhüterleistung (12:8 gehaltene Bälle) und den technischen Fehlern in den ersten dreißig Minuten für den HC Leipzig. Das große sportliche und emotionale Final4-Ziel vor Augen, aber es waren noch dreißig Minuten zu spielen. 

Ob Gastgeber HC Leipzig schon mal eine zweite Spielhälfte mit 11:20 Toren verlor, bleibt den Statistikfreunden überlassen. Aber der Pokal-Krimi in mehreren Entscheidungsphasen war allein das Zuschauen in der Halle wert. Der Gastgeber konterte Oldenburgs erste Remis-Angriffe bei 20:17 (41.) und 22:20 (48.) mit den überragenden Spielerinnen Luisa Schulze (10 Tore), Karolina Kudlacz (6 Tore) sowie Anne Hubinger (5 Tore) zum 25:21 (50.). Aber Oldenburgs „Spielmacherinnen“ in Hälfte zwei mit Angie Geschke (8 Tore) und Caroline Müller (5 Tore – davon 3 Treffer in den letzten 10 Minuten) übernahmen die Spielkontrolle und damit die psychologische Matchdominanz für das Oldenburger Team. Anders ausgedrückt: Zugriff und Sieg-Momentum „wanderten“ zu den Gästen. 

Obwohl nun der HC Leipzig mental geschwächt und mit löchriger Abwehr bei zu wenig Tempo in den Lauf- und Körperkontaktwegen agierte, kam der Gastgeber noch einmal nach 26:27-Rückstand (Oldenburgs zweiter Führung nach dem 1:0) durch Tore von Anne Hubinger (27:27 aus dem Zeitspiel) und Luisa Schulze per Siebenmeter zum 28:27 zurück ins Match. Oldenburg hatte noch die in der zweiten Hälfte das Torhüterinnenduell gewinnende Tess Wester (10:2 Bälle in Hälfte 2) als Joker, die in der finalen Matchphase (59.) einen freien Ball von Karolina Kudlacz und Sekunden vor Schluss (Leipzig spielte mit der siebenten Feldspielerin Michelle Urbicht) den letzten Verzweiflungswurf von Kudlacz meisterte. 

Der VfL Oldenburg, letztmalig 2012 deutscher Pokalsieger, rückt nach dem „Thriller-Pokal-Sieg“ gegen Titelverteidiger HC Leipzig, in die Nähe des Pokal-Favoriten für das Final4. Vielleicht sogar mit Heimvorteil für diesen Event, sollte sich der Verein als Ausrichter mit vorhandener Hallenkapazität (mindestens 3.000 Plätze) bei der Handball Bundesliga Frauen (HBF) bewerben. 

HC Leipzig-Kapitänin Katja Schülke „Wir haben den Titel weg geworfen.“

HC Leipzig als DHB-Pokalverteidiger in Favoritenrolle zu Hause gegen Oldenburg


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