Handball WM 2017 Deutschland: Andreas Michelmann „Ziel: Weltspitze in 6 bis 8 Jahren“

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Handball WM 2017 Deutschland: Andreas Michelmann „Ziel: Weltspitze in 6 bis 8 Jahren“ - Foto: SPORT4FINAL
Handball WM 2017 Deutschland: Andreas Michelmann „Ziel: Weltspitze in 6 bis 8 Jahren“ – Foto: SPORT4FINAL

Handball WM 2017 Deutschland: DHB-Präsident Andreas Michelmann stand am Finaltag der Handball-Weltmeisterschaft zu einem Interview mit SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp zur Verfügung.

Handball WM: Andreas Michelmann „Wir kamen zu der Erkenntnis, dass wir durch 10 bis 15 Jahre ziemlich kontinuierlicher Vernachlässigung des Frauen-Handballs in Deutschland einfach den Anschluss an die Spitze verloren haben.“

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Handball WM 2017 Deutschland: DHB-Präsident Andreas Michelmann im Interview

Herr Michelmann, was waren für Sie die „Schlüsselmomente“ dieser Handball-Weltmeisterschaft?

Andreas Michelmann: „Die absolut positivste Überraschung dieser Weltmeisterschaft ist für mich die extrem gute Zuschauer-Resonanz in den Standorten, wo die deutsche Mannschaft nicht gespielt hat, also in Oldenburg, Trier und Bietigheim-Bissingen. Was darauf schließen lässt, dass sich die Verantwortlichen besonders viel Mühe gegeben haben, die Hallen zu füllen. Das ist ja nicht automatisch, so eine Halle mit 3.000 Zuschauern zu haben, wenn die eigene Mannschaft nicht spielt. Das war für mich die größte Überraschung und wurde auch so von den Mannschaften wieder gespiegelt.

Nach dieser positiven Entwicklung war natürlich die negativste Erfahrung das Ausscheiden unserer Mannschaft im Achtelfinale gegen Dänemark. Wie der gesamte Stuff und die Spielerinnen war ich natürlich auch sehr niedergeschlagen. Aber wir haben auch in dieser Niederlage zusammen gestanden. Es gab am nächsten Tag keine Schuldzuweisungen. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass wir durch 10 bis 15 Jahre ziemlich kontinuierlicher Vernachlässigung des Frauen-Handballs in Deutschland einfach den Anschluss an die Spitze verloren haben. Das konnte in den 20 Monaten nicht wettgemacht werden. Dann kamen noch die Verletzungen von Schlüssel-Spielerinnen dazu. Alles in allem sind wir im sportlichen Bereich unter den Erwartungen geblieben, die wir uns selbst gesteckt haben.

Jetzt geht es darum, in den nächsten Jahren – wir haben uns als Ziel die nächsten 6 bis 8 Jahre gesetzt – so hart zu arbeiten, dass wir wieder an der Weltspitze ankommen.“

Meiner Meinung nach waren wir mit Heine Jensen 2012/2013 auf halbwegs gutem Weg und haben mit Jakob Vestergaard und Michael Biegler drei weitere Jahre in der sportlichen Entwicklung verloren. Sie betonen aber als Ursache die schon länger andauernde Erfolgslosigkeit.

Andreas Michelmann: „Ja, das ist meine Meinung, zu der ich auch stehe. Dazu kommt, dass Michael Biegler und Wolfgang Sommerfeld nicht nur einen erheblichen Teil von Strukturen aufgebrochen haben sondern auch neue Wege gegangen sind. Stichworte sind bspw. der Besuch der Bundesligisten und die Regional-Lehrgänge sowie die interne Kommunikation, wo sie noch Reserven bei den Trainingseinheiten in den Vereinen sehen. Deswegen fand ich es erstaunlich, dass dies dann einige Club-Trainer öffentlich gegen gespiegelt haben, nachdem die Weltmeisterschaft nicht so erfolgreich gelaufen ist. Ich finde, dass wir zwar vom Ergebnis her enttäuscht sein dürfen. Aber das hat nichts damit zu tun, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.“

Muss jetzt ein grundlegender personeller Neuaufbau durch den neuen Bundestrainer Henk Groener Richtung 2020 erfolgen?

Andreas Michelmann: „Nicht nur Richtung 2020, sondern wenn wir die Weltspitze in dem angegebenen Zeitraum von 6 bis 8 Jahren erreichen wollen, dann müssen wir jetzt mit dem Neuaufbau beginnen und dürfen jetzt nicht nur die nächste Europa- oder Weltmeisterschaft im Auge haben. Diesbezüglich auch noch eine Erkenntnis der Weltmeisterschaft im eigenen Land von unserem bisherigen Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld: Vielleicht sollten wir uns für die nächsten Jahre nicht so hohe Ziele setzen sondern eher die praktischen Schritte tun und sagen, das haben wir jetzt wirklich geschafft.“

Der Anfang muss aber unbedingt die EHF EURO 2018 in Frankreich sein …

Andreas Michelmann: „Natürlich fangen wir an. Nichts ist wichtiger als Katalysator wie der Erfolg. Das haben wir bei den Männern gesehen. Entscheidender ist tatsächlich, dass wir jetzt die nächsten Schritte gehen: Da, wo wir 2017 strukturell aufgehört haben, im nächsten Jahr mit dem neuen Bundestrainer Henk Groener anzusetzen und mit der neuen Mannschaft Stück für Stück voran kommen.“

Vielen Dank und viel Erfolg auf diesem Weg, Herr Michelmann.


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