Handball-Kommentar: DHB-Männer und der Bewertungsmaßstab

06.01.2014 – SPORT4Final:

DHB-Siege beim Supercup und dem Vier-Länder-Turnier tun dem deutschen Männerhandball und seinem Aushängeschild, der Nationalmannschaft, gut. Nur welchen Wert, welche richtungsweisende Bedeutung haben diese Erfolge?

DHB-Männer-Nationalmannschaft - Foto: DHB/picture-alliance
DHB-Männer-Nationalmannschaft – Foto: DHB/picture-alliance

 

Nach dem guten fünften WM-Platz im Januar 2013 in Spanien, dem (scheinbaren) Eintritt in die erweiterte Weltspitze einerseits und der Bruchlandung in der Qualifikation zur am kommenden Wochenende beginnenden Europameisterschaft in Dänemark ist ohne Schminke festzuhalten: Nur erfolgreiche Teilnahmen an Titelkämpfen mit einer konkurrenzfähigen Mannschaft können der Leistungs- und Bewertungsmaßstab der Handball-Männer und ihres Vorzeigeteams sein! Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb ist die Quintessenz der beiden letzten Turniersiege für SPORT4Final: Zuversicht und Teamentwicklung ja – Euphorie, Selbstüberschätzung und Realitätsferne nein.

Nach der Neuwahl der DHB-Führung im September letzten Jahres, neuen Kommunikations- und Führungsstilen sowie wieder gefundener Funktionärsverbundenheit mit den Spielern und Trainern ist nun der nächste, sportliche Schritt gefragt: Was das Frauen-Nationalteam in den letzten zwei Jahren an Entwicklungspotential durch beharrliche und strukturierte Teamarbeit frei geschaufelt hat, bestätigte das Team bei der Handball-Weltmeisterschaft in Serbien vor wenigen Wochen. Die Weltspitze am Ende des Tunnels ist wieder sichtbar. „Heubergers Nationalmannschaft“ hat nach verlorenen Entwicklungsjahren in der Endphase der „Brand-Ära“ nur Zeit bis zu den entscheidenden WM-Qualifikationsspielen im Juni 2014 gegen einen mehr als gleichwertigen Gegner. Denn: Schafft Deutschland die Teilnahme an der Katar-WM 2015 nicht, wird der Umbruch im Männer-Handball ungleich größer ausfallen. Nicht nur durch einen Wechsel auf dem Bundestrainer-Posten! Auch die Bundesliga-Profis und die Liga-Verantwortlichen werden sich unangenehmen Fragen stellen müssen. Die prestigeträchtigen Handball-Weltmeisterschaften 2017 in Frankreich sowie die Heim-Titelkämpfe 2019 gemeinsam mit Dänemark sind ohne starke, um Medaillen kämpfende deutsche Mannschaften undenkbar! Auch Olympia 2016 in Rio!

Bundestrainer Heubergers Erkenntnis aus den beiden siegreichen Turnieren, dass die zweite Reihe überzeugte und die gute Entwicklung sowie der Reifeprozess der Mannschaft weiter voran getrieben werden müssen, gehört zum wichtigen Teil der Zuversicht und nie erlahmenden Hoffnung. Nur klar ist auch, dass aus den medaillenträchtigen Nachwuchsmannschaften des letzten Jahrzehntes zu wenige Spieler an das Weltspitzenniveau heran geführt wurden. In der stärksten (Bundes)-Liga der Welt schafften es bisher nur selten die talentierten deutschen Hoffnungen, in den Spitzenteams in sportlicher Konkurrenz die Weltklasse verkörpernden ausländischen Stars mehr auf die Auswechselbank zu verdrängen. Diesbezüglich ist gerade auch die Liga-Spitze in Zusammenarbeit mit dem DHB-Präsidium in den kommenden Jahren bei weiteren strukturellen Problemlösungen gefragt. Die erfolgshungrigen Nachwuchsspieler stehen für Deutschland bereit, das ist als Basis künftiger Erfolge gut so. Einfach den Handball-Frauen nach ziehen und den historisch so erfolgreichen deutschen Handballsport bei Großereignissen stabil nach vorn bringen. Dies sind Aufgabe und Bewertungsmaßstab zugleich.        

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