Thomas Bach geht IOC-Präsidentenwahl wie ein Athlet an

04.09.2013 – PM:

In Buenos Aires beginnt am Freitag die 125. Session des IOC mit wichtigen Entscheidungen

Die Wahl des neunten IOC-Präsidenten, die Entscheidung über den Gastgeber der Olympischen Spiele und Paralympics 2020 sowie die Auswahl einer weiteren olympischen Sportart für 2020 und 2024 stehen ab kommenden Freitag (6. September) im Mittelpunkt der 125. IOC-Session. Diese findet in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires statt (Live-Stream der kompletten Veranstaltung unter www.olympic.org).

The German Winning team on the podium 1976 -  Foto: (c) IOC
The German Winning team on the podium 1976 –
Foto: (c) IOC

Dort tritt DOSB-Präsident Thomas Bach an, um als erster Deutscher am Dienstag, 10. September, zum IOC-Präsidenten gewählt zu werden. Seit vergangenem Sonntag ist der 59-Jährige vor Ort, um sich auf die Entscheidung im Hilton-Hotel vorzubereiten. „Ich gehe die Wahl wie ein Athlet an. Alle Testwettkämpfe liefen sehr gut, jetzt heißt es voll konzentriert ins Rennen zu starten“, sagte Bach nach seiner Ankunft. Doch bevor die Entscheidung am Dienstag um 11.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MESZ) ansteht, liegt noch viel Arbeit vor dem Olympiasieger im Fechten, der in Montreal 1976 Gold mit der Florett-Mannschaft gewann: „Der Wahlkampf endet erst am 10. September. Bis dahin werde ich sicher noch einmal viele Gespräche mit meinen Kolleginnen und Kollegen führen.“

Buenos Aires hat Bach schon einmal Glück gebracht. 1977 wurde er hier mit seiner Mannschaft Florett-Weltmeister. Nun könnte er im Kongresszentrum am Yachthafen der 13 Millionen Einwohner zählenden Metropole der Erste werden, der als Olympiasieger an die Spitze des IOC tritt. Zwar war auch der IOC-Gründer Pierre de Coubertin Olympiasieger, doch feierte er seine Gold-medaille erst 1912 im Literaturwettbewerb – übrigens für Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt hatte Coubertin das Amt des IOC-Präsidenten allerdings schon 16 Jahre inne, was heute unmöglich wäre. Nicht nur, weil es keinen Literaturwettbewerb mehr gibt, sondern auch weil die Amtszeit des IOC-Präsidenten auf zwölf Jahre begrenzt ist. Die erste Wahl erfolgt für acht Jahre, an-schließend ist eine vierjährige Verlängerung möglich.

Rogges Mandat endet nach zwölf Jahren

Deshalb endet das Mandat von Jacques Rogge dieser Tage in Buenos Aires. Der Belgier war 2001 in Moskau als Nachfolger von Juan Antonio Samaranch gewählt und 2009 in Kopenhagen im Amt bestätigt worden. Rund 100 IOC-Mitglieder sind am 10. September bei der Entscheidung über seinen Nachfolger wahlberechtigt. Die Verkündung des Siegers ist für 12.30 Uhr Ortszeit (17.30 Uhr MESZ) vorgesehen. Bachs‘ Konkurrenten sind Sergej Bubka aus der Ukraine, Richard Carrion aus Puerto Rico, Ser Miang Ng aus Singapur, Dennis Oswald aus der Schweiz und CK Wu aus Taiwan.

Der deutsche Sport steht geschlossen hinter Thomas Bach. Das hatten die 98 Mitgliedsorganisationen des DOSB bereits im Mai erklärt, als Bach seine Kandidatur ankündigte: „Wir begrüßen die Absicht von Thomas Bach, für das Amt des IOC-Präsidenten zu kandidieren. Der deutsche Sport steht hinter ihm. Nach Ansicht des DOSB und seiner Mitgliedsorganisationen ist er ein herausragender Kandidat für das höchste Amt im Weltsport. Er hat seine Führungsfähigkeit seit vielen Jahren in unterschiedlichsten Funktionen im nationalen und internationalen Sport unter Beweis gestellt.“

DOSB-Mitgliedsorganisationen unterstützen Bach

In einer Umfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID) erklärten die Präsidenten der im DOSB organisierten Spitzenverbände jüngst noch einmal ihre breite Unterstützung für Bach. Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB) und Sprecher der Konferenz der Spitzenverbände, sagte dem SID: „Eine Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten wäre auch eine Anerkennung für das deutsche Sportsystem, das mit seinen 28 Millionen Mitgliedschaften und 8,8 Millionen Ehrenamtlichen weltweit einmalig ist. Würde Thomas Bach IOC-Präsident, wäre dies sicher auch förderlich, um den Sport in Deutschland voranzubringen.“

Das Medieninteresse aus Deutschland ist groß. Rund 75 deutsche Journalisten werden von der Entscheidung aus Buenos Aires berichten. Allein von der ARD sind mehr als 30 Mitarbeiter akkreditiert.

Das Wahlprozedere ist im Übrigen einfach. Wer die absolute Mehrheit der Stimmen der anwesenden IOC-Mitglieder bekommt, hat gewonnen. Wird keine absolute Mehrheit erreicht, scheidet pro Runde der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus. Während die Kandidaten selbst mitstimmen können, sind IOC-Mitglieder aus den Ländern der Präsidentschaftsanwärter nicht wahlberechtigt, solange ihr Kandidat noch im Rennen ist.

Istanbul, Tokio und Madrid bewerben sich um die Spiele 2020

Neben der Wahl des IOC-Präsidenten stehen auf der 125. IOC-Session zwei weitere große Beschlüsse an. Am Samstag, 7. September, wird die Ausrichterstadt der Olympischen Spiele und Paralympics 2020 gekürt. Um den Sieg kämpfen Istanbul, Tokio und Madrid, die sich ab 9.00 Uhr Ortszeit (14.00 Uhr MESZ) den IOC-Mitgliedern präsentieren werden, ehe um 17.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MESZ) die „Siegerehrung“ stattfindet. Am Sonntag, 8. September, werden zuerst (9.30 Uhr Ortszeit/14.30 Uhr MESZ) die 25 Kernsportarten für die Olympischen Spiele 2020 festgelegt. Diese Entscheidung gilt als Formalie. Bereits 2009 in Kopenhagen waren 7er Rugby und Golf ins Programm der Spiele 2016 und 2020 aufgenommen worden, die zu den 25 hinzukommen. Um den 28. und damit letzten verbliebenen Platz konkurrieren nun Ringen, Baseball/ Softball sowie Squash. Ringen war in diesem Frühjahr unter großer öffentlicher Beachtung von der IOC-Exekutive in Frage gestellt worden. Alle drei Sportarten dürfen sich in Buenos Aires noch einmal den IOC-Mitgliedern vorstellen. Die Wahl findet um 11.15 Uhr Ortszeit (16.15 Uhr MESZ) statt.

Bevor die 125. IOC-Session am Freitag um 19.00 Uhr Ortszeit (Mitternacht MESZ) im Teatro Colon in Buenos Aires eröffnet wird, tagt am Mittwoch und Donnerstag das Exekutiv-Komitee des IOC, in dem Thomas Bach als Vizepräsident und Claudia Bokel als Vorsitzende der Athletenkommission sitzen.

Die bisherigen IOC-Präsidenten:

  1. 1894 – 1896 Demetrius Bikilas (Griechenland)
  2. 1896 – 1925 Pierre de Coubertin (Frankreich)
  3. 1925 – 1942 Henri de Baillet-Latour (Belgien)
  4. 1942 – 1952 Sigfrid Edström (Schweden)
  5. 1952 – 1972 Avery Brundage (USA)
  6. 1972 – 1980 Michael Killanin (Irland)
  7. 1980 – 2001 Juan Antonio Samaranch (Spanien)
  8. 2001 – 2013 Jacques Rogge (Belgien)

Rudern: Lenka Wech in FISA-Exekutive gewählt

Zum Abschluss der Weltmeisterschaften in Chungju hat der Weltruderverband (FISA) auf seinem ordentlichen Kongress eine neue Führung gewählt. Aus deutscher Sicht sei besonders erfreulich, dass die Frankfurter Ärztin Lenka Wech zukünftig dem Exekutiv-Komitee und damit zum engeren Führungskreis der FISA gehören werde, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV).

Neuer Vorsitzender wurde der Franzose Jean-Christophe Rolland. Er setze sich im ersten Wahlgang mit 117 Stimmen gegen Tricia Smith (Kanada) und John Boultbee (Australien) durch. Der Franzose galt als Favorit des bisherigen Präsidenten Denis Oswald, der ihn konsequent gefördert habe, heißt es in der Meldung. Für den Übergang sei ein besonderes Verfahren vorgesehen: Denis Oswald wurde formal wiedergewählt, will das Amt aber spätestens im kommenden Jahr abgeben und Rolland in die internationalen Gremien einführen. Beobachter sehen die Vorgehensweise auch in seiner Kandidatur für den IOC-Vorsitz Ende September begründet. Hier solle der Schweizer und zukünftige Ehrenpräsident der FISA als Vorsitzender eines Sportfachverbandes antreten können.

Tricia Smith ist neue stellvertretende Vorsitzende. Sie setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen die bisherige Amtsinhaberin Anita DeFranz (USA) durch. Das Exekutiv-Komitee wird durch drei Vorsitzende der Fachressorts ergänzt. Neu am Tisch sitzt die frühere Weltmeisterin Lenka Wech, die die Position von Tricia Smith einnimmt. Damit habe sie sich intern gegen erfahrene Funktionäre wie den Belgier Patrick Rombaut durchsetzen können, erklärte der DRV. „Das ist ein guter Tag für den deutschen Rudersport“, sagte der DRV-Vorsitzende Siegfried Kaidel. „Zwar ist Lenka Wech der FISA verpflichtet, aber wir hoffen, mit ihr unsere Positionen und Überlegungen besser als bisher in der FISA-Spitze platzieren zu können“.

Tower 185 in Frankfurt am Main zeigt die „Hall of Fame“-Ausstellung

Die Wanderausstellung „Hall of Fame des deutschen Sports“ der Deutschen Sporthilfe ist aktuell im Tower 185 in Frankfurt am Main zu besichtigen. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), Partner der Deutschen Sporthilfe, werden in der Eingangshalle des 200 Meter hohen Gebäudes bis ein-schließlich 27. September durch fünf interaktive und multimediale Module die Erfolge und Verdienste der in die „Hall of Fame“ aufgenommenen Persönlichkeiten dokumentiert.

Die Ausstellung zeigt historische Zusammenhänge auf, positioniert die Geehrten in ihre historischen Bezüge und unterstützt so eine gewollt kritische Auseinandersetzung mit den Sportlerinnen und Sportlern im Kontext ihrer Zeit und damit ihres Lebens. Die Wanderausstellung im Tower 185, Friedrich-Ebert-Anlage 35-37, 60327 Frankfurt am Main, kann bis zum 27. September werktags von 8.00 bis 19.00 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Die „Hall of Fame“ wird durch adidas begleitet und hat derzeit 76 Mitglieder. Ideelle Partner sind der Deutsche Olympische Sportbund und der Verband Deutscher Sportjournalisten. Neu entwickelt – mit virtuell begehbaren Räumen – wurde auch die Webseite zur „Hall of Fame“ unter www.hall-of-fame-sport.de.

Zum 100. Geburtstag von DSB-Ehrenmitglied August Zeuner

Als der damalige IOC-Vizepräsident Willi Daume (übrigens vom gleichen Jahrgang 1913) am 6. September 1973 in Oberwesel August Zeuner, seinen langjährigen Mitstreiter seit der DSB-Gründung 1950, aus Anlass von dessen 60. Geburtstag beglückwünschte, ehrte er ihn mit den Worten: „Wir schätzen sein Engagement und seinen Idealismus, die profunden Sachkenntnisse und seine Führungskraft, vor allem aber seine echte Menschlichkeit, die gerade bei uns im Sport so wichtig ist.“ Niemand aus der großen Gratulantenschar konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass August Zeuner nur noch etwas mehr als drei Jahre – auch für sein Wirken für den Sport –  vergönnt sein würden.

August Zeuner wurde am 6. September 1913 in Köln-Mülheim geboren und blieb zeitlebens dem Rheinland verbunden. Bereits als Jugendlicher war er ein begeisterter Fußball- und Handball-spieler. Seine große Liebe galt allerdings der Leichtathletik, in der er sich schon während und nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn auch in ehrenamtlichen Vereins- und Verbandsfunktionen engagierte. Beruflich hatte August Zeuner die Verwaltung von der Pike auf gelernt. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kreisinspektor, wurde bereits im Alter von 35 Jahren 1949 haupt-amtlicher Stadt- und Verbandsbürgermeister von Oberwesel und hat in diesen Ämtern über zwei Jahrzehnte viel für das Wohl seiner Stadt erreicht, Politisch engagierte er sich ab 1946 in der CDU, war Kreisvorsitzender im damaligen Landkreis St. Goar und später im neuen Landkreis Rhein-Hunsrück. Er gehörte seit 1956 dem Kreistag an und wurde 1975 Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz. Von Februar 1971 bis zu seinem Tod stand er als ehrenamtlicher Bürger-meister seiner Heimatstadt Oberwesel vor.

August Zeuner gehörte nach Kriegsende 1945 zu den „Männern der ersten Stunde“, die die aus dem Kriege heimgekehrten jungen Menschen und die heranwachsenden Jugendlichen für den  Sport mobilisierten und so die neue demokratische Sportbewegung aufbauten. Bereits im August 1946 wurde er zum Vorsitzenden des Leichtathletikverbandes Mittelrhein gewählt, übernahm 1949 den Vorsitz des Sportbundes Rheinland und war von 1950 bis 1966 zunächst im turnusmäßigen Wechsel und dann von 1966 bis 1976 Vorsitzender des Landessportbundes Rheinland-Pfalz.

August Zeuner war Gründungsmitglied des Deutschen Sportbundes und gehörte dem DSB-Präsidium von 1950 bis 1967 als Beisitzer und von 1967 bis 1971 als Nachfolger des zum Generalsekretär des OK München 1972 berufenen Herbert Kunze als Schatzmeister an. Zum Jahresende 1971 trat er von diesem Amt zurück und wurde beim DSB-Bundestag 1972 in Berlin zum DSB-Ehrenmitglied gewählt.

August Zeuner, der beruflich am 1. April 1971 die Geschäftsführung der Sport-Toto-GmbH Rheinland-Pfalz übernommen hatte, war als Rheinländer schon immer dem Nachbarland Frankreich besonders verbunden. So wirkte er für den Sport im Freundschaftskreis Rheinland-Pfalz/Burgund und wurde nach der Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks 1963 von der Bundesregierung als Vertreter des Deutschen Sportbundes in das DFJW-Kuratorium berufen.

Für diese Bemühungen um den Jugendaustausch und die Aussöhnung zwischen den beiden Völkern wurde August Zeuner von der Republik Frankreich mit dem Orden „Palmes Acadé-miques“ (1967) und mit der Ehrenmedaille für Jugend und Sport (1969) ausgezeichnet.

Seine Tätigkeit als DSB-Schatzmeister brachte auch die Übernahme weiterer wichtiger Ämter mit sich, so als Mitglied des Finanzausschusses des Organisationskomitees München 1972, als Mitglied der Deutschen Sportkonferenz und als Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsche Sporthilfe.

August Zeuner machte aber nicht nur Sportpolitik, sondern war auch als Bürgermeister von Oberwesel oft Gastgeber von in- und ausländischer politischer Prominenz – von Bundespräsident Professor Theodor Heuss über Bundeskanzler Konrad Adenauer bis hin zu Norwegens König Olaf. Sein Wirken im Sport und in der Politik wurde u. a. mit der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1974) gewürdigt.

Heiner Geißler, damals Minister für Soziales, Gesundheit und Sport in Rheinland-Pfalz, hat August Zeuner einmal als einen Menschen charakterisiert, der das offene Wort liebe, aber auch das offene Wort anderer ertragen könne. August Zeuner war insbesondere für den Sport in Rheinland-Pfalz eine Integrationsfigur, dessen Name immer mit der Sportentwicklung dieses Landes verbunden sein wird. Viel zu früh verstarb er am 9. Dezember 1976 im Alter von erst 63 Jahren. Rund 3.000 Menschen nahmen bei seinem letzten Weg in Oberwesel Abschied von einem großen Sportführer und beliebten Kommunalpolitiker.

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