Handball EM 2016: DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld „Im System mit der Weltspitze mithalten“

Handball EM 2016: DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld bei SPORT4FINAL: „Im System mit der Weltspitze mithalten“ - Foto: SPORT4FINAL
Handball EM 2016: DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld bei SPORT4FINAL: „Im System mit der Weltspitze mithalten“ – Foto: SPORT4FINAL

Handball EM 2016 Schweden – Hauptrunde: Deutschlands „Ladies“-Auswahl unter Bundestrainer Michael Biegler und Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld begeistert die einheimischen Fans.

DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld im SPORT4FINAL-Interview mit Redakteur Frank Zepp.

Handball WM 2017: SPORT4FINAL LIVE aus Frankreich mit den „bad boys“

Handball EM 2016 Schweden: SPORT4FINAL Live aus Göteborg

11.12.2016 – SPORT4FINAL Live aus Göteborg / Frank Zepp:

SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp
SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp

Im System mit der Weltspitze mithalten

Wie sieht Ihr EURO-Zwischenfazit aus?

Wolfgang Sommerfeld: „Wir sind mit der Leistung der Mannschaft sehr zufrieden. Im Projekt ‚Handball-WM 2017 in Deutschland‘ sind wir im Moment aufgabenorientiert unterwegs. Das funktioniert sehr gut. Die Mannschaft steigert sich von Spiel zu Spiel. Sie erfüllt die Aufgaben vom Bundestrainer Michael Biegler immer besser. Das hat im Moment Vorrang. Wir wissen nunmehr, wenn die Aufgaben angenommen werden und wir im System spielen, dann können wir mit der Weltspitze mithalten. Das ist ein schon mal beruhigendes Gefühl.“

Wie sieht das Erfolgsrezept des Bundestrainers aus?

Wolfgang Sommerfeld: „Es war Sinn und Zweck, einen Trainer aus dem männlichen Bereich zu finden, der die Philosophie des Handballs an die Ladies heran bringt. Gerade auch wie im skandinavischen und serbo-kroatischen Bereich, wo die Mannschaften eine ähnliche Philosophie spielen und keine Unterschiede machen. Das setzt Michael Biegler bei den Frauen um und er findet auch eine ideale Ebene, die Frauen richtig anzusprechen.“

In der spielstrategischen Achse hat der Bundestrainer mehr Erfahrung und Stabilität hinein gebracht?

Wolfgang Sommerfeld: „Ja natürlich, wir müssen uns breiter aufstellen. Wir haben momentan 38 Spielerinnen im Fokus, mit denen wir intensiv arbeiten. Wir wollen eine gesunde Mischung für die WM 2017 finden. Es ist klar, nur mit jungen oder nur mit älteren Spielerinnen werden wir es nicht schaffen. Wir sind auch froh, dass sich die bereits zurück getretenen Spielerinnen wieder bereit erklärt haben, für die Nationalmannschaft zu spielen und den Reset-Knopf zu drücken.“

Der Kern der WM-Mannschaft scheint schon zu stehen. Gibt es bei Susann Müller auch einen Rest-Knopf?

Susann Müller spielt Rolle, aber Bereitschaft muss von ihr ausgehen

Wolfgang Sommerfeld: „Susann Müller ist bei uns drin. Es steht eine Absage von ihr, dass sie nicht spielen will. Das heißt für mich, sie drückt den Reset-Knopf nicht. Wenn sie den drückt, ist sie selbstverständlich dabei. Sie ist auf Weltklasse-Niveau, wenn sie gut spielt. Wir brauchen aber von ihr auch diese Bereitschaft, spielen zu wollen. Sie war eingeladen zum Lehrgang und sie hat abgesagt. Sie spielt nach wie vor eine Rolle, aber jetzt muss ein Zeichen von ihr kommen. Aber es geht von vorn los. Wir wollen nicht mehr zurück schauen.“

Fundament steht: Begeisterung. Fokussierung und Teamspirit

Das deutsche Team ist in der Kompaktheit stark und mit Clara Woltering hier herausragend. Fehlen uns zur absoluten Weltspitze noch Weltklasse-Spielerinnen?

Wolfgang Sommerfeld: „Ja, die sind wir auch dabei zu entwickeln. Das muss auch unser Ziel sein. Wir haben ja auch im 38er Kader sieben jüngere Spielerinnen dabei, die im letzten Jahr noch Junioren-WM gespielt haben. Zwei von ihnen sind ja hier mit Emily Bölk und Alicia Stolle. Michael Biegler ist auch in der Lage, gute Spielerinnen noch besser zu machen. Er fördert nicht nur, sondern er fordert auch. Viele Spielerinnen im derzeitigen Kader haben einen Schritt nach vorn gemacht. Vielleicht finden wir ja auch die eine oder andere Nachwuchs-Spielerin, die in dem einen Jahr auch den entscheidenden Schritt nach vorn macht. Das Fundament ist jetzt gesetzt: Begeisterung. Fokussierung und Teamspirit sind gesetzt.“

Wir müssen die Qualität steigern

Das war auch so gegen Serbien?

Wolfgang Sommerfeld: „Die Ansprache vorher war klar: Wir müssen die Qualität steigern und wir müssen länger in der Lage sein, im System zu spielen. Aufgabenorientiert soll jede Spielerin die Bestleistung auf ihrer Position wahrnehmen. Die Mannschaft ist gegen Serbien das erste Mal, ausgehend von der Entwicklungsstufe, annähernd an die Trainingsleistung gekommen. Denn die war immer überragend. Aber diese müssen wir auch noch steigern. Auch Spitzenmannschaften wie die Niederlande, Frankreich und Norwegen haben auch mal Schwankungen über die 60 Minuten drin. Unser Ziel ist, wenn wir es schaffen, 45 Minuten im System zu spielen, dann werden wir auch sehr schwer zu schlagen sein.“

Wir haben noch zwei Spiele in der Hauptrunde gegen Spanien und Schweden. Sehen wir die Ladies noch im dritten oder vierten Match hier in Göteborg?

Wolfgang Sommerfeld: „Das muss unser Ziel sein. Selbstverständlich. Wir werden alles dafür tun, uns weiter zu entwickeln. Wenn die Mannschaft imstande ist, diese Form nachhaltig zu beweisen, dann bin ich optimistisch, dass wir zumindest noch ein drittes Spiel hier bekommen. Aber nochmal: Wir müssen nicht so sehr auf das Ergebnis schauen. Wir müssen die Qualität der Mannschaft steigern. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Gegen Serbien haben wir eine ganz andere Konstanz hinbekommen.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Sommerfeld.

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