Zwischenruf HC Leipzig: Entschiedenes Handeln ohne aufschiebende Wirkung – Tendenzwende beim HC Leipzig einleiten

Die Fakten:
1. Der HC Leipzig schied in der Saison 2012/13 im Viertelfinale des Cup Winners Cup gegen Rostov-Don aus. Gegen ein starkes, aber bezwingbares russisches Team war sowohl das Ausscheiden als auch die eigene Spielqualität enttäuschend.

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2. Nach zwei titellosen Spielzeiten in Folge ist der Leipziger Mannschaft die psychologische Siegermentalität verloren gegangen. Mannschaftsgefüge und Individualleistungen entsprechen nicht hohen internationalen Erfordernissen.

3. Jeweils in den Jahren 2009/10 und 2010/11 bis in die Hauptrunde der Champions League (Viertelfinale) vorgestoßen, folgte in der Saison 2011/12 bis ins Halbfinale des Cup Winners Cup ein weiterer Erfolg. In diesem Wettbewerb war nun in diesem Jahr bereits im Viertelfinale Endstation. Gemessen an der internationalen Reputation und dem Leipziger Zuschauerzuspruch sowie den Vereinsansprüchen des HC Leipzig – ein Abwärtstrend!

4. Im letzten Hauptrundenspiel der Champions League 2010/11 gegen Dinamo Volgograd am 19. März 2011 (Endstand 23:26 in Leipzig), unter dem heutigen Bundestrainer Jensen, standen aus dem diesjährigen Kader schon Schülke, Augsburg, Schulze, Kudlacz (9 Tore), Müller und Plöger in der Mannschaft. Zusätzliche internationale Erfahrung besaßen in der damaligen Mannschaft Lyksborg (5 Tore), Ulbricht (2 Tore), Rösler (3 Tore) sowie Eriksson als Abwehrstrategin. Gegen Rostov waren also im Kader des HC Leipzig gegenüber dem Champions-League-Spiel vor zwei Jahren 4 deutsche und eine polnische Nationalspielerin sowie zusätzlich seit der letzten Saison mit Lang, Visser und Hubinger im Rückraum drei weitere Nationalspielerinnen ihrer Länder vertreten.

5. Nach den knappen Niederlagen in den Halbfinals von DHB-Pokal und Meisterschaft in der letzten Saison war in der Pressemitteilung 101-11/12 des HC Leipzig aus dem Mai 2012 zu lesen: „Mittel- und langfristig werden wir alles auf den Prüfstand stellen. Das was uns in den letzten Jahren stark gemacht hat, aber auch das, wo wir meinen uns verbessern zu müssen, soll neu beleuchtet, hinterfragt und ggf. korrigiert werden.“

Die SPORT4Final-Kolumne:

1. Die Verantwortlichen des HC Leipzig mögen nach dem „Reifezeugnis Rostov“ mit dem entschiedenen Handeln ohne aufschiebende Wirkung beginnen. Eine sportliche Tendenzwende, zwei Titel sind ja in dieser Saison noch möglich, wäre endlich einzuleiten.

2. Hierzu scheint es im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten notwendig, das personelle Mannschaftsgefüge qualitativ umzubauen und erfolgreichen, europäischen Spielweisen anzupassen. Mehr personelle Qualität als Quantität, höhere Individualleistungen und gegebenenfalls Mentaltraining. Körpersprache, Selbstvertrauen und Siegermentalität in Playoff-Spielen gehen einher sowie wachsen mit persönlicher Leistungssteigerung und Teamerfolgen.

3. Eine herausragende Torhüter- sowie gute Abwehrleistung mit zwei erfolgreichen Abwehrsystemen reichen international nicht aus, um auch Titel zu gewinnen, wenn im Angriffs-/Offensivspiel kein gut funktionierendes Spielsystem gefunden wird. Nur mit der Abwehr und dem Tempogegenstoß mit super-schnellen Kreisspielerinnen können Spiele mitunter allein gewonnen, aber keine Meisterschaften oder Pokalwettbewerbe entschieden werden. Hierzu ist der Positionsangriff aus dem gebundenen Spiel erforderlich, der für mich mit Konzeptionen, eintrainierten Spielzügen, Sperren, Kreuzungen in doppelter Art sowie dem „Holen“ der Rückraumhalben mit den wichtigen Toren aus der Fernwurfzone u.a. Varianten zum Erfolgsmodell dieser Jahre gehört.

4. Falls ich mich wiederholen sollte, bitte ich um Entschuldigung: Praktisch im Männer- und Frauenbereich schon erlebt, dass erfolgreiches Teamspiel von einer gut funktionierenden Spielachse „Torhüter – Rückraum-Mitte als Spielmacher – Kreismitte“ lebt. Leipzig hat mit Schülke sowie Müller/Schulze ein sehr gutes Niveau, nur auf der Position des Spielregisseurs fehlt die Leistungskonstanz und Ideenschmiede.

5. Im Europapokal dieser Saison war weit mehr als nur das Viertelfinale drin. In meiner Vorausschau prognostizierte ich ein Wunschtraumfinale zwischen dem Thüringer HC und den Leipziger Frauen. Auch wenn ich nicht so weit wie die Kollegen der „Leipziger Volkszeitung“ in Ihrer Kolumne mit „ein krasser Fall von Fahrlässigkeit“ gehen möchte, muss auch ich feststellen, dass die Niederlage gegen Rostov bei normaler Ausschöpfung des Leistungspotentials dieser Mannschaft vermeidbar gewesen wäre. Zuschauerkulisse und Stimmung waren Europapokal-Finalreif, die Fehlerstatistik und die Wurfeffizienz des Teams leider nicht.

6. Der HC Leipzig wird es mittel- und langfristig schaffen, wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Da bin ich mir sicher. Dies ist man den vielen treuen Fans und Sponsoren sowie dem eigenen Qualitätsanspruch schuldig!

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