Interview mit Martin Geissler, Mitteldeutscher BC

27.11.2013 – SPORT4Final:

Nach dem emotionalen und wichtigen 73:71-Erfolg gegen Braunschweig in der Arena Leipzig sprach SPORT4Final-Redakteur Frank Zepp mit Martin Geissler, Geschäftsführer Mitteldeutscher BC.

Über Wirtschaftlichkeit und Sponsoren, die regionale Sportkonkurrenz, Hamburg Towers u.v.m.

Martin Geissler: „Wir sind die Mannschaft, die hier in der Region in der besten Liga überhaupt spielt.“

 

Martin Geissler - Foto: Matthias Kuch
Martin Geissler (Mitteldeutscher BC) – Foto: Matthias Kuch

 

Herr Geissler, herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Heute war es für Sie ein richtiger „Leipziger Wolfsbau“?

„Vom richtigen ‚Wolfsbau‘ sind wir schon noch ein bisschen entfernt. Bei uns in Weißenfels ist natürlich die Atmosphäre noch heißer als hier. Aber wir sind ja hier her gekommen, um für den Basketball Werbung zu machen. Und das ist uns auf jeden Fall gelungen. Wir hatten bei 3.300 Zuschauern hier in der Arena eine super Atmosphäre. Die haben am Ende alle für die Mannschaft in Orange gejubelt – nämlich für die ‚Wölfe‘.“

Dieses und das Spiel im Januar 2014 gegen die Bayern „rechnen“ sich aus wirtschaftlicher Sicht für den Mitteldeutschen Basketball Club?

„Ja, die rechnen sich aus mehreren Gründen: Zum einen wirtschaftlich – zum anderen auf Grund der Aufmerksamkeit. Wir wollen ja damit neue Sponsoren und neue Partner ansprechen. Und darauf liegt bei diesen zwei Spielen der Fokus. Wir müssen uns auf einem neuen Markt präsentieren, um mit der Entwicklung der Bundesliga Stand zu halten.“

Sie haben wohl einen der kleinsten Etats?

„Wir haben sicherlich einen der zwei, drei kleinsten Etats der Liga.“

Kann man damit mithalten?

„Also, wir haben ja noch nie beim MBC gejammert. Wir spielen mit viel Begeisterung, wir wollen immer zu den zwanzig besten Teams in Deutschland gehören. Da kann man auch mal Erster in der zweiten Liga sein. Man kann damit eigentlich wirtschaftlich nicht mithalten. Das geht nur mit viel harter Arbeit und sicherlich auch mit einem guten Feingefühl, was man mit seinem wenigen Geld macht. Wir müssen also dreimal mehr hingucken bei den Spielern, die wir verpflichten. Ich glaube, das ist uns in den letzten Jahren gut gelungen. Wir spielen jetzt von den letzten fünf Jahren vier davon in der Beko BBL. Das ist ein riesen Erfolg für die Region, aus der wir herkommen.“

Was ist die mittelfristige Zielstellung für den Mitteldeutschen Basketball Club?

„Ja, Sie müssen sehen, dass in der Bundesliga 4,5 Millionen EUR das Durchschnittsbudget ist. Es sind 4.500 Fans, die im Durchschnitt zu den Spielen kommen. Das heißt, da hat die Beko BBL die Handball-Bundesliga auch schon eingeholt. Auch finanziell. Die Zuschauerzahlen sind inzwischen über dem Handball-Niveau. Um da mitzuhalten müssen wir hart arbeiten und uns auch dieser Herausforderung stellen.“

Das heißt, sowohl vom sportlichen als auch wirtschaftlichen Leistungsniveau …?

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„Ich muss sagen, das soll nicht überheblich klingen, aber wir haben in der Bundesliga eine sehr ordentliche Infrastruktur, sehr professionell. Bei uns müssen Spieler zu keinem Zeitpunkt auf Gehalt warten. Das heißt, wir arbeiten wirtschaftlich sehr solide. Das ist auch was, dass die Spieler sagen, sie sind bei uns und fühlen sich sehr professionell aufgehoben. Man merkt nicht an unserem Umfeld, dass wir nur 1,5 Millionen EUR haben. Sondern bei uns haben die Spieler ein Umfeld, wie sie es auch in Braunschweig haben. Nur, dass sie eben deutlich weniger verdienen.“

Kann man denn aus „unserem“ Wirtschaftsgebiet und in Konkurrenz anderer großer Vereine noch viele große Sponsoren gewinnen?

„Es gibt natürlich ein sehr breit gefächertes Sportangebot auch in Leipzig. Aber auch da, denke ich, können wir mit einem guten Produkt überzeugen. Wir sind die Mannschaft, die hier in der Region in der besten Liga überhaupt spielt. Wir sind die Mannschaft, ja es gibt keine Mannschaft, die in einer der vier großen deutschen Sportligen hier in der Region Mitteldeutschlands spielt.“

Im Männerbereich ja, im Frauenbereich nicht …

„Aber ich glaube, da brauchen wir nicht drüber zu diskutieren, dass Damen-Handball-Bundesliga etwas anders als Handball-Bundesliga der Herren ist. Und da können wir auch mit einem gesunden Selbstvertrauen sagen, wir gehören zur Beko BBL, sind da sehr stabil  aufgestellt und da stellen wir uns auch gerne dem Wettbewerb.“

Was sagen Sie dazu, dass möglicherweise in der nächsten Saison die Hamburg Towers an den Start in der Bundesliga gehen?

„Damit das Hamburger Projekt in der Bundesliga starten kann, muss erst mal eine Mannschaft keine Lizenz für die nächste Saison bekommen. Denn ganz so einfach ist das nicht, einfach eine Viertel Million EUR auf den Tisch legen und dann mitspielen. Ja, dann müssten zwei Teams entweder nicht aufsteigen oder eine Mannschaft nicht weiter spielen. Es ist ein weiter Weg. Ich halte nicht so viel davon von Teams, die einfach so in den Wettbewerb der ersten Liga einsteigen. Ich glaube, dass so ein Beispiel wie Köln, die eine gesunde Entwicklung aus der Regionalliga zurück in den Profisport gehen, auch besser ist.“

Ist denn langfristig ein Umzug von Weißenfels nach Leipzig in die Arena angedacht oder gibt es bei Ihnen darüber große Diskussionen?

„Das ist momentan kein Thema in unserer Diskussion. Wir kommen aus Weißenfels und diese Spiele hier in Leipzig sind aber ein ganz wichtiges Tool für uns, um mit der Entwicklung Stand zu halten. Aber wir denken momentan nicht über einen Standortwechsel nach.“

Diese Diskussionen gab es meiner Kenntnis nach auch schon vor zehn Jahren …

„Diese Diskussionen gibt es immer. Und da muss man auch die Ängste der Fans und Partner, die wir haben, ernst nehmen, weil sie seit vielen Jahren zu uns stehen. Ihnen muss man auch klar erklären, warum macht man so einen Ausflug hierher. Nämlich, um 1.000 Leute heute hier mehr zu haben, um möglichst 4.000 Leute mehr gegen Bayern München zu haben und sich damit auch attraktiv für neue Partner zu machen. Ich glaube, da sind unsere Fans smart genug, um das auch zu verstehen.“

Geht es in diesem Jahr für den Mitteldeutschen Basketball Club gegen den Abstieg?

„Das sieht man ja. Wenn man den kleinsten Etat hat, dann kann man ja nicht davon träumen, höher zu spielen. Wenn uns das gelingt, mit einem Drittel vom Durchschnittsbudget der ersten Liga in der Liga zu bleiben, dann ist das eine kleine Sensation und die wollen wir wieder schaffen.“

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. Danke für das ausführliche Interview, Herr Geissler.

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