HC Leipzig in der Krise. Quo vadis sportlich und wirtschaftlich?

Mannschaftsposter HC Leipzig - Quelle: HC Leipzig
Mannschaftsposter HC Leipzig – Quelle: HC Leipzig

Der HC Leipzig als deutscher Handball-Rekordmeister scheint wirtschaftlich und sportlich sehr schweren Wochen und Monaten entgegen zu gehen. Im derzeitigen Wechselbad zwischen personellen, leistungssportlichen und finanziellen Ungleichgewichten ist ernsthafte Besorgnis angesagt:

  • Der Wechsel von Ex-Nationalspielerin Luisa Schulze schwelte seit dem Bietigheim-Angebot vom April 2016 und wurde vergangene Woche mit Ablösesumme (über die Höhe wurde laut Manager Kay-Sven Hähner Stillschweigen vereinbart) vollzogen.

  • Die sportlichen Leistungsschwankungen in der bisherigen Saison mit dem Negativ-Höhepunkt des Ausscheidens als Titelverteidiger in der zweiten Runde des DHB-Pokals beim Buxtehuder SV.

  • Die Verletzung von Saskia Lang mit bis zu drei oder vier Wochen Dauer könnte in einigen der kommenden zehn Spiele in der Bundesliga (4) und Champions-League-Vorrunde (6) bis zur EURO-Pause für weiteren sportlichen bzw. ergebnismässigen Aderlass sorgen.

  • Last but not least drücken den HC Leipzig seit Jahren größere finanzielle Probleme, über die das Management des Vereins auch im heutigen Pressegespräch wenig aktuelle Fakten zum Verschuldungsgrad beitragen konnte.

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SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp beleuchtet einige Aspekte in Thesenform.

SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp
SPORT4FINAL-Chefredakteur Frank Zepp

11.10.2016 – SPORT4FINAL / Frank Zepp:

I  Das sportliche „Überleben“ in der Spitzengruppe der Handball-Bundesliga wird maßgeblich von den Ergebnissen in den Topspielen beim Thüringer HC am 12. Oktober und im Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim abhängen. Zudem muss noch daheim gegen Celle (26.Oktober) und beim Pokalfinalisten in Dortmund (9.November) angetreten werden. Mittendrin liegen die drei Auswärtsspiele in der Champions League in Astrachan (15. Oktober), Skopje (21.Oktober) und Budapest (29.Oktober). Um die Hauptrunde der Königsklasse erreichen zu können, muss mindestens Rang drei in der Vorrundengruppe erzielt werden. Dabei scheinen Punkte eher in den Heimspielen des Novembers möglich. Unter den gegebenen personellen Gegebenheiten müssten wohl schon „Sternstunden auf der Platte“ den HC Leipzig der „Herkulesaufgabe Hauptrunde“ näher bringen.

II  Da der HC Leipzig auch schon aus wirtschaftlichen Gründen vor der Saison den Kader nur in der Breite mit Hildigunnur Einarsdottir und Tamara Bösch sowie der wieder genesenden Luisa Sturm auffüllen konnte, ist die sportliche Zukunft des Vereins in den kommenden Wochen höchst ungewiss. Personeller Ersatz für Luisa Schulze ist nicht vorgesehen.

III  Viel bedrohlicher scheint sich der finanzielle Überlebenskampf des Vereins darzustellen. Beleg hierfür sind die offiziellen Jahresabschlüsse der HC Leipzig Bundesliga GmbH. Die folgenden Zahlen sind der öffentlich zugänglichen Quelle – Bundesanzeiger Verlag GmbH, Unternehmensregister – entnommen. Da noch keine aktuelle Bilanz zum Stichtag 30. Juni 2016 vorliegt, muss auf die Werte per 30. Juni 2015 zurück gegriffen werden. Der HC Leipzig wies zu diesem Datum einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag i.H.v. 745.659,96 EUR aus. Aber: Dieser Fehlbetrag lässt keine Rückschlüsse zu, ob die Bundesliga GmbH wirklich überschuldet ist. Die Bedeutung liegt vielmehr in einer zumindest formell-buchmäßigen Überschuldung.

Viel bedeutungsvoller aus Sicht der Liquidität ist der Anstieg der Verbindlichkeiten von 861.001,11 EUR (30.06.2014) auf 1.076.783,92 EUR (30.06.2015). Die HC Leipzig Bundesliga GmbH wies per 30. Juni 2015 einen Bilanzverlust in Höhe von EUR 795.659,96 EUR aus. Im heutigen Pressegespräch konnte Manager Kay-Sven Hähner auf Nachfrage zum aktuellen Stand der Verbindlichkeiten keine Auskunft geben.

IV  Fakt ist aber folgendes, was der HCL-Manager Hähner bestätigte: Der HC Leipzig ist mit der Überweisung von Gehältern an Spielerinnen in Verzug – in welcher Größenordnung Fehlanzeige. Die Ursache des Liquiditäts-Engpasses: „Wir sind mit allen Partnern und Sponsoren im Gespräch, weil ausstehende Zahlungen der Hauptgrund für die fehlende Liquidität sind. Es gäbe noch einige offene Posten, die uns zustehen. Wir haben aber natürlich keine Druckmittel gegenüber den Sponsoren. Wir sind auf gutem Weg, das Geld von den Partnern zu bekommen“, meinte Kay-Sven Hähner weiter. „Mahnungen an den Verein sind aber auch schon vorgekommen und Realität.“

V  Epilog: Quo vadis HC Leipzig? Diese spannende Frage wird die Handballfans in den nächsten Wochen und Monaten begleiten. Käme ein Mäzenat wie in Bietigheim, „würden wir ihn nicht wegschicken“, so noch einmal der HCL-Manager. Interessant wird auch die Frage nach den möglichen Verlängerungen der im Sommer auslaufenden Spielerinnen-Verträge. Im Fokus werden diesbezüglich Katja Kramarczyk, Alexandra Mazzucco, Franziska Mietzner, Saskia Lang, Anne Hubinger, Luisa Sturm und Shenia Minevskaja stehen. Karolina Kudlacz-Gloc steht noch bis 2019 beim HC Leipzig unter Vertrag.

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