Handball EM 2016: Deutschland mit „Entwicklungs-Remis“ gegen Spanien

Emily Bölk - Handball EM 2016 - Foto: Sascha Klahn/DHB
Emily Bölk – Handball EM 2016 – Foto: Sascha Klahn/DHB

Handball EM 2016 Schweden – Hauptrunde: Deutschlands „Ladies“-Auswahl von Bundestrainer Michael Biegler und DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld schaffte nach großer Aufholjagd bei 14:18 in der 43. Minute noch ein 20:20 (9:12) Unentschieden gegen Vize-Europameister Spanien.

Zwei unterschiedliche Halbzeiten prägten das Match. Spanien dominierte die erste Hälfte und Deutschland mit Tempospiel und trotz schlechter Chancenverwertung nach der Pause. Technische und Regelfehler in Größenordnung von 16 zu 17 zeugten nicht von der großen Match-Qualität. Aber die DHB-Auswahl zeigte Kampfgeist und Mentalität.

Quintessenz: Dem „Entwicklungs-Projekt“ Heim-WM 2017 fügt das Remis keinen langfristigen Schaden zu. Nur für den EURO-Turnierverlauf und der „leisen Hoffnung“ auf das Halbfinale bzw. dem Match um den fünften Platz sind die Chancen etwas gesunken. Diesbezüglich war der eine Punkt womöglich zu wenig.

Handball EM 2016: Deutschland mit „Entwicklungs-Remis“ gegen Spanien - Foto: Peter Jansen
Handball EM 2016: Deutschland mit „Entwicklungs-Remis“ gegen Spanien – Foto: Peter Jansen
SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp im Scandinavium Göteborg
SPORT4FINAL-Redakteur Frank Zepp im Scandinavium Göteborg

12.12.2016 – SPORT4FINAL Live aus Göteborg / Frank Zepp:

Die deutsche Nationalmannschaft startete mit 6:11 (23.) schlecht in die Begegnung. Keine innere Bindung zu Spiel und Gegner und der deutsche Spielfaden wurden im System der Stammformation nicht gefunden. Einige Leistungsträger vergangener Spiele kamen nicht an ihre Leistungen heran. Aber der Pausen-Rückstand schien noch erträglich und korrigierbar.

In der zweiten Halbzeit ging es bis zum 14:18 ähnlich weiter. Der Bundestrainer wechselte durch und brachte eine „neue“ Innenverteidigung mit Julia Behnke und Kim Naidzinavicius. Dinah Eckerle kam bereits in der 26. Minute für Clara Woltering und zeigte einen prima EURO-Einstand.

Warum Deutschland in der Crunchtime nicht den Sieg schaffte? Zwei Antworten – die eigene Chancenverwertung von 47 Prozent und „Matchplayer“ Silvia Navarro mit 16 Paraden und 44 Prozent Fangquote. Auf deutscher Seite standen dem 9 gehaltene Bälle und 31 Prozent gegenüber. Svenja Huber hatte in der Schlussminute per Siebenmeter die deutsche Führung in der Hand – scheiterte aber an Navarro. Isabell Klein wurde 13 Sekunden vor Schluss schwer verletzt – Diagnose noch unbekannt.

Stimmen nach dem Match:

Jorge Duenas (Spanien): „Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel nach der Niederlage gegen Frankreich werden würde. Es war eine Frage der Mentalität, aber meine Spielerinnen zeigten ihr bestes Gesicht. In der ersten Hälfte spielten wir sehr gut im Angriff und der Verteidigung. In der zweiten Hälfte hatten wir Probleme im Angriff. Wir hatten nur drei starke Angreiferinnen. Aber wir haben ein Unentschieden geschafft, was für die Mentalität wichtig ist. Wir können nun die EURO mit dem besten Gesicht beenden.“

Michael Biegler (Deutschland): „Wegen der Verletzung von Isabell Klein bin ich nicht glücklich. Sie ist auf dem Weg gerade ins Krankenhaus. Wir müssen sehen, wie schwer es ist. Ich will nicht darüber diskutieren, ob es ein gewonnener oder ein verlorener Punkt ist. Wir haben nicht unser normales Niveau in der ersten Hälfte gefunden. Unsere Verteidigung war nicht aggressiv genug. Wir spielten nicht so schnell, wie wir wollten. Wir hätten gewinnen können, wir haben nicht verloren. So ist alles in Ordnung.“

Clara Woltering (Deutschland): „Wir haben unseren Kampfgeist wieder gezeigt. Ich bin zufrieden mit unserer zweiten Hälfte, das war viel besser. Das Ergebnis spielt keine Rolle für mich, so dass ich nicht sagen kann, ob es ein gewonnener oder verlorener Punkt ist. Wir werden im nächsten Spiel sehen, was dieser Punkt wert war. Auf jeden Fall ist ein Unentschieden gegen Spanien ein gutes Ergebnis für uns.“

Anna Loerper (Deutschland): „Isabell scheint sich die Nase gebrochen zu haben. Ich denke, heute haben wir einen Punkt verloren. Wir waren nicht gut, vor allem in der ersten Hälfte. Unsere Verteidigung war nicht so gut wie in den anderen Spielen. Natürlich kamen wir zurück und wir trafen, aber es war einfach nicht genug.“

Kerstin Wohlbold (Deutschland): „Am Ende des Spiels vergaben wir viele Bälle vor allem wegen Torhüterin Navarro, so dass ich denke, es ist ein verlorener Punkt. Wir haben bis zum Ende gekämpft, aber wir müssen besser werfen.“

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