Martin Heuberger „Wir müssen hart arbeiten, um auch mal einen Superstar zu bekommen.“

02.02.2014 – SPORT4Final:

Handball: Nach dem All-Star-Game 2014 in Leipzig bat SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp Bundestrainer Martin Heuberger um ein Interview.

Bundestrainer Martin Heuberger - Foto: DHB/ Sascha Klahn
Bundestrainer Martin Heuberger – Foto: DHB/Sascha Klahn

Herr Heuberger, 45 Minuten Ernsthaftigkeit im Spiel der Nationalmannschaft, danach begann der Spaß?

Martin Heuberger: „Es war insgesamt ein seriöses Spiel unserer Mannschaft. Sie haben das gut rüber gebracht, was ich sehen wollte. Die erste Halbzeit war ich nicht so ganz mit der Abwehrarbeit einverstanden. Da haben wir uns dann aber deutlich in der zweiten Halbzeit gesteigert und haben einen verdienten Sieg eingefahren.“ 

Sie waren bei der Handball-EM in Dänemark. Was fehlt unserer Mannschaft im Vergleich zu den besten Teams in Europa?

Martin Heuberger: „Ich finde, vom spielerischen Potential war nichts Neues zu sehen. Es war schon so, dass sich die Trends der letzten Jahre verfestigt haben. Was deutlich wurde, dass gerade die Topnationen, also die unter den ersten Vier, alle in ihren Reihen wirklich einen Ausnahmespieler haben. Sei es Frankreich mit Nikola Karabatic, der alle wichtigen Spiele entscheidet. Oder Dänemark über weite Strecken mit Mikkel Hansen. Die Kroaten mit Domagoj Duvnjak, der ein überragender Spieler ist und zum Welthandballer gewählt wurde. Spanien hat mich mit Aguinagalde überzeugt. Wir sind in der Breite gut aufgestellt und müssen jetzt daran arbeiten, dass wir auch mal so einen vermeintlichen Superstar bekommen. Aber wie gesagt, ich bin mit den Spielern zufrieden und ich glaube schon, dass wir genügend Potential haben, wenn wir es schaffen, jetzt in mehreren Maßnahmen zusammen zu arbeiten, dass wir erfolgreich gegen Polen spielen können.“ 

Wir haben heute den Stamm der Nationalmannschaft gesehen, den Sie jetzt in den nächsten Testspielen Richtung WM-Play-off gegen Polen einspielen wollen?

Martin Heuberger: „Es ist sicherlich denkbar. Ich denke, der harte Kern war schon sicherlich hier. Jetzt müssen wir einfach hoffen, dass wir auch vom Verletzungspech verschont bleiben, was uns die letzten beiden Jahre immer hart getroffen hatte und ich deshalb immer wieder improvisieren musste. Im Januar das Vierländer-Turnier und die Tunesienreise waren aber auch eine gute Chance für die jungen Spieler, die ihre Chancen tatsächlich auch genutzt haben. Man sieht, dass es im Unterbau momentan bei uns passt, dass wir guten Nachwuchs haben. Aber jetzt haben wir im Sommer ein anderes Problem mit der WM-Qualifikation zu lösen. Da brauchen wir sicherlich auch jede Menge Erfahrung und Qualität im Kader.“ 

Ist das Rückspiel gegen Polen in Deutschland ein kleiner Vorteil aus Ihrer Sicht?

Martin Heuberger: „Ob es ein Vor- oder Nachteil ist, das können wir vielleicht dann besprechen, wenn das erste Spiel in Polen absolviert ist. Und selbst wenn, da gibt es noch alle möglichen Variationen. Es müssen beide Spiele erst gespielt werden. Das werden zwei hammerharte Spiele und wer den Handball heute verfolgt und wenn man das Endspiel in Dänemark sieht, wo die Franzosen nach einer Viertelstunde mit 13:4 führen, wäre das für alle, glaube ich, undenkbar gewesen. Das ist aber unsere Sportart, die die Sache sehr interessant macht. Manchmal zum Vorteil, aber auch manchmal eben zum Nachteil.“ 

Da kommt es auch auf die mentale Stärke an, die die Spieler in der Bundesliga oder im Europacup weiter entwickeln müssen?

Martin Heuberger: „Ja natürlich. Diese mentale Stärke kommt nicht umsonst. Die kommt natürlich bei Frankreich aus der Warte heraus, weil sie in den letzten zehn Jahren immer auf Topniveau gespielt haben. Sie haben von zehn Endspielen acht gewonnen. Da wirst du mental stark. Da hast du das Selbstvertrauen, auch wenn es mal ein bisschen kritischer wird. Das hat man ja auch bei den Franzosen in der Vor- und Hauptrunde gesehen. Da waren schon ein paar holprige Spiele dabei, aber wenn es halt drauf ankommt, dann trifft Karabatic wichtige Entscheidungen. Dann steht ein Thierry Omeyer im Tor drin, der schon sehr viel Respekt einflößt. Wenn man schon den Namen hört, bekommt man allein schon das Flattern. Aber so etwas muss man sich hart erarbeiten, das kommt nicht von heute auf morgen. Das ist eine Entwicklung, die sich diese französische Mannschaft jetzt halt verdient.“ 

Viel Glück sowie Erfolg in den nächsten Monaten und danke für das Interview, Herr Heuberger.         

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