Handball: HBF-Chef Berndt Dugall über Meisterschaft, EC-Plätze und Fernsehpräsenz

Handball: HBF-Chef Berndt Dugall über Meisterschaft, EC-Plätze und Fernsehpräsenz - Foto: DHB/Sascha Klahn
Handball: HBF-Chef Berndt Dugall über Meisterschaft, EC-Plätze und Fernsehpräsenz – Foto: DHB/Sascha Klahn

Handball: In dem Interview werden zahlreiche Themenbereiche gestreift: Vom spannenden Titelkampf über die Vergabe der Plätze im internationalen Wettbewerb sowie dem Final4 im DHB-Pokal.

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12.05.2016 – PM HBF / SPORT4FINAL / Frank Zepp:

Die Handball-Bundesliga der Frauen steuert ihrem Höhepunkt entgegen. In der Meisterschaft kommt es am letzten Spieltag zu einem echten Finale zwischen dem Thüringer HC und dem HC Leipzig. Eine Woche später folgt in Leipzig das Final4 im DHB-Pokal.

Herr Dugall, am vergangenen Wochenende waren noch vier Teams im Meisterschaftsrennen, nun blickt die Liga gebannt auf das Endspiel Thüringer HC gegen HC Leipzig. Die spannendste Saison aller Zeiten?

Berndt Dugall: Na ja, mit Superlativen sollten wir etwas vorsichtig sein. Nichtsdestotrotz ist die Spannung groß, zumal sich zwei Mannschaften gegenüberstehen, die sich ja seit Jahren als direkte Konkurrenten um die Vorherrschaft im deutschen Frauenhandball sehen. Interessanter Begleiteffekt des lange völlig offenen Meisterschaftsrennens dürfte auch sein, dass wir am Ende wohl drei Mannschaften haben werden, die punktgleich auf den Plätzen 2 bis 4 stehen.

Diese Konstellation ist besonders vor dem Hintergrund interessant, dass der dritte Platz von entscheidender Bedeutung sein dürfte?

Berndt Dugall: Wenn Metzingen nicht noch überraschend einen Punkt abgeben sollte, ist die wesentlich bessere Tordifferenz im Vergleich zu Bietigheim nicht mehr aufzuholen. Und Metzingen hat durchaus noch Chancen auf Platz 2, nämlich dann, wenn Leipzig am Samstag in Bad Langensalza verlieren sollte. Bei einer möglichen Niederlage des THC sähe es etwas anders aus, da Metzingen das bessere Torverhältnis des THC wohl nicht mehr wettmachen könnte. Der dritte Platz hat in der Tat entscheidende Bedeutung für die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Der Zweit- und Drittplatzierte haben definitiv ein Startrecht im EHF Cup, der Vierte hingegen nur, wenn sich im Pokal keine andere Konstellation ergibt. Konkret bedeutet dies: Sollte der Deutsche Meister auch Pokalsieger werden dann wird der Zweite des Pokals den dritten EHF-Platz bekommen. Gleiches würde gelten, wenn Blomberg bzw. Dortmund, das übrigens den eventuell Ligavierten Bietigheim aus dem Pokalwettbewerb geworfen hat, das Final4 gewinnen würden.

Kann ein zusätzlicher Startplatz bei der EHF beantragt werden?

Berndt Dugall: Ja, ein solcher Antrag kann gestellt werden, wenn alle vier eigentlich zugedachten Plätze auch tatsächlich in Anspruch genommen werden. Ob einem solchen Antrag für einen fünften Starter dann aber auch seitens der EHF entsprochen würde, kann ich nicht einschätzen.

Wie beurteilen Sie die internationalen Auftritte der Bundesligisten in diesem Jahr?

Berndt Dugall: Ehrlich gesagt durchwachsen. Vor Metzingen kann man nur den Hut ziehen und es ist schade, dass sie den EHF Cup nicht gewonnen haben. Aber alle anderen Mannschaften sind meines Erachtens unter den Erwartungen geblieben. Es gab Jahre, in denen wir uns als Gesamtheit in den internationalen Wettbewerben schon besser präsentiert haben.

In den vergangenen Wochen gab es einige überraschende Ergebnisse, wie auch bei den Herren scheint die Bundesliga einige der wenigen auch sportlich ausgeglichenen Ligen, in denen Überraschungen wie der Sieg des Drittletzten aus Göppingen gegen den Spitzenreiter Thüringer HC möglich sind.

Berndt Dugall: Ausreißer gibt es immer. Natürlich war das Ergebnis Göppingen THC eine Überraschung, aber das Spiel Rosengarten gegen Oldenburg fällt doch in die gleiche Kategorie. Es wäre auch schlimm, wenn im Sport alles planbar wäre, dann müssten wir ja gar nicht mehr spielen. Wir dürfen uns aber bei dem Begriff Ausgeglichenheit nicht von einzelnen Ergebnissen blenden lassen. Tatsache ist, dass der Meister am Ende 42 oder 43 Punkte haben wird, der Tabellenletzte 8. Das ist doch schon eine gewaltige Differenz.

Auch im Pokal gab es einige Überraschungen, mit Dortmund und Blomberg schafften zwei Clubs aus dem Mittelfeld den Sprung zum Final4 und dürfen auf den internationalen Wettbewerb hoffen. Am Ende der Saison wartet in Leipzig damit ein weiterer Höhepunkt. Was erwarten Sie?

Berndt Dugall: Zunächst einmal wird ja das erste Halbfinale eine Wiederholung des „Endspiels“ der Handball-Meisterschaft sein. Hier dürfte es wohl zu einem sehr spannenden Duell kommen. Aber auch bei der zweiten Halbfinalbegegnung Dortmund gegen Blomberg wäre es vermessen, einen Sieger vorhersagen zu wollen. Durch den augenblicklichen Hype des vermeintlichen Endspiels in der Meisterschaft gerät das Final4 etwas in den Hintergrund. Das wird sich aber spätestens am kommenden Sonntag ändern.

Der MDR wird das über die Meisterschaft entscheidende Duell sowie den DHB-Pokal übertragen, wie wichtig ist diese Fernsehpräsenz?

Berndt Dugall: Für eine Sportart wie unsere, die im öffentlich rechtlichen Fernsehen so gut wie nicht zu sehen ist, bedeutet es enorm viel, wenn einmal mehr als eine Kurzzusammenfassung gezeigt wird. Der MDR ist bisher der einzige Sender, bei dem auch Frauenhandball einen gewissen Stellenwert besitzt. Im südwestdeutschen Raum haben wir mit Metzingen und Bietigheim auch zwei Spitzenteams, aber dort passiert gar nichts. Wir haben uns – das gebe ich offen zu – in Anbetracht der bestehenden Situation sehr schwer getan, das Spiel THC gegen Leipzig vorzuverlegen, aber nachdem klar war, dass kein Dritter mehr in den Meisterschaftskampf eingreifen konnte, ist es der Sachlage angemessen. Ähnliches gilt auch für den Standort Leipzig hinsichtlich der Pokalendrunde. Hier engagiert sich der MDR ebenso, und diese Situation hätten wir woanders nicht. Zumal der MDR auch an vielen Orten außerhalb des eigentlichen Sendegebietes empfangen werden kann und somit nicht nur ein Regionalsender ist.

Erwarten Sie für die Saison 2016/17 erneut ein so spannendes Titelrennen? Legen Sie sich auf einen Favoriten fest?

Berndt Dugall: Ich kann mir eine nochmalige Saison, bei der wenige Spieltage vor Schluss noch vier Mannschaften Chancen auf die Meisterschaft haben, ehrlich gesagt nicht vorstellen. Ansonsten ist das mit Prognosen so eine Sache: Einen klaren Favoriten will und kann ich nicht benennen. Ich erwarte Bietigheim und Dortmund noch etwas stärker als in dieser Handball-Saison. Laut vorläufigem Spielplan heißt eine der Paarungen des letzten Spieltags 2017 THC gegen Bietigheim. Ob dies dann das „Endspiel“ wird, oder die Meisterschaft bis dahin schon entschieden ist, wird sich zeigen.

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