Volleyball-EM 2013: Kristina Heidenreich im Interview mit Maike Arlt

04.09.2013 – PM:

Eine Volleyball-EM im eigenen Land ist für jeden Sportler etwas ganz Besonderes. Wie es sich anfühlt, vor eigenem Publikum um den Titel zu kämpfen, weiß Maike Arlt. Die gebürtige Meißnerin und 251-fache Nationalspielerin wurde 1983 in Rostock mit der DDR Auswahl Europameisterin und wiederholte diesen Triumph 1987 im belgischen Gent. Die Außenangreiferin spielte für den SC Dynamo Berlin, später beim CJD Berlin. Wenige Tage vor Beginn der Volleyball Europameisterschaft der Frauen in Deutschland und der Schweiz spricht sie über die Bedeutung einer Heim EM, den Druck, der auf den Schultern der Spielerinnen lastet und ihre Favoriten auf den Titel.

Frau Arlt, Sie wurden 1983 und 1987 mit der DDR-Auswahl Volleyball-Europameisterin, 1983 sogar vor heimischem Publikum. Was bedeutet eine Heim EM für einen Sportler? Wie haben Sie die EM 1983 erlebt?

Arlt: „Im eigenen Land eine Meisterschaft zu spielen, ist verbunden mit Verantwortung, Druck und vielen Emotionen. Mit jedem gewonnenen Spiel wurden wir besser und selbstbewusster und die Menschen haben uns förmlich getragen. Der „7.Mann“ ist einfach wichtig und nicht zu unterschätzen. Wir waren einfach auch nur stolz.“

Haben Sie einen Tipp an die heutigen Spielerinnen, wie man mit dem Druck einer Heim EM am besten umgeht?

Arlt: „Es ist schwierig, den richtigen Ratschlag parat zu haben. Der Druck wird doch schon automatisch über die Medien gemacht und der eigene Druck kommt noch hinzu. Die Spielerinnen und auch der Trainer sollten sich ganz in Ruhe auf diesen Höhepunkt vorbereiten können, zumal der Terminkalender ohnehin schon mächtig gefüllt ist. Das große Ziel hat man im Fokus, sobald jedoch die EM mit dem ersten Spiel beginnt, wäre die so genannte „Scheibchentheorie“ eine mögliche Variante. Jedes Spiel separat zu betrachten und den Gegner gut analysieren. Ganz wichtig finde ich, sich während solch eines Ereignisses von dem großen Rummel nicht vereinnahmen zu lassen. Konzentration auf das Entscheidende ist absolut notwendig.“

Die Berliner Max Schmeling Halle hat sich in den letzten Jahren zu einem „Volleyballtempel entwickelt. Die Finalpartien der Frauen-WM 2002 und der Männer-EM 2003, sowie die erfolgreiche Olympia-Qualifikation der DVV-Männer im vergangenen Jahr fanden vor zahlreichen Volleyball-Begeisterten statt.

Arlt: „Der Druck war sehr hoch, zumal diese EM auch gleichzeitig die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele war. Nur der Erste bei dieser EM durfte Olympia sehen und Ziel war die Qualifikation. Wer ganz oben mitspielen will, muss mit Druck und Verantwortung umgehen und sich dieser Aufgabe stellen. Eine andere Chance gibt es aus meiner Sicht nicht. Es gab da schon sehr oft schlaflose Nächte, das können Sie mir glauben.“

Was erhoffen Sie sich von der Heim-EM, für Berlin und den Volleyballsport insgesamt?

Arlt: „Dass der Volleyballsport und ganz speziell in Berlin in der Max-Schmeling-Halle solch eine Resonanz gefunden hat, finde ich außerordentlich. Das hat sehr viel Arbeit, Kraft und Engagement aller Beteiligten abverlangt. Es ist wirklich nicht leicht, neben dem „Dauerbrenner Fußball, dem Handball, Basketball und dem Eishockey immer wieder Achtungszeichen zu setzen. Es wurde aber geschafft, und man nimmt Volleyball wahr. Ich denke, die Sportarten respektieren sich gegenseitig. Volleyball ist ein relativ fairer (Netz steht dazwischen) und ein sehr ästhetisch und eleganter Sport. Ich denke, das gefällt vielen Menschen. Wenn in diesem „Volleyballtempel dann auch noch Siege errungen werden, dann sind alle von dieser Atmosphäre gefangen und haben Gänsehaut.

Vize-Europameister 2011, im Juli dann mit dem Sieg bei der European League der erste Titel für eine deutsche Mannschaft seit 1987 – wie schätzen Sie die Chancen der DVV-Auswahl ein? Wer sind Ihrer Meinung nach weitere Favoritinnen auf eine Medaille oder gar den EM-Titel?

Arlt: „Die deutsche Auswahl ist ein Mitfavorit und ich würde mich sehr freuen, am 14. September um 20 Uhr unsere Mannschaft an schauen zu dürfen. Russland, Italien, Polen und Serbien sind sehr starke Mannschaften, aber wer EM-Sieger wird, vermag ich nicht zu sagen.“

Wie werden Sie die Finalpartien in der Max-Schmeling-Halle erleben?

Arlt: „Ich werde mir auf jeden Fall die Spiele ansehen und das ist Erlebnis genug.“

Wenn Sie einen Wunsch für die EM frei hätten, welcher wäre das?

Arlt: „Ich wünsche mir, dass das Team um Giovanni Guidetti am Ende des Turniers auf dem Treppchen steht und die Trophäe in der Hand hält. Das ist der richtige Lohn für alle Mühen.“

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