Dopingstudie: Thomas Bach im Interview

13.08.2013 – DOSB-Presse:

 

DOSB ruft Berliner Forscher auf: 804 Seiten veröffentlichen

 

Der DOSB als Initiator der Studie „Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ fordert die Berliner Forschergruppe um Giselher Spitzer auf, ihren offenbar der Süddeutschen Zeitung vorliegenden 804 Seiten starken Bericht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach einer Telefonkonferenz des DOSB-Präsidiums mit Vertretern der Sprechergruppen im DOSB erklärt der Dachverband des deutschen Sports:

 

„Wir stehen ohne Wenn und Aber zu unserer Initiative aus dem Jahr 2008, die Dopinggeschichte in Deutschland anknüpfend an die bereits vorliegenden Forschungen von u.a. Berendonk/Franke und Singler/Treutlein umfassend und systematisch zu untersuchen. Wir begrüßen, dass das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) als alleiniger Auftraggeber der Studie den von den Forschergruppen der Universität Münster und der Humboldt-Universität Berlin erarbeiteten Abschlussbericht am Montag auf seiner Homepage veröffentlicht hat.

 

Offensichtlich liegt einer Zeitung ein weiterer 804 Seiten starker Bericht der Berliner Forscher vor. Als Initiator treten wir für volle Transparenz ein und fordern die Forscher auf, den Bericht der gesamten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach Angaben des BISp hat dieses eine entsprechende Freigabe zur Veröffentlichung durch die Forschergruppe am 30. Mai 2012 erteilt.

 

Der DOSB hat eine unabhängige Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Richters am Bundesverfassung, Prof. Dr. Udo Steiner, eingerichtet. Diese Kommission wird dem DOSB Empfehlungen für den Umgang mit der Vergangenheit und für daraus zu ziehende Lehren für den Anti-Dopingkampf geben. Wir erwarten, dass dieser Kommission alle Unterlagen der beiden Forschergruppen aus Münster und Berlin vollständig zur Verfügung gestellt werden.“

 

Dopingstudie: Thomas Bach im Interview

 

DOSB-Präsident Thomas Bach nimmt im Interview Stellung zu den Diskussionen rund um die Studie „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“.

 

Warum hat der DOSB diese Studie initiiert?

 

Als Teil unser Null-Toleranz-Politik gegen Doping wollten wir Klarheit über die Geschichte des Dopings auch im Westen. Es gab dazu zwar wichtige Studien, wie von Singler/Treutlein und Berendonk/Franke, aber keine Gesamtdarstellung. Es sollten Erkenntnisse über die Vergangenheit und daraus abzuleitende Verbesserungen des Kampfes gegen Doping für die Zukunft, insbesondere für Aufklärung und Prävention, gewonnen werden. Ich habe persönlich 2008 die Initiative dazu im DOSB-Präsidium ergriffen.

 

Wie bewerten Sie die ersten öffentlichen Reaktionen auf den nunmehr veröffentlichen Abschlussbericht?

 

Wir begrüßen die breite öffentliche Diskussion zu diesem wichtigen Thema, welche die Richtigkeit unserer Initiative bestätigt. Wir hoffen auf eine umfassende sachliche Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen, damit auch Generalverdacht und Spekulationen vermieden werden können. Das gilt sowohl für den DOSB wie für mich persönlich. Wir stehen als Initiator zu diesem Projekt als Teil unserer Null-Toleranz-Politik gegen Doping. Diese Null-Toleranz Haltung nehme ich auch für mich persönlich in Anspruch. Es gilt, was ich auf Nachfrage schon unmittelbar nach Veröffentlichung der Studie im ZDF gesagt habe: In meiner aktiven Zeit als Fechter und damit auch bei unserem Olympiasieg 1976 in Montreal war Doping für uns kein Thema. Deshalb konnten wir den Kontrollen gelassen entgegen sehen. Über andere Sportarten habe ich dann später gelesen und Hinweise erhalten. Dies führte dazu, dass wir bereits 1981 mit der Sprechergruppe der Athleten beim Olympischen Kongress in Baden-Baden die lebenslange Sperre für Doper gefordert haben.

 

Und dann?

 

Diese Null-Toleranz-Politik hat meine Tätigkeit im Sport seitdem wie ein roter Faden durchzogen. Sei es in der Athleten-Kommission des IOC, sei es bei meiner Tätigkeit für adidas, wo ich erstmals eine Anti-Doping Klausel in Verträgen mit Athleten eingeführt und gerichtlich durchgesetzt habe, sei es später in der Juristischen Kommission des IOC als Mitautor des ersten weltweit gültigen Anti-Doping-Kodex, sei es als Vorsitzender zahlreicher IOC Anti-Doping Disziplinar-Kommissionen mit harten Strafen nicht nur gegen Athleten, sondern auch gegen Hintermänner und sogar gegen involvierte Sportorganisationen, sei es als Präsident des DOSB mit einem unmittelbar nach seiner Gründung beschlossenen Zehn-Punkte Aktionsplans gegen Doping bis hin zur Initiative der Erstellung der Studie „Doping in Deutschland“.

 

 

Fragen und Antworten zur „Doping-Studie“

 

Der DOSB hat im Folgenden Fragen und Antworten formuliert, die dazu beitragen, die Sicht auf die komplexe Faktenlage um die Studie „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“ zu erhellen.

 

Wie ist die Studie in Gang gekommen?

 

Der DOSB hat sich im März 2008 mit seiner Initiative an das  Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp) mit der Bitte gewandt, eine solche Studie in Auftrag zu geben. Dem ist das BISp gefolgt. Es hat von da an in eigener Verantwortung gemäß den für eine Behörde geltenden Vorschriften das Verfahren betrieben, die Aufträge nach öffentlicher Ausschreibung vergeben und die Verträge zwischen dem BISp als Auftraggeber und den Forschern als Auftragnehmer geschlossen.

 

Auf welche Art und Weise war der DOSB in das Verfahren eingebunden?

 

Das BISp als Auftraggeber hat einen aus 14 Mitgliedern bestehenden wissenschaftlichen Projektbeirat gegründet, wie dies nach Aussage des BISp bei Forschungsarbeiten dieses Umfangs notwendig und üblich ist. In diesen wissenschaftlichen Beirat hat das BISp zwei Mitglieder des DOSB-Präsidiums, nämlich  Frau Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper und Herr Ingo Weiss sowie der zuständige Ressortleiter Olav Spahl  berufen. Wie alle anderen Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats mussten  alle Drei eine umfassende Vertraulichkeitsverpflichtung unterschreiben. Diese galt auch gegenüber dem Präsidium des DOSB und wurde eingehalten.

 

Stimmt es, dass der Bericht zunächst wegen Geldmangels nicht fertiggestellt werden konnte?

 

Die Finanzierung ist allein eine Angelegenheit zwischen dem BISp als Auftraggeber und den Forschern als Auftragnehmer.  Der DOSB hat hierauf keinen Einfluss. Auf unsere Nachfrage wurde uns vom BISp mitgeteilt, dass – im Gegenteil – bereitstehende Gelder von den Berliner Forschern nicht abgerufen worden sind. Die Münsteraner Forschungsgruppe habe dagegen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

 

Wie erklärt sich die Verzögerung der Veröffentlichung des am Montag erschienenen Abschlussberichts der Berliner Forschergruppe?

 

Auch das ist eine Frage, die nur zwischen dem Auftraggeber BISp und den Forschern als Auftragnehmer geklärt werden konnte. Dem DOSB wurde auf Nachfrage vom BISp mitgeteilt, es seien noch erhebliche wissenschaftliche und rechtliche Fragen zu klären gewesen.

 

Warum gibt es zwei Berichte mit unterschiedlichem Umfang?

 

Auch diese Frage kann nur vom Auftraggeber und den Auftragnehmern beantwortet werden.  Der DOSB hatte darauf keinen Einfluss.  Auf unsere Nachfrage hat uns das BISp erklärt, der jetzt veröffentlichte gemeinsame Abschlussbericht der Berliner und Münsteraner Forscher sowie die einzelnen Abschlussberichte seien von den Forschern in eigener Verantwortung erstellt und zur Veröffentlichung freigegeben worden. Der Humboldt-Universität habe das BISp am 10. Juli 2013 die Freigabe zur Veröffentlichung erteilt.

 

Im Sinne der vom DOSB als Initiator gewünschten Transparenz haben wir die Forschergruppe aus Berlin aufgefordert, einen außer dem wissenschaftlichen Projektbeirat offenbar allein der Süddeutschen Zeitung vorliegenden weiteren Bericht im Umfang von 804 Seiten der gesamten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Wie geht der DOSB mit den Berichten um?

 

Wir haben eine unabhängige Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht,  Herrn Prof. Dr. Udo Steiner, eingerichtet. Diese Kommission hat zur Aufgabe, dem DOSB-Präsidium Empfehlungen für den Umgang mit der Vergangenheit und für daraus zu ziehende Lehren für die Zukunft des Anti-Doping-Kampfes zu geben. Wir erwarten, dass dieser Kommission alle Unterlagen der beiden Forschergruppen aus Münster und Berlin vollständig zur Verfügung gestellt werden.

 

 

 

Christa Thiel neue Vorsitzende in FINA-Disziplinarkommission

 

Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes und DOSB-Vizepräsidentin, ist zur neuen Vorsitzenden der Disziplinarkommission des Welt-Schwimmverbandes (FINA) gewählt worden. Die Juristin sitzt zudem künftig als neues Mitglied im National Federation Relations Committee. Die Wahlen fanden beim General Congress im Rahmen der Schwimm-Weltmeisterschaften in Barcelona am 26. Juli statt. 

 

Neben Christa Thiel wurden weitere Vertreter des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) in FINA Komitees und Panels gewählt. Dazu zählen Andrea Thielenhaus als Mitglied im Technical Swimming Committee, Anke Piper als Mitglied im Technical Diving Committee und Niculae Firoiu als Mitglied im Technical Water Polo Committee.